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Benno Möhlmann hat für Werder gespielt, lebt in Bremen und arbeitet für Greuther Fürth.

Ex-Werder-Profi ist weiter nah dran

Möhlmanns Analyse: Auf der Bargfrede-Position muss etwas passieren

Bremen – Von Hans-Günter Klemm. Werder Bremen ist und bleibt seine alte Liebe. Inzwischen ist er wieder Mitglied im Verein, für den er die meiste Zeit seiner Profikarriere gespielt hat. Zudem verfolgt er den Club aus nächster Nähe. „Vier Dauerkarten für meine Familie“ besitzt Benno Möhlmann, wie er sagt.

„Wenn ich Zeit habe, bin ich im Stadion. In der letzten Saison habe ich viele Spiele gesehen.“ Ein dezidiertes Urteil kann er sich also erlauben über das neue Werder. Es klingt durchweg positiv, was der langjährige Spielführer aus der Epoche um Otto Rehhagel über die aktuelle Mannschaft zu sagen hat: „Die sportliche Leitung hat es geschafft, eine Mannschaft zusammenzustellen, die vom Miteinander lebt, aber auch Einzelspieler besitzt, die ein Spiel entscheiden können.“

Dieses Lob gilt für zwei Personen: Florian Kohfeldt, den Trainer, sowie für Frank Baumann, den Manager. Mutig, so der 64-Jährige, fand er die Ansage, die Qualifikation für den Europacup anzustreben. „Ambitioniert, aber durchaus gerechtfertigt“, wie Möhlmann betont, der von 1978 bis 1987 insgesamt 267 Bundesligaspiele für Grün-Weiß bestritten und dabei 46 Tore erzielt hat.

Benno Möhlmann: Mit Niclas Füllkrug ändert sich das Sturmspiel bei Werder Bremen

Zwei Akteure sind aus seiner Sicht hauptsächlich dafür verantwortlich, dass das Team so lange beim Rennen um die internationalen Plätze mithalten konnte: Max Kruse und Milot Rashica. Wobei der Kosovare dank seines Tempos auf dem besten Weg sei, zu einem Ausnahmespieler zu reifen. „Rashica hat sich stabilisiert in seinem Spiel, ist inzwischen viel cleverer und ausgekochter vor dem Tor, somit weitaus effektiver als in seiner Anfangszeit“, analysiert Möhlmann.

Natürlich ist auch für einen neutralen Beobachter wie ihn der Abschied eines Ausnahmespielers wie Kruse ein Einschnitt und somit der Beginn einer Neuausrichtung. Doch es sei auch eine Chance, sagt der langjährige Coach, der bis 2017 bei Preußen Münster, seinem ersten Profiverein, tätig gewesen ist. Er traut Werder Bremen zu, in der neuen Saison beim Angriff auf Europa durchaus erfolgreich sein zu können. „Werder kann gerade im Offensivspiel neue Akzente setzen und sich in dieser Beziehung verbessern.“ Möhlmann denkt dabei an den spektakulären Neuzugang Niclas Füllkrug, „mit dem sich das Sturmspiel ändern wird“. Er erwartet von Rashica eine weitere Steigerung, er setzt viel auf die Jungen Johannes Eggestein und Joshua Sargent.

Benno Möhlmann (r.) war bei Werder Bremen Spieler unter Trainer Otto Rehhagel.

Benno Möhlmann: Werder Bremen muss die Abwehr verjüngen

Insgesamt hält Möhlmann den Kader für gut besetzt. Mit Davy Klaassen sei vor einem Jahr ein „gezielter Einkauf“ geholt worden: „Eine starke Persönlichkeit, die sowohl Fußball arbeiten als auch spielen kann. Ein ganz wichtiger Mann, der die kämpferische Note hereingebracht hat.“ Die Defensive um den souveränen Niklas Moisander habe zumeist sehr stabil gestanden, „doch in diesem Mannschaftsteil müsse rechtzeitig für eine Verjüngung gesorgt werden“.

Und eine gewisse Baustelle tue sich, so Möhlmann weiter, auf der Position des Sechsers auf. „Leider, weil Philipp Bargfrede mal wieder mit Knieproblemen ausfällt. Wenn Werder auf der sicheren Seite sein möchte, muss für diese Rolle ein defensivstarker Akteur noch geholt werden.“ Nuri Sahin könne zwar ein Spiel gestalten und lenken, habe aber Defizite in der reinen Abwehrarbeit, Kevin Möhwald sei zwar auch ein guter Fang, aber doch eher eine Nummer acht. 

Unterdessen wird in Bremen aber ja auch weiter am Kader für die neue Saison gebastelt. Werder Bremen plant den Transfer von Marko Grujic, hat aber Konkurrenz.

Benno Möhlmann: Eine Art Thomas Schaaf für Greuther Fürth

Gute Aussichten also für Werder nach Auffassung des Experten, der seit Beginn des Jahres wieder im Geschäft ist. Bei der Spielvereinigung Greuther Fürth, den Verein für den er dreimal als Coach tätig gewesen ist, ist er wieder angestellt. Als Berater im Nachwuchsleistungszentrum und als Mitglied im Scoutingstab. Möhlmann steht den Trainern von der U15 bis zur U23 helfend und zur Seite, „um so den Übergang der Nachwuchskicker in den Profibereich zu optimieren“. Gut eine Woche im Monat ist der in Bremen lebende Fußballlehrer in Franken vor Ort. Die Tätigkeit als Scout, vor allem bei den Reserveteams der Erstligisten sowie bei Mannschaften aus dritter und vierter Liga, organisiert Möhlmann von seinem Wohnort aus.

So lässt er seine Laufbahn, die ihn von 1992 bis 2017 zu elf Trainerstationen führte, so langsam ausklingen. „Vor drei Jahren habe ich beschlossen, nicht mehr im Profibereich zu arbeiten, bei meinem Stammverein Münster habe ich noch mal eine Ausnahme gemacht.“ Nun der spezielle Job in Fürth, der gewisse Ähnlichkeiten aufweist mit der Tätigkeit seines ehemaligen Mitspielers bei Werder, dem Technischen Direktor Thomas Schaaf. Möhlmann ist eine Art Schaaf in Fürth: „Es gibt Parallelen, Thomas macht es vor Ort in Bremen nur weitaus intensiver.“

Ein anderer Ex-Bremer hat derweil eine ganz andere Laufbahn eingeschlagen: Matthias Hönerbach, ehemals Co-Trainer unter Thomas Schaaf, ist jetzt Kiosk-Besitzer in Köln. Den ehemaliger Werder-Trainer Alexander Nouri könnte es unterdessen in den Iran ziehen. 

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