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Werder Bremen trifft im nächsten Bundesliga-Spiel auf Eintracht Frankfurt. Dient Hütters Elf Florian Kohfeldt und seinen Jungs als Aufbauhelfer?

Nach Pleite gegen Union Berlin ist vor Auswärtsspiel gegen Werder Bremen 

Aufbauhelfer für Werder? Die Eintracht präsentiert sich wieder als launische Diva

Von Frank Hellmann. Am Sonntag empfängt Werder Bremen die Frankfurter Eintracht im Weserstadion – es wird ein Spiel gegen einen Gegner, aus dem man aktuell nicht klug wird. Bei der 1:2-Pleite gegen Union Berlin zeigten die Hessen einmal mehr, wie groß die Leistungsschwankungen sind. Den Bremern könnte das in die Karten spielen.

Die Helden, die einst das Sinnbild der launischen Diva vom Main erschufen, sind im Erdgeschoss der Frankfurter Arena allgegenwärtig. Die Konterfeis der einst prägenden Stars von Eintracht Frankfurt wie Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Uwe Bein oder Anthony Yeboah hängen nämlich an den Wänden. 

Geniale Fußballer für Momente, die aber nie die nötige Konstanz aufbrachten, um beispielsweise Deutscher Meister zu werden. Eintracht-Trainer Adi Hütter wirkt inzwischen wie einer, der an den offenbar nicht vertriebenen Launen dieses Vereins ein bisschen verzweifelt, der am Sonntag (18 Uhr, DeichStuben-Liveticker) mit Eintracht Frankfurt bei Werder Bremen antritt. „Eine bittere Niederlage, die mich schon sehr, sehr stört“, schimpfte der Österreicher nach der 1:2-Heimpleite gegen Union Berlin. In der Bundesliga ist es nunmehr kaum möglich, wieder die Europapokalränge anzupeilen. Den Herausforderungen in Europa League und DFB-Pokal wird unweigerlich eher der Fokus gelten. Da kann Hütter noch so oft betonen, der Liga-Alltag sei nicht grau: Ausgerechnet vor dem Gastspiel bei den Grün-Weißen wird die Bundesliga fast schön lästig – und lässlich.

Werder Bremen: Kater-Stimmung beim kommenden Gegner Eintracht Frankfurt

Der Tanz auf drei Hochzeiten wird 2020 von rätselhaften Aussetzern im Liga-Alltag unterbrochen, in denen die Hessen so deppert dastehen wie der Anfänger in der Tanzschule, der über seine eigenen Füße stolpert. Symptomatisch die Nicht-Leistungen in Düsseldorf (1:2), Dortmund (0:4) und nun gegen den Aufsteiger aus Berlin-Köpenick. Vier Tage nach dem rauschhaften Europapokal-Festakt gegen den FC Salzburg (4:1) folgte der Kater. Aschermittwoch-Stimmung am Rosenmontag.

„Wir sind nicht so weit, wie ich mir das vorstelle, dass wir immer eine Leistung wie am Donnerstag abrufen“, klagte Hütter. Die leere Fankurve aus Protest gegen die im Frankfurter Stadtwald fast schon verhassten Montagsspiele passte zur vorherrschenden Ernüchterung. „Es wäre zu billig, das als Ausrede zu benutzen, weil wir sportlich nicht die Leistung gebracht haben. Aber ich finde es in unserer Situation sehr schade, dass die Fans nicht da waren: Die Kurve hätte uns Schwung gegeben“, sagte Hütter in seiner differenzierten Betrachtung.

Eintracht Frankfurt wird gegen Werder Bremen vermutlich umfassend rotieren

Seine auf fünf Positionen veränderte Startformation stand Pate bei beiden Gegentreffern, wobei den Coach das 0:1 von Sebastian Andersson (49.) viel mehr ärgerte als das 0:2 durch das Eigentor von Even Ndicka (67.). „Keinerlei Verständnis“, zischte der 50-Jährige habe er dafür, wenn drei routinierte Akteure wie Nationaltorwart Kevin Trapp, Weltmeister Erik Durm – war er wirklich 2014 dabei? – und Kapitän David Abraham einfach stehen bleiben. Getreu dem Motto: „Nimm du ihn, ich hab ihn sicher!“ Hütter: „So ein Tor habe ich selten gesehen. Das hat uns auf die schiefe Ebene gebracht.“

Slapstick-Einlagen, die sich arg zerrupft auftretende Adler am Donnerstag im Europapokal-Rückspiel in Salzburg (21 Uhr/RTL und DAZN) nicht leisten sollten. „Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit, wird’s ganz schwer“, merkte Hütter mit einem zynischen Unterton an. Der intern knallharte Fußballlehrer wird in der Mozartstadt gewiss die beste Formation aufbieten, um dann am Sonntag beim SV Werder Bremen vermutlich umfassender zu rotieren. Sollte sich die Eintracht bei den krisengeplagten Bremern mal wieder als Aufbauhelfer betätigen, käme das für niemand überraschend.

Werder Bremen im Vorausblick ausgelassen

Sogar der Stadionsprecher sparte diese irgendwie gar nicht in den Plan passende Partie im Weserstadion in seinem Vorausblick auf die nächsten Spiele aus. Und wenn Sportvorstand Fredi Bobic einen Appell an die Mannschaft richtet („Es sind knackige Woche, aber wenn die Jungs große Träume und Ziele, dann macht ihnen das nichts aus“), ist im Doppelpack gegen Werder Bremen vor allem das Pokal-Viertelfinale am Mittwoch nächster Woche gemeint. Zumal das Umfeld mit dem Pokalfinale 2017 und dem Pokalsieg 2018 förmlich nach der nächsten Berlin-Reise lechzt. Würde die Eintracht jetzt alle Kraft in den Cup-Wettbewerben bündeln, passt das zu jenen berühmten Generationen, die in den 70er und 80er Jahren immerhin viermal den DFB-Pokal und einmal den Uefa-Pokal gewannen.

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