Dr. Florian Weiß kandidiert für den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen.
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Dr. Florian Weiß kandidiert für den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen.

Werder wählt den Aufsichtsrat

„Wann wird Werder wieder Meister?“ Dr. Florian Weiß erklärt seine Kandidatur für den Aufsichtsrat

Bremen – Wenn Dr. Florian Weiß über den SV Werder Bremen spricht, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. Die Begeisterung ist in jeder Sekunde spürbar, bis der 43-Jährige plötzlich innehält. „Ich frage mich: Wenn ich jetzt noch mal sechs Jahre alt wäre, würde ich dann wieder Werder-Fan? Und warum? Meine Kinder sind und bleiben es hoffentlich, weil ich ihnen jeden Tag von Werder erzähle. Aber wofür steht Werder heute und womit können sich die Menschen draußen identifizieren?“

Da möchte Weiß gerne ansetzen, wenn er am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in den Aufsichtsrat gewählt würde. Dem Unternehmer ist aber genauso die Professionalisierung und die Digitalisierung des Clubs wichtig, außerdem hält er es für möglich, einen passenden Investor für Werder zu finden.

„Werder könnte als Traditionsverein zeigen, dass man mit Werten wie Integrität, Diversität, Offenheit, Inklusion und einer gesellschaftlichen Haltung sehr wohl sportlich und unternehmerisch erfolgreich sein kann. Und dass soziale Verantwortung dem Erfolg nicht im Weg steht“, glaubt Dr. Florian Weiß und fügt umgehend noch an: „Es wäre doch gelacht, wenn man dafür keinen Partner finden würde, der sagt: Daran glaube ich auch, diese Geschichte will ich auch erzählen.“ Die Angst vor einem Investor sei unbegründet, wenn Werder Bremen bei der Auswahl auf dasselbe Werteverständnis achte und dank der 50+1-Regel das Heft in der Hand behalte.

Aufsichtsrat-Wahl beim SV Werder Bremen: Kandidat Dr. Florian Weiß stellt sich vor

Der Club müsse endlich wieder mutiger und selbstbewusster werden. Klar, der Abstieg habe wehgetan – auch ihm. Doch er habe genau in dem Moment entschieden, sich für Werder Bremen zu engagieren. Daraus wurde die Bewerbung für den Aufsichtsrat, bei der sogar die Patentante und der Patenonkel halfen, um auf die erforderlichen 50 Unterschriften von Voll-Mitgliedern zu kommen. Da habe er nicht nur seine alten Verbindungen nach Bremen genutzt, sondern auch nach Berlin, wo er einst zu den ersten Mitgliedern des Fanclubs „Fischmob Berlin“ gehörte.

Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Starnberg. Nach seinem BWL-Studium hat er als Berater bei der Boston Consulting Group gearbeitet und in der Zeit auch seinen Doktortitel im Bereich Organisationspsychologie erworben. Seit 2014 ist er Geschäftsführer der Jameda GmbH. Die Internetplattform stand lange Zeit für die Bewertung von Ärzten. „Wir stellen inzwischen aber vor allem Software für Arztpraxen her und sind beispielsweise einer der größten Anbieter von Video-Sprechstunden-Technologie in Deutschland.“ Gerade im digitalen Zeitalter sei eine ständige Weiterentwicklung unabdingbar. Und die vermisst Weiß bei seinem Lieblingsclub. „Ich nehme Werder von außen oft als eher träge wahr.“ Das Unternehmen müsse agiler werden. Eine wichtige Frage sei auch: „Wie kann ich für eine digitale Welt rund um Werder sorgen – um das Fanerlebnis zu verbessern sowie interne Abläufe zu optimieren und datengestützte Entscheidungsfindungsprozesse im sportlichen Bereich zu ermöglichen.“

Kurios: Vor neun Jahren hat sich Dr. Florian Weiß schon einmal bei Werder Bremen beworben. „Auf eine Stelle, die es noch gar nicht gab“, schmunzelt Weiß und erklärt: „Es ging mir um Strategien, Schärfung des Profils und Digitalisierung, also einen Bereich, der oft als Corporate Development bezeichnet wird. Wir haben gute Gespräche geführt, aber wegen der damaligen sportlichen Entwicklung lagen die Pläne zum Aufbau so einer Abteilung erstmal auf Eis.“

Werder Bremen: Aufsichtsrat-Kandidat verspricht „eine schonungslose Analyse“

Nun klopft Weiß wieder an. Als Aufsichtsrat würde er „eine schonungslose Analyse“ anstreben, „denn der Abstieg war kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis einer schleichenden Entwicklung“. Da möchte er gegensteuern, Werder Bremen müsse wieder Visionen entwickeln. „Mein Sohn kommt jetzt in die Schule und hat mich gefragt: Wann wird Werder wieder Meister? Ich habe ihm geantwortet: So lange du zur Schule gehst. Und ich hoffe nicht, dass er sitzen bleibt.“ Weiß lacht, betont aber zugleich: „Ich bin kein Spinner. Natürlich hat Trainer Markus Anfang Recht, dass wir jetzt nicht den Fehler machen dürfen, uns kurzfristig an den ruhmreichen Zeiten der Vergangenheit zu orientieren. Aber langfristig den Glauben zu haben, dass Werder wieder ein Top-Club sein kann, das halte ich für elementar.“

Die Geschichte von Standortnachteilen mag er nicht mehr hören. Das sei im digitalen Zeitalter kaum mehr stichhaltig. Weiß will das Bild „vom notorisch klammen Nordclub Werder, wie wir viel zu oft bezeichnet werden“ umwandeln, wieder mehr ein „Wir sind Werder Bremen“ leben. Dazu müssten gerade die Führungskräfte vorangehen. „Man kann nur ein Feuer entfachen, wenn man selbst brennt“, sagt Weiß. Der 43-Jährige ist jedenfalls extrem heiß darauf, bei Werder als Aufsichtsrat mitzugestalten. (kni)

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