Kein Holstein Kiel 2.0: Ole Werner muss beim SV Werder Bremen beweisen, dass er mit seiner Mannschaft den letzten Schritt gehen kann.
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Kein Holstein Kiel 2.0: Ole Werner muss beim SV Werder Bremen beweisen, dass er mit seiner Mannschaft den letzten Schritt gehen kann.

Enges Rennen um den Aufstieg

Aufstieg in Gefahr: Erlebt Trainer Ole Werner mit dem SV Werder Bremen sein zweites Kiel?

Bremen – Der Gegner und das Ergebnis – bei Ole Werner dürften nach dem 2:3-Heimschock seines SV Werder Bremen gegen Holstein Kiel fast zwangsläufig Gedanken an die vergangene Saison aufgekommen sein. Denn mit seinem Ex-Club Kiel vergab er jeweils durch 2:3-Niederlagen gegen Teams aus dem Tabellenmittelfeld (Karlsruhe und Darmstadt) zwei Matchbälle zum direkten Aufstieg in die Bundesliga.

In der Relegation scheiterte Ole Werner dann mit seiner Mannschaft an Erstligist 1. FC Köln. Mit Werder Bremen droht ihm nun ein ähnliches Schicksal, doch nicht nur Werner wehrt sich gegen diese Vergleiche – aus nachvollziehbaren Gründen. Trotzdem muss der Coach nach seiner bislang so starken Performance in Bremen beweisen, dass er auch den letzten, den entscheidenden Schritt mit einer Mannschaft gehen kann.

„Das sind zwei völlig unterschiedliche Situationen. Damals war Oles Mannschaft zwei Mal in Quarantäne, da ging es dann auch viel um die Fitness bei den vielen Spielen in kürzester Zeit. Für mich hat diese Geschichte keine Relevanz“, betont Clemens Fritz als Werder Bremens Leiter Profifußball im Gespräch mit der DeichStube. Vor einem Jahr hatte sich Corona gleich zwei Mal bei Holstein Kiel breitgemacht. Damals waren die Regeln noch etwas anders, das ganze Team musste in die Isolation, Spiele wurden verlegt. Das sorgte dafür, dass die Kieler ab dem 24. April quasi im Drei-Tage-Rhythmus antreten mussten. Am Ende waren es inklusive DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund und Relegation elf Spiele in nur einem Monat. Werners Truppe ging nicht nur auf dem Zahnfleisch, sondern im letzten Spiel gegen Köln dann sogar mit 1:5 unter. Geplatzt war der Traum vom Aufstieg.

Werder Bremen im Aufstiegs-Rennen unter Druck: Drei Punkte und viele Tore gegen Erzgebirge Aue wichtig

„Damals ging es eigentlich nur noch darum, wie man sich innerhalb von zwei Tagen auf ein Spiel vorbereitet und genug Leute zusammenkratzt, die annähernd 90 Minuten laufen können“, hatte Ole Werner schon vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club Vergleiche mit der damaligen Situation als unsinnig bezeichnet. Die Nerven dürften aber damals wie heute eine ähnliche Rolle gespielt haben. Gegen Holstein Kiel verspielten die Bremer eine frühe 2:0-Führung, weil sie sich zu sicher fühlten. Als das Spiel dann kippte, konnten sie den Schalter nicht mehr umlegen. Schalke und Darmstadt nutzten Werders Ausrutscher, um in der Tabelle vorbeizuziehen. Vor allem der Darmstädter 6:0-Erfolg gegen Erzgebirge Aue war am Samstagabend ein deutliches Statement. Und das ausgerechnet gegen den nächsten Gegner des SV Werder Bremen.

Das erhöht noch einmal die Erwartungshaltung, am Sonntag (13.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) in Aue nicht nur dreifach zu punkten, sondern auch etwas für das Torverhältnis zu tun. Denn da hinkt Werder mit +17 Toren weit hinterher. Schalke hat nicht nur zwei Zähler mehr, sondern auch +26 Tore auf dem Konto. Die punktgleichen Darmstädter bringen es auf eine Differenz von +23 – und der Hamburger SV mit drei Zählern Rückstand auf Werder Bremen auf stolze +30. Lediglich der FC. St. Pauli steht mit +14 etwas schlechter da, könnte diesen Rückstand aber genauso schnell aufholen wie die drei Punkte.

