Der SV Werder Bremen um Leonardo Bittencourt (Mitte) feiert einen Super-Sieg gegen Schalke 04 und hat im Rennen um den Aufstieg einen großen Schritt gemacht.
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Der SV Werder Bremen um Leonardo Bittencourt (Mitte) feiert einen Super-Sieg gegen Schalke 04 und hat im Rennen um den Aufstieg einen großen Schritt gemacht.

Werder-Gala gegen Schalke 04

SV Werder nach Super-Sieg auf Schalke mit perfekter Ausgangslage im Aufstiegskampf: „Wollen diese Position nicht mehr hergeben“

Gelsenkirchen – Leonardo Bittencourt tänzelte dem Gästeblock entgegen, seine Teamkollegen lagen sich in den Armen und feierten ebenso ausgelassen wie die knapp 7.000 mitgereisten Fans des SV Werder Bremen. Und selbst Ole Werner, der sonst gern auch nach einer noch so begeisternden Partie eher selten emotional aus dem Sattel geht, meinte schmunzelnd mit Blick auf sich und sein Trainerteam: „Wir trinken gerne mal ein Bierchen zusammen, wenn wir ein Spiel gewonnen haben. Das werden wir auf der Rückfahrt sicher tun.“ Es musste also wahrlich Besonderes passiert sein. Und das war es auch. Mit einem satten 4:1 (2:0) haben die Grün-Weißen nicht nur den FC Schalke 04 überrollt, sondern auch die Tabellenspitze zurückerobert. Drei Spieltage vor Schluss besitzen die Bremer so eine perfekte Ausgangslage im Aufstiegsrennen.

Und perfekt war auch Werder Bremens Start in dieses Topspiel. Dabei hätte es nach den ganzen Umstellungen in der Defensive wahrlich nicht überrascht, wenn das Team erst einmal auf Nummer sicher gegangen wäre. Doch das Gegenteil war der Fall. Schon in der allerersten Minute wurde Niclas Füllkrug auf die Reise geschickt – und auch wenn er den Ball nicht im Tor untergebracht und ohnehin knapp im Abseits gestanden hatte, gab diese Aktion doch einen Vorgeschmack auf das, was die Bremer da in den nächsten 90 Minuten gegen Schalke 04 zeigen sollten. Die Gäste wurden nämlich immer wieder gefährlich und bewiesen dieses Mal auch die ersehnte Effektivität, die zuletzt häufiger gefehlt hatte. Nach einer kurz ausgeführten Ecke von Marvin Ducksch probierte es Mitchell Weiser aus der Distanz, beim Abpraller stand Ilia Gruev goldrichtig und köpfte aus wenigen Metern zu seinem ersten Profi-Tor und der Führung ein (9.).

Werder Bremen schlägt Schalke 04 trotz Abwehr-Sorgen: „Das ist ein Zeichen mentaler Stärke“

Und weil das Standard-Muster so gut funktioniert hatte, schritten Ducksch und Weiser nach 26 Minuten erneut zur Tat, dieses Mal flankte Letzterer allerdings traumhaft auf den Kopf von Füllkrug. Das Resultat war das gleiche: ein Tor für Werder Bremen. Entsetzte Blicke auf Schalker Seite, während bei den Grün-Weißen auf der Bank vor allem Torwarttrainer Christian Vander gefeiert wurde. Der ist gemeinsam mit Chefanalyst Sören Quittkat für die Standards zuständig und hatte die Varianten im Vorfeld ausgearbeitet. Werder führte. In der ersten Halbzeit. Sogar deutlich. Das hatte es lange nicht gegeben.

