Henning Lühr kandidiert für den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen.
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Henning Lühr kandidiert für den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen.

Werder wählt den Aufsichtsrat

Lühr will aus Werder wieder „einen Club zum Anfassen“ machen

Bremen – Früher, als er noch in den finanzpolitischen Arenen der Republik für das Wohl des Landes Bremen gekämpft hat, wurde im Kreis der Kollegen über ihn und seine Werder-Affinität getuschelt. Im positiven Sinn allerdings, denn Henning Lühr verstand es, in seinen Beiträgen auf den Finanzministerkonferenzen die Bremer Belange irgendwie auch immer über Werder-Inhalte zu transportieren. Und weil Henning Lühr 17 Jahre lang Finanzstaatsrat in Bremen war, war auch Werder Bremer sehr lange ein wiederkehrender Sidekick in den sonst fußballfreien Konferenzen. Lühr hat es gemocht, die kleinen Möglichkeiten des Clubs mit den kleinen Möglichkeiten des Landes zu vergleichen und aufzuzeigen, was alles machbar ist, wenn man nur die richtigen Ideen und Konzepte hat.

Mittlerweile würde der pensionierte Verwaltungsbeamte die Vergleiche nicht mehr so gerne ziehen. Nicht allein weil Werder Bremen abgestiegen ist, sondern auch „weil das Image des Vereins stark unter die Räder gekommen ist“, wie er es sagt. Daran, dass sich das wieder zum Guten wendet, möchte er künftig entscheidend mitarbeiten. Lühr wünscht sich wieder „einen Club zum Anfassen“. Der 70-Jährige gehört zum Kreis der Bewerber, die sich am Sonntag auf der Mitgliederversammlung des Vereins in den Aufsichtsrat wählen lassen möchten. Die DeichStube stellt bis zur Wahl alle Kandidaten vor.

Im Fall Henning Lühr ist es so, dass sich eine Vorstellung bei vielen Menschen in Bremen und auch umzu eigentlich erübrigt. Nach 17 Jahren als Finanzstaatsrat hat er in die Politik, die Verwaltung und die Wirtschaft beste Verbindungen – zum SV Werder natürlich auch. Als Ergebnis seiner beruflichen Tätigkeit und seiner ehemaligen Funktion als Aufsichtsrat der Bremer Weserstadion GmbH (BWS), die von der Stadt und von Werder gleichberechtigt betrieben wird, kennt er alle handelnden Personen im Club.

Aufsichtsrat-Wahl beim SV Werder Bremen: Kandidat Henning Lühr stellt sich vor

Was im Fall seiner Wahl die Freiheit seiner Gedanken aber nicht einschränken würde, wie er klarstellt: „Ich bin da ziemlich gut vernetzt, kenne auch das Werder-Innenleben ein bisschen. Aber ich pflege keine persönlichen Freundschaften zu Werder-Verantwortlichen. Ich fühle mich völlig unabhängig. Ich muss mit der Aufgabe kein Geld verdienen und muss auch keine Eitelkeiten pflegen“, sagt er. Was ihn motiviert, bei Werder Bremen Teil des Aufsichtsrates zu werden: 40 Jahre auf der Tribüne, vorher als Student zehn Jahre in der Ostkurve – „ich habe mit dem Verein so viele schöne Erlebnisse gehabt. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben können.“

Das klingt ein bisschen pathetisch, ziemlich gefühlsbetont. Doch das ist nur eine Facette des Henning Lühr und – so stellt es sich im Gespräch mit ihm schnell heraus – auch nicht die prägende. Er macht deutlich, dass er ein Entwickler und Entscheider ist. Aber keiner, der Ankündigungen herausposaunt, bevor er sich überhaupt in die Materie eingearbeitet hat. Weshalb er über seine Haltung zur Zukunft der Werder-Geschäftsführung des SV Werder Bremen zunächst nur dies sagen möchte: „Wenn es notwendig ist, schließe ich dort personelle Konsequenzen nicht aus. Aber ich habe gelernt, dass man sich erst die Fakten erarbeitet und dann entscheidet. Am Ende setzt man sonst noch den Falschen vor die Tür.“

Unabdingbar ist für ihn, dass Geschäftsführung und Aufsichtsrat zusammenarbeiten müssen, dabei aber eine Distanz gewahrt bleibt. Lühr: „Wir müssen die Rolle des Aufsichtsrates so orientieren, dass dieses Gremium nicht der Freundeskreis der Profi-Abteilung ist, sondern das lenkende Element in der Kapitalgesellschaft.“

Werder Bremen: Aufsichtsrat-Kandidat verspricht „neuen Anlauf beim Leistungszentrum“

Die Arbeit als Aufsichtsrat ist Henning Lühr bestens vertraut. Nicht nur in der BWS, sondern auch in der Gewoba, bei Gesundheit Nord und Dataport hat er im Aufsichts- oder Verwaltungsrat mitgewirkt. Sollte er bei Werder Bremen den Sprung ins Kontrollgremium schaffen, hat er für sich zwei Kernthemen definiert. Punkt 1: Wirtschaftliche Konsolidierung, wobei er dem Thema Investor mit Vorsicht begegnet. „Wenn der Verein seinen Kopf abgibt und Dritten das Denken überlässt, hätte ich damit definitiv ein Problem“, sagt er. Ein gutes Konzept könnte auch den Blick in die Ferne unnötig machen, so Lühr: „Wir dürfen nicht ins Stolpern kommen, weil wir die Augen zuhaben und von Millionen träumen, die uns irgendjemand geben wird. Was wir brauchen, sind Konzepte und Power.“

Punkt 2: Das neue Leistungszentrum. Es soll gebaut werden, aktuell fehlt aber das Geld. Lühr: „Die Werder-Leitformel war ja immer: Wir kaufen keine Stars, wir machen Stars. Dafür brauchen wir das neue Leistungszentrum, da würde ich einen neuen Anlauf nehmen wollen.“ Am liebsten gemeinsam mit der Uni Bremen und Schulen. Das Leistungszentrum – ob nun auf dem Peterswerder gebaut oder an anderer Stelle („Da müssen wir gegebenenfalls auch Kompromisse hinnehmen“) – wünscht sich Lühr als „Kommunikationspunkt“ und nicht als einen Ort, „wo nur Elite-Zöglinge über den Platz traben“. (csa)

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