Trainer-Legende Friedhelm Funkel macht für die DeichStube den Top-Team-Check: Auch Werder Bremen gehört zu seinen Favoriten für den Aufstieg aus der 2. Liga.
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Trainer-Legende Friedhelm Funkel macht für die DeichStube den Top-Team-Check: Auch Werder Bremen gehört zu seinen Favoriten für den Aufstieg aus der 2. Liga.

Wer steigt aus der 2. Liga auf?

Friedhelm Funkels fünf Favoriten: Trainer-Legende macht den Aufstiegs-Check für Werder Bremen und Co.

Wenn einer weiß, wie Aufstieg geht, dann er. Friedhelm Funkel ist der Rekordhalter unter den Trainern, die den Aufstieg aus der 2. Liga ins Oberhaus geschafft haben. Gleich sechs Mal glückte dem 68-Jährigen dieses Kunststück: zweimal mit Bayer Uerdingen, dazu noch mit dem MSV Duisburg, dem 1. FC Köln und der Frankfurter Eintracht sowie noch in frischer Erinnerung 2018 mit Fortuna Düsseldorf, dem nächsten Gegner des SV Werder Bremen. „Den ersten Aufstieg mit Uerdingen in meinem ersten Trainerjahr“ bezeichnet der gebürtige Neusser als „die größte Sensation“. Bayer war mit Timo Konietzka abgestiegen, Funkel brachte seinen Stammverein postwendend zurück in die Erstklassigkeit.

Exklusiv für die DeichStube macht der Spezialist den Aufstiegscheck für diese Saison. Friedhelm Funkel beleuchtet die unerwarteten Kandidaten und die genannten Favoriten. Sein Fazit: „Es wird bis zum Ende enorm spannend bleiben. Bei der Ausgeglichenheit der Spielklasse wird sich keine Mannschaft entscheidend absetzen können. Fünf Vereine werden das Rennen unter sich ausmachen: neben Tabellenführer St. Pauli auch der überraschende Zweite Darmstadt sowie die hoch gehandelten Traditionsclubs HSV, Schalke 04 und Werder Bremen. Ein Quintett, wobei es mir unmöglich ist, auf die beiden Direktaufsteiger und den Teilnehmer an der Relegation zu tippen.“

(Verfolgt das Zweitliga-Spiel Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf im Live-Ticker der DeichStube!)

Anderen Kandidaten traut der ehemalige Profi, der 2020 als ältester Trainer in den Profiligen arbeitete und der insgesamt mehr als 500 Spiele als Coach auf der Bank gesessen hat, nicht zu, noch in den Aufstiegskampf einzugreifen. Der Pensionär, der nicht ausschließen möchte, „bei einem entsprechenden und verlockenden Angebot“ sein Rentnerdasein noch einmal zu unterbrechen, über Nürnberg und Heidenheim, Paderborn und Regensburg: „Alle spielen eine tolle Saison, doch sie verfügen nicht über einen so ausgeglichen besetzten Kader, um Anschluss an die Spitze halten zu können.“

DeichStube-Experte Friedhelm Funkel analysiert seine fünf Aufstiegskandidaten:

FC St. Pauli

Für mich ist es keine Überraschung, dass St. Pauli die Tabelle anführt. Ein Blick in die Statistik genügt: Die Truppe vom Hamburger Kiez stellt die beste Mannschaft im gesamten abgelaufenen Kalenderjahr. Primus in 2022 ohne Wenn und Aber. Die Hanseaten haben eine stabile Hinserie gespielt, nahtlos an die Leistungen angeknüpft, als sie sich in der Rückrunde der vorherigen Saison eindrucksvoll aus dem Abstiegskampf befreit haben. St. Pauli ist bestens besetzt, mit vielen Alternativen im Kader. Stets treten sie als kompakte Einheit auf, können auf die mannschaftliche Geschlossenheit zählen.

Trainer Timo Schultz, dessen Vertrag in dieser Woche folgerichtig verlängert worden ist, leistet vorzügliche Arbeit. Einen Akteur möchte ich hervorheben: Guido Burgstaller, ein Stürmer, der weiß, wo das Tor steht, wie seine 14 Treffer belegen. Einen solchen Typen und Unterschiedsspieler braucht eine Elf, die den Aufstieg ins Visier nimmt. Imposant ist die Punkteausbeute: 36 Zähler nach 18 Spielen. Selbst wenn nun zehn Punkte weniger geholt werden sollten, kommt St. Pauli auf über 60 Punkte. Aus meiner Sicht eine Punktzahl, die für den Aufstieg reichen sollte. Ich jedenfalls traue dem Verein, längst nicht mehr die Nummer zwei an der Alster, wieder zu, erstklassig zu werden.

Darmstadt 98

Anders als St. Pauli hätte ich Darmstadt nicht auf Rang zwei erwartet. Es ist für mich die Überraschung der Spielzeit. Auch die Ausbeute der Hessen ist beachtlich: 35 Pluspunkte, nur einen Zähler weniger als der Spitzenreiter. Ich warte mit Spannung, wie sich der Tabellenzweite nun im zweiten Abschnitt schlägt. Die Mannschaft scheint mir nicht ganz so gefestigt wie St. Pauli, muss aufpassen, dass sie keinen Rückschlag erleidet. Ein Plus ist auf jeden Fall der Trainer: Torsten Lieberknecht, der beste Arbeit abliefert, hat Erfahrung im Aufstiegsrennen, was nicht unterschätzt werden darf. Mit Eintracht Braunschweig hat er das Kunststück schon geschafft, mit einer Mannschaft aufzusteigen, die niemand auf der Rechnung hatte. Der Kandidat aus Hessen hat die meisten Tore geschossen. Ein Verdienst der exzellenten Doppelspitze, die außergewöhnlich ist. 41 Tore, die Bestmarke, gehen auf das Konto von Philip Tietz und Luca Pfeifer, die jeweils zwölf Mal getroffen haben. Doch nicht nur die Offensive ist top, auch die Defensive besticht, hat nur 20 Gegentreffer zugelassen. 98 hat mit Abstand die beste Tordifferenz von plus 21, was noch wichtig werden könnte.

