Werder-Aufsichtsratsboss Marco Bode hat sich in Südafrika den Fragen der DeichStube gestellt.
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Werder-Aufsichtsratsboss Marco Bode hat sich in Südafrika den Fragen der DeichStube gestellt.

Aufsichtsratschef widerspricht Ehrenpräsident

Bode: „Investoren allein verändern die Welt nicht zum Besseren“

Johannesburg – Es ist ein Thema, das Werder Bremen schon seit Jahren begleitet: die Suche nach einem Investor, nach einem Geldgeber von außen, der dem Verein neue finanzielle Möglichkeiten verschafft und somit dessen Wettbewerbsfähigkeit sichert. Passiert ist bisher nichts.

Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer (78) hatte deshalb kürzlich im Interview mit der DeichStube gefordert, dass vor allem Aufsichtsratschef Marco Bode (49) die Suche forcieren müsse. „Die Zeit drängt. Marco muss jetzt vorangehen. Es gibt Unternehmen in der Region, die sich an Werder beteiligen würden, aber die kommen nicht von alleine zu uns“, hatte Fischer betont.

Während Werders Trainingslager in Johannesburg hat sich Bode nun im Gespräch mit der DeichStube zu Fischers Aussagen geäußert – und ihm widersprochen.

Herr Bode, was halten Sie von den Aussagen von Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer, dass Sie bei der Suche nach einem Investor mehr Präsenz zeigen müssen?

Marco Bode: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich nicht präsent genug bin. Wenn man die Menschen fragen würde, würden sie mich wahrscheinlich als einen von mehreren wichtigen Menschen in der Führung von Werder betrachten, und das ist auch mein Ziel. Klaus-Dieter Fischer glaubt, dass Werder in Zukunft ohne Investoren nicht mehr auskommen kann. Er weiß aber auch, dass wir uns mit dem Thema intensiv beschäftigen. Ich teile seine Auffassung nicht, dass es relativ einfach ist, Unternehmen in Bremen für uns zu gewinnen, nur weil ich als Galionsfigur vorneweg marschiere. Klaus-Dieter und ich sehen uns ständig, ich werde ihn bei Gelegenheit nochmal fragen, wie er es genau gemeint hat.

Der Bremer Aufsichtsratschef ist in Johannesburg ganz nah dran an der Mannschaft.

Nach der Mitgliederversammlung im November haben Sie erzählt, dass der Verein das Thema Investorensuche vorerst zurückgestellt hat. Warum?

Bode: Seit ich Aufsichtsratsvorsitzender bin (Bode übernahm das Amt im Oktober 2015, Anm. d. Red.) haben wir viele, viele Gespräche zu diesem Thema geführt und entsprechende Konzepte durchgesprochen. Wir haben mit potenziellen Investoren diskutiert, sind zugegebenermaßen aber immer wieder auf Fragen und Probleme gestoßen, die teilweise mit der 50+1-Regel zu tun hatten, wenn es um internationale Investoren ging. Selbst wenn die Regel eines Tages fällt, werden wir als Verein daran festhalten. Die Situation, dass wir selbst die Entscheidungen treffen können, ist eine gute, die wir nicht verlieren wollen. Man hat ja auch schon bei anderen Vereinen gesehen, dass die Dinge mit einem Investor auch schiefgehen können. Investoren allein verändern die Welt nicht zum Besseren. Natürlich bieten sie neue Möglichkeiten, aber das erhöht die Aussicht auf Erfolg in meinen Augen nicht so dramatisch.

Wie nahe standen Sie denn vor einem Abschluss? Gab es schon einen Investor, der einsteigen wollte?

Bode: Ja, den gab es. Wir hätten uns in der Vergangenheit schon dafür entscheiden können, die ersten Schritte in diese Richtung zu gehen. Ich möchte auch gar nicht leugnen, dass sich die Gespräche hier und da negativ entwickelt haben, weil für die Investoren gilt, dass sie nicht investieren wollen, wenn sie keinen Einfluss nehmen können. Gerade für internationale Unternehmen ist das schwer zu verstehen.

Welche Rolle spielt der sportliche Erfolg der Mannschaft bei der Suche?

Bode: Definitiv eine große. Wir haben für uns festgelegt, dass wir den Schritt hin zu einem Investor niemals aus einer Notlage heraus machen wollen, sondern nur, wenn wir es selbst gestalten und eine ruhige Entscheidung treffen können. Der Einstieg eines Investors aus Liquiditätsengpässen im Verein heraus wäre gefährlich. Das kann zu Anleihmodellen oder dem Verkauf von Eigenkapital führen. Und das wollen wir definitiv nicht.

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