Philipp Bargfrede ist zurück bei den Profis des SV Werder Bremen - eine Entscheidung mit Geschmäckle.
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Philipp Bargfrede ist zurück bei den Profis des SV Werder Bremen - eine Entscheidung mit Geschmäckle.

Bargfrede jetzt wieder Werder-Profi

Rückkehr von Philipp Bargfrede bei Werder Bremen: Rührselig, romantisch - peinlich

Bremen – Als Philipp Bargfrede im vergangenen Herbst seinen Job bei der U23 bekam, galt dieser Satz: „Das hat nicht den Hintergrund Bundesliga.“ Als Bargfrede Wochen später zum ersten Mal im Training der Profi-Mannschaft auftauchte, wiederholte Trainer Florian Kohfeldt diese Einordnung. Es war – wie man mittlerweile weiß – jedoch eine Schutzbehauptung, um das vorhandene Personal nicht zu verunsichern. Denn seit dem vergangenen Wochenende gehört Philipp Bargfrede (32) vorübergehend wieder zum Erstliga-Kader des SV Werder Bremen. Und das ist eine Geschichte, die eine Spannweite zwischen Rührseligkeit, Fußball-Romantik und Peinlichkeit abdeckt.

Es ist fraglos eine feine Sache, Philipp Bargfrede, diesen bodenständigen, sympathischen und vereinstreuen Werder-Kämpfer, wieder in der Bundesliga zu sehen. Und es gibt ziemlich sicher auch niemanden im Werder-Kosmos, der es ihm nicht gönnen würde, dass seine Rückkehr zu einer Erfolgsgeschichte wird. Aber für die sportlich Verantwortlichen des SV Werder Bremen bleibt es eine pikante Angelegenheit, dass sie in der immer prekärer werdenden Schlussphase der Saison wieder auf einen Spieler zurückgreifen, der ihnen noch vor einigen Monaten als nicht mehr gut genug für die Bundesliga erschien.

Profi-Rückkehr von Philipp Bargfrede beim SV Werder Bremen: „Der Notfallgedanke war immer da“

Als im Sommer 2020 die Entscheidung über Bargfredes Verbleib im Bundesliga-Team gefällt werden musste, senkten Sportchef Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt den Daumen. Zu verletzungsanfällig und zu alt war Philipp Bargfrede, als dass er in den Plänen noch einen Platz gefunden hätte. Werder Bremen wollte ein neues Mittelfeld schaffen. Jung, robust, zukunftsfähig. Alles gut, alles richtig. Dabei gelang es aber nicht, die Position des defensiven Mittelfeldspielers – seit jeher Bargfredes Position – ordentlich zu besetzen. Vor der Saison scheiterte die Suche nach einem gestandenen, qualitativ hochwertigen Sechser an den wirtschaftlichen Zwängen. Es galt die Formel: Ohne Rashica-Verkauf kein teurer Einkauf.

Also behalf sich Werder Bremen auf dem Transfermarkt mit Patrick Erras und während der Saison mit Maximilian Eggestein, Kevin Möhwald, Christian Groß oder Manuel Mbom als Sechser. Dass nun der Satz „Es geht allein um den Erhalt der Klasse“ – dargeboten von Baumann und Kohfeldt – mit der Rückkehr von Philipp Bargfrede verknüpft wird, zeigt, wie wenig Werder in der Entwicklung der Mannschaft in diesem Bereich vorangekommen ist. Baumann räumt sogar ein, seinen Nachfolger als Werder-Sechser stets „ganz leicht im Hinterkopf“ gehabt zu haben, als er ihn für die U23 verpflichtete: „Der Notfallgedanke war immer da.“ Jetzt ist der Notfall durch die Serie von fünf Niederlagen eingetreten.

Werder Bremen: Aussortierter Philipp Bargfrede bekommt den Vorzug vor Neuzugang Patrick Erras

Dass Florian Kohfeldt den Routinier aktuell wieder in der Kabine dabei haben möchte, damit der vor dem Schicksalsspiel des SV Werder Bremen gegen Mainz 05 am Mittwoch mit seiner ruhigen Art und seiner Abstiegskampf-Erfahrung in die Mannschaft hineinwirkt, ist durchaus nachvollziehbar. Riskant bis verwegen würde es dagegen anmuten, auch auf dem Platz von Philipp Bargfrede einen Mehrwert zu erhoffen. Denn seine letzte Partie hat er im Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Heidenheim bestritten. Am Mittwoch ist das bereits 293 Tage her. Solange ist er wegen des Corona-Lockdowns der U23 ohne Spielpraxis. Was also soll von ihm erwartet werden?

Offenbar immer noch mehr als von Patrick Erras. Der 26-Jährige, im Sommer ablösefrei vom 1. FC Nürnberg gekommen, spielt bei Werder Bremen absolut keine Rolle. Nur 22 Bundesliga-Minuten stehen in seiner Saisonbilanz, und nun wird ihm auch noch Philipp Bargfrede vor die Nase gesetzt. Dadurch wird deutlich, dass Baumann mit der Verpflichtung des 1,96-Meter-Riesen daneben gelegen hat. Der Sportchef über dessen Zukunft: „Wir werden nach der Saison seine Situation mit ihm analysieren. Wie es dann in der neuen Saison weitergeht, ist komplett offen. Wir trauen ihm weiterhin die Bundesliga zu.“ (csa/dco) Auch interessant: So könnte die mögliche Aufstellung von Werder Bremen gegen Mainz 05 aussehen. In unserem TV-Guide erfahrt ihr, wie ihr das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Mainz 05 live im TV und im Livestream sehen könnt.

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