(Auch interessant: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf aussehen!)

Hamburger SV

Im vierten Jahr scheint der HSV angekommen zu sein in der 2. Liga. Nur zwei Niederlagen kassierten die Hamburger bislang. Nur 19 Gegentore stehen zu Buche, die wenigsten bei den 18 Zweitligisten. Eigentlich auch für mich verwunderlich bei der riskanten Spielweise, mit der Tim Walter zu operieren pflegt. Der Kollege macht einen guten Job und hat die Grundlage dafür geschaffen, dass der einstige Erstliga-Dino nach drei vergeblichen Anläufen die lang ersehnte Rückkehr in die oberste Spielklasse perfekt machen könnte. Ich traue es dem HSV durchaus zu, endlich zumindest Dritter zu werden nach drei vierten Plätzen in Folge zuletzt. Es ist genügend Qualität vorhanden, um einen Einbruch in der zweiten Saisonhälfte zu vermeiden, wie er drei Mal stattgefunden hat. Ein besonderer Verdienst von Walter ist, Sonny Kittel, diesen Ausnahmespieler der gesamten Spielklasse, in Form gebracht zu haben. Endlich ruft Kittel sein immenses Potenzial ab. Er ist wie auch Abwehrchef Sebastian Schonlau, der die Defensive bei dem ständigen Vorwärtsgang zusammenhält, ein Trumpf im Aufstiegsrennen.

Schalke 04

Ein Extralob muss ich dem Kollegen in Gelsenkirchen spenden: Dimitrios Grammozis hat sich bewährt – in dem bekannt schwierigen Umfeld am Schalker Markt, in dem beim kleinsten Rückschlag sofort sein Kopf gefordert wird. Dabei leistet der Coach, der den Abstieg nicht verschuldet und nicht zu verantworten hat, weil niemand, selbst ein Welttrainer wie Guardiola, diesen hätte verhindern können, tolle Aufbauarbeit. Grammozis musste eine völlig neue Mannschaft aufbauen. Es ist ihm geglückt, fast schon ein kleines Wunder bei dem radikalen Umbruch, der stattgefunden hat. Natürlich ist das Aufgebot quantitativ und qualitativ bestens bestückt. Doch dass die Mannschaft als Ganzes so gut funktioniert, war nicht unbedingt zu erwarten.

Schalke geht sprichwörtlich in die Offensive: 34 Treffer – eine stolze Zwischenbilanz, nur Darmstadt, St. Pauli und sinnigerweise auch Regensburg haben häufiger getroffen. Der Grund: Mit Simon Terodde steht ein Torspezialist in den Reihen der Knappen, der Rekordtorjäger der Liga. 14 Tore hatte er schon relativ frühzeitig markiert, bevor er verletzungsbedingt einige Male passen musste. Doch die Schalker blieben trotz dieses Handicaps angriffsfreudig und torgefährlich, weil sie mit Marius Bülter (sechs Tore) einen weiteren Torgaranten besitzen. Wichtig für Königsblau: Terodde muss fit und einsatzfähig sein: Mit diesem Ass steigern sich die Aufstiegschancen enorm.

(Auch interessant: Ole Werner: „Wir haben das Beste aus dem Spiel herausgeholt“ - Die Stimmen zum Sieg des SV Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf!)

Werder Bremen

Werder Bremen macht es momentan sehr gut. Ich habe die Grün-Weißen, lediglich auf Platz sieben in der Tabelle, genauso auf der Rechnung wie die vor ihnen platzierten Clubs. Ich schätze Ole Werner, den Kollegen, mit dem ich es in der letzten Relegation zu tun hatte. In Kiel hat er beste Arbeit abgeliefert, in Bremen knüpft er nahtlos daran an. Mit Holstein ist er nur knapp am Aufstieg gescheitert, auch weil sich die häufigen Spielabsagen und Quarantäne-Maßnahmen durch die Covid-Pandemie am Ende im Duell mit den von mir betreuten Kölnern negativ ausgewirkt haben. Warum sollte Werner mit Werder nicht mehr Glück haben? Den teuersten Kader nach den Marktwerten gerechnet besitzt Werder auf jeden Fall. Doch nicht nur auf dem Papier verkörpert dieses Aufgebot allererste Sahne. Eine erstklassige Besetzung: Vorne mit dem Sturmduo Marvin Ducksch (sieben Tore) und Niclas Füllkrug (fünf Tore), die sich gesucht und gefunden haben. Hinten mit einem Klassemann wie Ömer Toprak, der den Laden zusammenhält und in Marco Friedl und Milos Veljkovic beste Assistenz erfährt. Im Tor steht mit Jiri Pavlenka ein Ausnahmekönner. Mittelfeldspieler von der Klasse eines Leonardo Bittencourt sind auch eher eine Seltenheit im Unterhaus. Ich sehe kaum eine Schwachstelle.

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