Zuletzt bei Werder Bremen oft auf der Bank, jetzt gefeierte Torschützen: Leonardo Bittencourt und Davie Selke schießen sich den Frust von der Seele.
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Zuletzt bei Werder Bremen oft auf der Bank, jetzt gefeierte Torschützen: Leonardo Bittencourt und Davie Selke schießen sich den Frust von der Seele.

Enttäuschte Reservisten treffen wieder

Die Power von der Bank: Werder Bremen freut sich über die Tore der Gefrusteten

Bremen – Im Schein eines 4:1-Sieges sieht die Welt immer um einiges schöner aus. Und so konnte Florian Kohfeldt nach dem unerwartet deutlichen Erfolg des SV Werder Bremen bei Hertha BSC auch befreit über ein Thema sprechen, das in anderen Momenten oder Saisonphasen vermutlich deutlich problembelasteter diskutiert werden müsste.

Es ist das Thema „Enttäuschte Reservisten und wie ein Trainer am besten mit ihnen umgeht“. Was Kohfeldt über sein Rezept verriet, lässt sich zusammengefasst so benennen: Wärme und Wertschätzung spielen bei ihm die Hauptrollen. „Ich glaube, die einfachste Antwort ist, dass man allen Spielern im Alltag das Gefühl gibt, dass sie wichtig sind. Das hört auch nicht damit auf, wenn sie mal nicht spielen“, sagte der Coach des SV Werder Bremen.

Bei Werder standen am Samstag in Berlin zwei Spieler in der Startelf, die es in der jüngeren Vergangenheit nicht leicht hatten: Davie Selke und Leonardo Bittencourt. Selke war in den vier Partien zuvor nur einmal in die Bremer Anfangsformation geschlüpft und ist bis dato insgesamt mehr Sorgenkind als Strahlemann gewesen. Und Bittencourt war von Kohfeldt wegen unzureichender Leistungen für drei Spiele auf die Bank gesetzt worden. Er habe zuvor von dem Mittelfeldspieler „nicht das gesehen, was ich von ihm sehen wollte. Da muss man auch mal auf gewisse Momente reagieren“, erklärte der Trainer.

Werder Bremen: Einordnung in Stammspieler und Ersatzspieler macht für Florian Kohfeldt oft keinen Sinn

Aber in Berlin spielten beide von Beginn an und wurden zu Torschützen – Selke mit Selbstbewusstsein beim Elfmeter, Bittencourt kunstvoll mit seinem Pirouetten-Treffer zum 3:1. Für Kohfeldt war es der Beweis, dass Einordnungen in Stamm- und Ergänzungsspieler oft keinen Sinn machen. Er erhob Selke und Bittencourt dann auch gleich zu Stellvertretern aller Reservisten und Teilzeit-Bankdrücker, als er sagte: „Sie sind wichtig, und ich sehe sie auch nicht an zwölfter oder 13. Stelle. Ich hoffe, dass jeder Spieler weiß, dass sich das Menschliche bei mir nie verändert und die Wertschätzung für sie immer groß ist.“

Manchmal hilft aber auch das nichts, dann ist der Frust über Nicht-Einsätze stärker als alles andere, dann setzt das Murren ein. Bei Werder Bremen ist bislang jedoch alles ruhig geblieben. Leonardo Bittencourt sei „natürlich sauer gewesen, dass er in den vergangenen Wochen nicht gespielt hat, das ist doch vollkommen klar“, meinte Kohfeldt, aber abgeliefert hat Bittencourt dann trotzdem. Mit seinem vierten Saisontreffer zog der 27-Jährige sogar mit dem bislang im internen Tor-Ranking führenden Niclas Füllkrug gleich.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt hat Hochachtung vor Niklas Moisander und lobt „starken Charakter“

Das auf der Bank schlummernde Konfliktpotenzial hat sich bei Werder Bremen bislang allerdings auch auf natürlichem Wege abgebaut. In einem Kader mit klaren Hierarchien ist wegen Verletzungen beinahe jeder zu seinem Recht gekommen, der auch Rechte hätte anmelden können. Eine Ausnahme war Ersatzkeeper Stefanos Kapino, der laut Sportchef Frank Baumann „unruhig“ geworden war, „ohne Unruhe zu stiften“ und sich nun an den SV Sandhausen verleihen ließ.

Und der Fall Niklas Moisander hätte, wenn der Spieler charakterlich auch nur etwas anders gestrickt wäre, durchaus das Potenzial, ein dickes Problem zu werden. Doch trotz der Degradierung zum Reservisten verhält sich der Kapitän vorbildlich. Wenn er gebraucht wird, ist er da. Wenn er nicht gebraucht wird, bleibt er ruhig. So hat es jeder Trainer gern – auch Kohfeldt, der den Finnen für dessen vorbildliche Haltung und das Vorleben des Gemeinschaftssinns nicht erst einmal gelobt hat: „Ich habe Hochachtung vor Niklas, wie er die Situation annimmt. Er hat seine ganze Karriere nicht auf der Bank sitzen müssen und hat nur einen Moment gebraucht, um die Situation für sich zu akzeptieren. Er hat sich dann aber als wahrer Kapitän und starker Charakter gezeigt.“ (csa)

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