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Werder-Stadionsprecher Arnd Zeigler (li.) und Kumpel Lotto King Karl im Jahr 2016.

„Da wird ein Bauernopfer gesucht“

HSV-Ärger: Werders Arnd Zeigler unterstützt Lotto King Karl

Hamburg – Sportlich ist der Hamburger SV nach dem verpassten Wiederaufstieg schwer gebeutelt, nun wird es auch noch menschlich unangenehm. Denn Stadionsprecher Lotto King Karl und seine Hymne „Hamburg meine Perle“ sind nach einer gefühlten Ewigkeit plötzlich unerwünscht. Und dabei spielt ausgerechnet Erzrivale Werder Bremen eine Rolle, eine doppelte sogar.

Erst mussten die Bremer als Beweis dafür herhalten, dass Lottos Song nicht mehr zeitgemäß sei – und nun hat Werders Stadionsprecher Arnd Zeigler Partei für seinen Freund Lotto und dessen Hymne ergriffen. Nicht irgendwo, sondern vor 5.000 Zuschauern, wahrscheinlich alles HSV-Fans, im Hamburger Stadtpark.

Werder Bremen: Stadionsprecher Arnd Zeigler schon lange mit Lotto King Karl befreundet

„Das war definitiv nicht so von mir geplant“, erklärt Zeigler auf Nachfrage der DeichStube. Er sei schon lange mit Lotto befreundet und deshalb auch bei dessen 50. Konzert im Stadtpark gewesen. Hinter der Bühne. Doch irgendwann kam Lotto da eine Idee, besser gesagt: Es war ein großer Wunsch. Zeigler solle doch „Hamburg meine Perle“ ankündigen. 

Die Hymne ist gerade an der Elbe ein ganz großes Thema. Tim-Oliver Horn, der Chef des mit 65.000 Mitgliedern sehr mächtigen Supporters Clubs, hatte gefordert, das Lied aus dem Volksparkstadion zu verbannen. Schließlich gehe es im Text darum, wie ach so erfolgreich der HSV doch sei und wie chancenlos die Gegner. „Wollen wir mal ehrlich sein? Werder Bremen hat uns über Jahre abgehängt, hat uns am Ende immer geschlagen, wenn es darauf ankommt und wir singen: , . . . gibt’s für dich hier nix zu holen’’, kritisierte Horn in den sozialen Medien. Und er fand damit tatsächlich Gehör beim HSV. Lotto und Lied sind Vergangenheit – zumindest in der Arena.

Auf seinem Konzert wurde der Song vehement gefordert. Als aber ausgerechnet Zeigler als Ansager auf die Bühne kam, war die gute Stimmung futsch – erst mal. „Natürlich haben die mich ausgebuht. Das war ja vorher schon klar“, erzählt Zeigler. Doch Lotto griff ein und drohte: „Ihr habt die Wahl – entweder ihr lasst den Mann reden oder wir singen den Song heute nicht.“ Da herrschte Stille – und Zeigler sagte: „Ich bin sehr verwundert, dass ,Hamburg, meine Perle' abgeschafft werden soll, als wäre dieser Song jetzt plötzlich über Nacht schlecht geworden, wie sauer gewordene Milch oder ein ranziges Stück Käse im Kühlschrank.“ 

Er hätte das Lied bei aller Rivalität bei jedem Auswärtsspiel mit Werder Bremen in Hamburg im Stadion sehr gerne gehört. „Es ist doch ein Alleinstellungsmerkmal des HSV“, so Zeigler. Wenn Lotto vor dem Einlaufen der Mannschaften mit einer Hebebühne vor der Fankurve in die Höhe gebracht werde und seinen Song schmettere, „dann ist das ein festes Ritual, das sich viele andere Clubs so ähnlich wünschen würden“. 

Und der Text? „Kein Text einer Stadionhymne hält allen Prüfungen stand“, behauptet Zeigler und schließt seinen eigenen Song „Lebenslang Grün-Weiß“ mit ein: „Wir singen auch von der Meisterschaft – und die letzte ist schon 15 Jahre her. Vereinssongs sind immer etwas realitätsfern, aber sie sollen in erster Linie im Stadion funktionieren. Wir haben den Song mal aktualisiert, aber die Rückmeldungen besagen, dass die Leute lieber das Original singen.“ Die Entscheidung, ob eine Hymne noch passt oder nicht, treffe das Stadion. „Stimmbänder-Abstimmung“, nennt Zeigler das. Wenn nicht mehr mitgesungen würde, sei es eben vorbei.

Werder-Stadionsprecher Zeigler will sich in deren Angelegenheiten nicht einmischen

Im Stadtpark wurde es nach Zeiglers Ansage richtig laut, als wollten die HSV-Fans ihren Song bis ins Volksparkstadion brüllen. Lotto war zufrieden, Zeigler auch. Wenngleich er zugibt: „Das war schon eine heikle Sache. Ich wollte mich weder anbiedern, noch provozieren. Ich möchte mich auch nicht in deren Angelegenheiten einmischen. Ich finde eben nur, dass man Tradition auch dann bewahren sollte, wenn es um einen Stadionsong geht, der seit vielen Jahren einen festen Stellenwert hat. Und ich finde, der HSV hat sich da gerade ein Bauernopfer gesucht, obwohl der Verein andere Sorgen haben sollte als Lottos Lied.“

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