Dirk Wintermann will in den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen.
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Dirk Wintermann will in den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen.

Werder wählt den Aufsichtsrat

„Ein Verein wie Werder gehört den Fans“ - Dirk Wintermann spricht über seine Kandidatur für den Werder-Aufsichtsrat

Bremen – Leicht ist es ihm wahrlich nicht gefallen: Um am Sonntag in den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen gewählt werden zu können, musste Dirk Wintermann erstmal als Vorsitzender des TSV Großenkneten zurücktreten. So fordert es die Satzung des SV Werder, darüber hatte ihn der Wahlausschuss schon beim Vorstellungsgespräch informiert. Seit über 30 Jahren ist Wintermann dem Verein im Landkreis Oldenburg verbunden. „Das werde ich auch bleiben, der TSV ist eine große Liebe von mir“, sagt der 54-Jährige im Gespräch mit der DeichStube.

Werder liegt ihm aber mindestens genauso am Herzen – und er sieht dringenden Handlungsbedarf im Verein. 
„Ich habe das Gefühl, dass der Fußball an sich und auch Werder Bremen die Bindung zum eigentlichen Sinn und Zweck des Fußballs verloren haben. Es geht doch nicht ums Geld, sondern um die Menschen. Das treibt mich um“, betont Dirk Wintermann und erklärt: „So ein Verein wie Werder Bremen, der gehört nicht irgendwelchen ehemaligen Funktionären oder Spielern, sondern er gehört den Mitgliedern und den Fans.“ Wintermann ist beides – und das schon sehr lange. Seit einigen Jahren gehört er dem Fan-Club „27801“ in Dötlingen an, dem größten Werder-Fan-Club in Deutschland. Bei einem Gespräch mit dem Vorsitzenden Ingo Kläner entstand die Idee der Bewerbung für den Aufsichtsrat.

In den vergangenen Jahren sei viel davon verloren gegangen, was Werder ausgezeichnet habe. „Es muss das langfristige Ziel sein, wieder alle Mitglieder, alle Fans, alle Gruppierungen, alle Interessen wertzuschätzen und mit ihnen zusammen die Werder-Familie wieder aufzubauen“, fordert Wintermann und fügt schnell noch an: „Dieses Wort Werder-Familie wird mittlerweile leider oft negativ benutzt, weil es darauf hinweisen soll, dass die Ehemaligen ihr Süppchen kochen.“

Aufsichtsrat-Wahl beim SV Werder Bremen: Kandidat Dirk Wintermann stellt sich vor

Da wünscht sich der Vater von vier Kindern, der eine Tischlerei mit 45 Mitarbeitern betreibt, ein Umdenken. Das gelte auch für die verkrusteten Strukturen im Verein. Mit der Kandidatenliste für den Aufsichtsrat sei er überhaupt nicht zufrieden. „Da fehlt auf jeden Fall schon mal eine Frau“, findet Wintermann. Wahlausschuss und Ehrenrat müssten in ihrer Form und Besetzung ganz neu gedacht werden. Es gelte, gerade dort die Vielfalt des Vereins abzubilden, um sie dann auch weiterzutragen. „Ich bin der Überzeugung, dass wir eine komplett neue Satzung brauchen. Diese Satzung sollte von einer Arbeitsgruppe erstellt werden, in der alle Interessensgruppen vertreten sind. Die Werte, für die Werder Bremen eigentlich stehen will, müssen wieder mit Leben gefüllt werden.“

Der Unternehmer schaut aber auch über den Tellerrand hinaus, was sich nicht nur in seiner Kandidatur bei der Kommunalwahl am 12. September ausdrückt. Für die FDP will er in den Oldenburger Kreistag einziehen. Wintermann würde gerne den Profi-Fußball verändern. Von einem fairen Wettbewerb könne keine Rede mehr sein. Die Verteilung der Fernsehgelder müssten dringend neu geregelt werden. „Die Top-Clubs in Deutschland argumentieren, dass sie das Geld brauchen, um in Europa gegen Clubs von Scheichs und Oligarchen anstinken zu können. Aber das können doch nicht die anderen Bundesligisten bezahlen“, findet Wintermann.

Werder Bremen: Aufsichtsrat-Kandidat verspricht schonungslose Analyse

Von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und den meisten Vertretern der Clubs seien keine Veränderungen zu erwarten. „Sie schießen sich doch nicht selbst ins Knie, sie sind doch alle Profiteure des Systems“, meint Wintermann. Deswegen müsse zum Beispiel über Aufsichtsräte Druck auf die Verantwortlichen in den Clubs ausgeübt werden, um echte Allianzen der benachteiligten Vereine wie Werder Bremen zu bilden. 

Auch bei Werder sieht er die Führungsriege durchaus kritisch – vor allem nach dem sportlichen und finanziellen Abstieg. Trotzdem müsse erst eine Analyse erfolgen. „Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, ob die handelnden Personen, also die Geschäftsführung und der Stab darunter, Teil der Lösung für die Zukunft sind“, so Wintermann. Dabei setzt er auch auf einen Konkurrenten – den adidas-Finanzvorstand Harm Ohlmeyer, der sich umgekehrt auch für Dirk Wintermann ausgesprochen hatte. Seine eigene Rolle definiert der 54-Jährige etwas anders: „Ich bin als Familienunternehmer schon kompetent, aber alle anderen, die vorgeschlagen sind, haben BWL studiert. Das heißt, auf dem Feld bin ich eher Ergänzungsspieler. Da punkte ich lieber mit anderen Sachen.“ Der 54-Jährige schmunzelt, er will sich abheben von der Konkurrenz. Es soll sich ja auch lohnen, dass er sein Amt als Vereinsvorsitzender aufgegeben hat. (kni) Auch interessant: So läuft die Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen 2021!

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