Und immer im Hinterkopf: diese ungünstigen Vorzeichen in der Abwehr. „Das ist ein Zeichen mentaler Stärke“, lobte Ole Werner seine Spieler. „Jetzt gab es in dieser Woche wieder ein bisschen personelle Unruhe, das musst du auch immer erstmal wegstecken.“ Und auch Clemens Fritz, Leiter Profi-Fußball beim SV Werder Bremen, war begeistert. „Wir waren von der ersten Minute an wirklich gut drin im Spiel. Das war das, was wir uns vorgenommen haben“, sagte er am „Sky“-Mikrofon. „Wir wussten, dass wir eine Top-Leistung hier auf Schalke brauchen – und das haben die Jungs abgeliefert.“

Werder Bremen gegen Schalke 04: Marvin Ducksch erst im Pech, dann der gefeierte Held im Topspiel

Das Beeindruckende an diesem Samstagnachmittag war, dass sie auch einfach nicht nachließen. Viel war im Vorfeld über die starken Schalke-Stürmer Simon Terodde und Marius Bülter gesprochen worden, doch Werder Bremen schaffte es, dass dieses Duo kaum zur Entfaltung kam. Und damit auch die jüngste beeindruckende Fünf-Siege-Serie der Gelsenkirchener krachend endete. Ein Terodde-Schuss über den Kasten war lange die gefährlichste Aktion der Gastgeber (21.). Stattdessen drehte das Bremer Offensivgespann auf. Doch Marvin Ducksch fehlte auch dieses Mal lange wieder das Glück.

Erst stand der Pfosten im Weg (28.), dann landete ein Lupfer neben dem Tor (42.), ehe kurz nach dem Seitenwechsel nach einem direkt ausgeführten Freistoß wieder nur das Aluminium wackelte (48.). Doch gerade als sich der Bremer Torjäger anschickte, abermals zum Pechvogel zu avancieren, wurde er doch zum gefeierten Helden. Und zwar gleich doppelt. Erst traf er nach Füllkrug-Vorlage (51.), dann knapp 120 Sekunden später per abgefälschtem Schuss. Das Stadion des FC Schalke 04 war plötzlich verstummt – fast. Von den mehr als 62.000 Zuschauern jubelte und sang kurzzeitig nur noch der Gäste-Anhang des SV Werder Bremen. Die Partie, sie war entschieden. Früh – und auf sehr imposante Weise. Daran änderte auch ein später Terodde-Treffer nichts mehr (88.).

Werder Bremen-Sieg gegen Schalke 04: Ole Werner nimmt Wort „Aufstieg“ nicht in den Mund, will aber Erster bleiben

Werder Bremen war zurück an der Tabellenspitze. Mit einem echten Signal an die Konkurrenz. Das Wörtchen „Aufstieg“ nahm Ole Werner zwar auch weiterhin nicht in den Mund, aber er machte unmissverständlich klar: „Wir wollen die Position, die wir haben, nicht mehr hergeben.“ Soll heißen: Platz eins soll es am Ende sein, Rang zwei nur im höchsten Notfall und der ungeliebte Relegationsplatz drei am liebsten gar nicht. Und zwischen den Zeilen war dann auch deutlich herauszuhören, dass der 33-Jährige – anders als in der Vergangenheit des Öfteren betont – sehr wohl ganz genau weiß, welche Konstellationen in der Tabelle herrschen.

Denn er sagte jetzt: „Wenn man es durchkalkulieren möchte, darf man auch nach Kiel noch nicht feiern.“ Und damit hatte er Recht, der Aufstieg könnte nämlich frühestens eine Woche später feststehen und nicht bereits nach dem Heimspiel des SV Werder Bremen am kommenden Freitag gegen Werners Ex-Club (18.30 Uhr). Die Ausgangslage dafür ist perfekt. „Es war heute ein Riesenschritt, aber der nächste Schritt ist Kiel“, unterstrich Ole Werner. Nur nichts überstürzen. Gefeiert werden kann auch später noch. Kurz darauf verschwand er trotzdem im Mannschaftsbus. Dort wartete auf ihn und seinen Trainerstab schließlich noch ein kleines Party-Bierchen. (mbü)

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