Dr. Florian Weiß, Ulrike Hiller, Dirk Wintermann und Harm Ohlmeyer: Die vier neuen Köpfe im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen wollen es besser machen als ihre Vorgänger.
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Dr. Florian Weiß, Ulrike Hiller, Dirk Wintermann und Harm Ohlmeyer: Die vier neuen Köpfe im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen wollen es besser machen als ihre Vorgänger.

Nach Mitgliederversammlung

An die Arbeit! Wie die neuen Aufsichtsräte zu wichtigen Werder-Themen stehen

Bremen – Vier neue Namen, vier neue Gesichter und vier neue Vorstellungen – aber machen sie künftig auch bei Werder Bremen alles neu? Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller, Dirk Wintermann und Dr. Florian Weiß wurden während der Mitgliederversammlung am Sonntag in den Werder-Aufsichtsrat gewählt. Im Anschluss daran erläuterten sie im Mediengespräch ihre Haltungen und Meinungen zu vier zentralen Themen, die den Verein derzeit bewegen.

Die Geschäftsführung des SV Werder Bremen

Kaum gewählt, schon in der Kritik: Es ist eine Last, die der neue Aufsichtsrat mit ins Amt nimmt, dass viele argwöhnische Fans des SV Werder Bremen ihm mit einem Vorurteil begegnen. Motto: Das sind doch nur die Nächsten, die der Geschäftsführung nicht ans Zeug flicken werden. Aber ist es wirklich so? Ist es tatsächlich ein Automatismus, dass ein Aufsichtsrat ohne marktschreierische „Kein-weiter-so“-Rhetorik gleichzusetzen ist mit einem unkritischen Aufsichtsrat, der der Geschäftsführung freien Lauf lässt? Nun, es ist definitiv nicht zu erwarten, dass sich die vier neuen Mitglieder schon in den ersten Tagen nach der Wahl für oder gegen diesen oder jenen Geschäftsführer positionieren. Doch alle haben klargemacht: Jetzt wird genau hingeschaut! Beispiel Dr. Florian Weiß. Die Berichte der Geschäftsführer Klaus Filbry und Frank Baumann auf der Mitgliederversammlung beinhalteten für ihn „nur einen Teil der Wahrheit. Für meinen Geschmack wurde ein Stück weit zu sehr betont, dass es 2019 zu viel Mut war – und dann kam Corona. Ich hätte mir mehr Details gewünscht. Ich denke, die Erklärungen sind vielschichtiger und komplexer.“

Das sind sie ganz sicher. Harm Ohlmeyer möchte deshalb zunächst „hinter die Zahlen schauen“, ehe er Bewertungen vornimmt. Weiß betont: „Ich kann mir eine Zusammenarbeit mit der bestehenden Geschäftsführung sehr gut vorstellen. Genauso gut kann ich es mir aber auch vorstellen, dass man zu der Erkenntnis kommt: ,Mensch, da sind entscheidende Fehler gemacht worden.‘ Oder die Visionen für die Zukunft passen nicht übereinander. Dann können auch andere Entscheidungen getroffen werden.“

Für Dirk Wintermann wäre es „unseriös“, vor einer gründlichen Analyse eine Aussage zu treffen: „Wir müssen Hintergrundinformationen sammeln, um herauszufinden, ob die handelnden Personen Teil der Lösung sind.“ Immerhin bestätigte er der Geschäftsführung, den Turnaround Richtung Konsolidierung geschafft zu haben. Ulrike Hiller hatten die Ausführungen von Filbry und Baumann zwar überzeugt („Das war sehr offen und ehrlich“), aber deshalb spannt auch sie keinen Schutzschirm über den Geschäftsführern auf: „Ich bin mit vielen Dingen schnell, aber personelle Entscheidungen sind immer so eine Sache. Man muss viele Fragen stellen und ernsthaft kontrollieren.“

Strategischer Partner des SV Werder Bremen

Er ist der Mann aus dem Führungszirkel des Sportartikel-Riesen adidas und sollte über Kontakte in die ganze Welt verfügen. Dass Harm Ohlmeyer deshalb auch der Mann ist, der bei Werder einen strategischen Partner auf der Fußmatte abstellt, ist bei vielen eine heimliche Erwartung an den Finanzexperten. Ohlmeyer sagt: „Diese Hoffnung spüre ich noch nicht, aber ich habe sie an mich selbst. Ich möchte dazu beitragen, diesen Partner zu finden. Es ist jedoch nicht so, dass ich schon eine Liste an möglichen Partnern habe. Einen solchen Partner bekommt man in der Regel nur einmal.“ Der 53-Jährige knüpft Werders Schicksal sogar ein Stück weit an ein positives Suchergebnis: „Wenn wir in die 1. Liga wollen und dort eine gute Rolle spielen möchten, muss man überlegen, wer der richtige Partner ist. Ich möchte Ideen einbringen.“

Fehlende Fußball-Kompetenz

Eine Vergangenheit als Fußball-Profi hat keines der vier neuen Aufsichtsratsmitglieder. Womit das Feld Fußball-Kompetenz im Gremium brach liegt. Was nach Bekanntgabe der Kandidaten ein Aufreger war, ist für Ulrike Hiller jedoch kein unlösbares Problem. Aufsichtsräte seien immer noch Aufsichtsräte und keine Trainer. „Ich glaube, dass es gut ist, sich Rat von außen zu holen, wenn man an seine Kompetenzgrenzen stößt. Deshalb müssen aber nicht gleich viele Beraterverträge gemacht werden. So etwas kann auch ehrenamtlich gehen.“

Für Florian Weiß ist fußballerische Kompetenz im Aufsichtsrat ebenfalls kein Muss. „Wenn wir einen Geschäftsführer Sport haben, der unter sich einen Chef des Leistungszentrums und einen Chef des Scoutings hat, die alle hochgradig professionell arbeiten, dann muss es nicht die Aufgabe des Aufsichtsrates sein, fußballerische Kompetenz mitzubringen.“ Allerdings: Der Aufsichtsrat muss beurteilen können, ob die Voraussetzung „hochgradig professionell“ erfüllt ist. Eine Schwäche im Aufsichtsrat will Weiß „nur zum Teil“ erkennen: „Ich kann als Aufsichtsrat dafür sorgen, dass wir Prozesse und Strukturen sicherstellen, die garantieren, dass die Auswahlprozesse professionell ablaufen.“

Polizeikosten

Das Thema Polizeikosten war während der Mitgliederversammlung nur ein Randaspekt, was aber nichts daran ändert, dass es für Werder Bremen weiterhin ein sehr brisantes ist. In aller Kürze: Als einziger Proficlub in Deutschland müssen die Bremer die Mehrkosten bezahlen, die für Polizeieinsätze bei sogenannten Hochrisikospielen anfallen. Zurück geht die vor dem Bundesverwaltungsgericht durchgesetzte Regelung auf den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) – und dessen Parteifreundin Ulrike Hiller möchte künftig dagegen ankämpfen. „Es ist Wettbewerbsverzerrung, dass Werder für die Polizeikosten zahlen muss“, sagt die 56-Jährige. Und weiter: „Ich mag keine Ungerechtigkeiten. Wir müssen eindeutig zu unseren Werten stehen und gegenüber der Stadt und anderen deutlich sagen, was notwendig ist.“ Gegenüber Mäurer, so erklärte es die Staatsrätin a. D., habe sie bereits in der Vergangenheit gesagt, dass sie vom Bremer Sonderweg in Sachen Polizeikosten nicht viel halte. (csa/dco)

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