Werder Bremen unter Druck: Probleme auf der rechten Seite - Trainer Ole Werner analysiert Fehler gegen Holstein Kiel

Der Druck auf die Grün-Weißen könnte vor den letzten beiden Spieltagen also kaum größer sein. Da ist jetzt auch der Trainer gefordert. Er war es schon im Spiel. Und dabei gab es in der ersten Halbzeit ungewöhnliche Szenen zu beobachten. Immer wieder kamen Profis bei Spielunterbrechungen zu Ole Werner gelaufen und redeten mit dem Coach. Das hatte schon etwas von einem Hilferuf, denn gerade auf der rechten Abwehrseite passte es überhaupt nicht. „Wir hatten dort Probleme in der Zuordnung, speziell ,Mitch'“, bestätigte Werner nach der Partie und sprach dabei Mitchell Weiser an. So stark der Außenbahnspieler des SV Werder Bremen in der Offensive agierte, so schwach verteidigte er. Bei ihm war die später kritisierte Sorglosigkeit im Bremer Spiel am besten zu erkennen.

Nicolai Rapp konnte das Problem als rechter Innenverteidiger genauso wenig lösen wie Romano Schmid im rechten Mittelfeld, beide hatten genug mit sich selbst zu tun. Und Ole Werner? Der gab den Fragestellern zwar Antworten, verzichtete aber auf große Veränderungen. „Ich glaube nicht, dass eine Umstellung in personeller Natur in irgendeiner Form etwas geändert hätte“, erklärte der 33-Jährige. Erst nach dem Kieler Ausgleich brachte er Niklas Schmidt für Schmid. Der servierte Füllkrug per Flanke eigentlich das 3:2, doch der Stürmer köpfte knapp vorbei. Und so fiel der dritte Treffer auf der anderen Seite, mit einem Angriff über die rechte Bremer Abwehrseite. „Auch die Situation ist aus meiner Sicht mit einer einfachen Zuordnung relativ leicht zu verteidigen“, analysierte Werner. Mit seinem Team wird er da noch mehr ins Detail gegangen sein. Denn so einfach darf sich Werder Bremen in den nächsten beiden Partien nicht mehr ausspielen lassen.

Werder Bremen und der Aufstieg: Ole Werner setzt auf Ruhe, aber ist der Trainer wirklich krisenfest?

Ole Werner vertraut dabei seinem bisherigen Weg, er will nun keine Sonderaktionen starten, er setzt auf Kontinuität und Ruhe. In Kiel wurde ihm bei aller Begeisterung für seine Arbeit nachgesagt, nicht immer krisenfest zu sein und in solchen Situationen dünnhäutig zu werden. An der Ostsee schmiss er früh in dieser Saison die Brocken hin, weil er keine Chance mehr auf Veränderungen sah und dem in den Tabellenkeller abgerutschten Team einen neuen Impuls wünschte. Das wird ihm vor Ort auch gerne mal als Weglaufen vorgeworfen.

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Bei Werder Bremen lief es für ihn dabei bislang sehr glatt. Der 33-Jährige startete im Dezember mit einer fast schon historischen Siegesserie mit sieben Dreiern am Stück. Inzwischen hat Ole Werner mit den Grün-Weißen gegen alle Teams der 2. Liga gespielt und nur gegen Heidenheim und Kiel verloren. Dazu kommen noch Unentschieden gegen Ingolstadt, Sandhausen, St. Pauli und Nürnberg. Die anderen elf Spiele wurden gewonnen. Der Punkteschnitt liegt bei über zwei, das reicht über eine ganze Saison gesehen für den Aufstieg. Doch jetzt helfen eigentlich nur noch sechs Punkte aus den letzten beiden Partien in Aue und dann daheim gegen Regensburg. Werner hat das bereits als Ziel ausgegeben. Wohl wissend, dass diesmal noch mehr auf dem Spiel steht als im vergangenen Jahr. Damals war Kiel die Überraschungsmannschaft, Werder ist als Traditionsverein der Favorit – da würde nach dem jüngsten Saisonverlauf schon der Relegationsplatz schmerzen und der Sturz auf die Nicht-Aufstiegsplätze einer ins Tal der Tränen sein. (kni)

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