Harm Ohlmeyer, Finanzvorstand bei adidas, will in den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen - der Kandidat stellt sich vor.
+
Harm Ohlmeyer, Finanzvorstand bei adidas, will in den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen - der Kandidat stellt sich vor.

Aufsichtsrat-Wahl bei Werder

„Werder kann der Nachhaltigkeits-Verein werden“: adidas-Manager Harm Ohlmeyer erklärt seine Kandidatur für den Aufsichtsrat

Herzogenaurach/Bremen – In den letzten Tagen hat sich Harm Ohlmeyer ziemlich gewundert, was da nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur für den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen so passierte. „Es haben mir so viele Leute geschrieben – und das nicht nur aus Deutschland. Ich habe mich sofort gefragt: Woher wussten die das so schnell? Weil Werder immer noch ein großes Interesse weckt – weltweit“, sagt der Finanzvorstand des Sportartikelherstellers adidas und kommt zu dem Schluss: „Werder ist eine viel größere Marke, als daraus gemacht wurde.“ Der 53-Jährige will mithelfen, dass sich das ändert. Im Gespräch mit der DeichStube, die in diesen Tagen alle sieben Kandidaten für die Wahl am 5. September vorstellt, spricht er auch über sein Verhältnis zu Werder-Boss Klaus Filbry, Kooperationen mit anderen Vereinen und einen Einstieg von Ausrüster adidas.

„Ich mache das als Privatperson und nicht als adidas“, betont Harm Ohlmeyer und verweist zudem auf den langfristigen Vertrag von Werder Bremen mit Umbro (bis 2025). Doch adidas habe gerade die Strategie etwas verändert, würde nicht mehr nur auf Topclubs wie den FC Bayern setzen. Gerade erst seien die Zweitligisten Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg dazugekommen. „Ich will nicht ausschließen, dass das langfristig auch bei einem Sympathieverein wie Werder der Fall ist.“

Aufsichtsrat-Wahl beim SV Werder Bremen: Kandidat Harm Ohlmeyer stellt sich vor

Viel wichtiger sei aber die Gegenwart. Und die ist nach dem ersten Abstieg seit 40 Jahren nicht gerade angenehm für Werder. Als dann auch noch vier Aufsichtsräte ihren Rücktritt erklärten, „da bin ich in die Offensive gegangen“, erinnert sich Ohlmeyer. Er habe Hubertus Hess-Grunewald kontaktiert. Den Werder-Präsident hatte er vor vier Jahren in München kennengelernt, als die Bremer gegen die Bayern spielten. Mit dabei war auch Filbry, den Ohlmeyer aus gemeinsamen Jahren bei adidas kennt. „Wir sehen uns ein, zwei Mal im Jahr bei Spielen, setzen uns dann vorher auch mal zusammen“, erzählt Ohlmeyer und stellt klar: „Am Ende des Tages geht es um den Erfolg von Werder Bremen und nicht um einzelne Personen. Das ist bei adidas nicht anders. Jeder muss seiner Position gerecht werden. Ich würde als Aufsichtsrat niemand anders behandeln, nur weil ich ihn länger kenne. Man muss zuerst sauber aufarbeiten, wo die Probleme sind und sie dann angehen. Liegen sie in gewissen Prozessen oder an gewissen Personen, dann muss man das ändern.“

Harm Ohlmeyer hat schon lange über einen Einstieg bei Werder Bremen nachgedacht. Seit Kindesbeinen an ist er ein Grün-Weißer. Geboren wurde Ohlmeyer in Hoya, aufgewachsen ist er im benachbarten Hassel, zur Schule ist er in Verden gegangen – also nicht weit von Bremen, wo er später bei Krupp-Atlas-Elektronik eine Lehre zum Industriekaufmann gemacht hat. Seine Karriere als Fußballer musste er schon mit 19 Jahren beim TSV Verden beenden, weil dem Knorpelschaden im Knie ein Bandscheibenvorfall folgte. Ohlmeyer studierte BWL in Regensburg, machte später in den USA seinen Master und arbeitet seit 1998 bei adidas – seit 2017 als Finanzvorstand. Mit seiner Familie lebt er in Röttenbach, nicht weit von der adidas-Zentrale in Herzogenaurach.

Für Werder Bremen hat Ohlmeyer schon einige Ideen im Kopf. Die Identifikation der Stadt und des Umlands mit dem Club sei enorm. „Aber ich glaube, dass es da noch mehr Unterstützer und Sponsoren geben muss“, sagt der Finanzexperte: „Auch außerhalb von Bremen und von Deutschland. Mit seinen Sympathiewerten und dem Grün-Weiß könnte Werder der Nachhaltigkeits-Verein werden oder ein Synonym dafür.“ Viele Unternehmen beschäftigen sich damit, deren Interesse an Werder könnte damit geweckt werden. Ohlmeyer regt zudem Partnerschaften mit anderen Clubs in England, den Niederlanden oder den USA an: „Ähnlich wie es RedBull mit Leipzig, New York und Salzburg macht. Man kann dann viel schneller auf Leihbasis Spieler bekommen oder entwickeln.“

Aufsichtsrat-Wahl beim SV Werder Bremen - adidas-Manager Harm Ohlmeyer: Fußball-Kompetenz muss in der Geschäftsführung sein

Der 53-Jährige möchte aber nicht nur gerne „mehr Überregionalität einbringen“, sondern gleichzeitig auch den Verein als Ganzes sehen: „Werder ist mehr als nur Profi-Fußball.“ Wichtig sind ihm auch die Fans. Deswegen macht er sogar Werbung für einen anderen Kandidaten für den Aufsichtsrat: „Es wäre eine gute Idee, einen Dirk Wintermann dabei zu haben – als Repräsentant der Fans.“ Wintermann wird vom größten Werder-Fan-Club „27801“ aus Dötlingen unterstützt.

Die Kritik, dass nach dem Ausscheiden von Marco Bode kein Ex-Profi mehr im Aufsichtsrat des SV Werder Bremen vertreten sein wird, kann Ohlmeyer nicht verstehen: „Marco war ein Top-Fußballer. Er hat auch eine hohe Fußball-Kompetenz. Aber das hat jetzt auch nicht zum Erfolg geführt unabhängig von Marcos Qualitäten. Fußball-Kompetenz muss in der Geschäftsführung sein und nicht zwingend im Aufsichtsrat, der hat andere Aufgaben.“ Und denen würde sich Harm Ohlmeyer gerne selbst widmen. (kni) Auch interessant: So läuft die Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen 2021!

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare