Yasin Seiwasser ist Mentaltrainer, Kampfsportler und Atem-Coach und half in der Aufstiegs-Saison dem SV Werder Bremen.
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Yasin Seiwasser ist Mentaltrainer, Kampfsportler und Atem-Coach und half in der Aufstiegs-Saison dem SV Werder Bremen.

Kampfsportler half Werder beim Aufstieg

„Die haben sich gefragt: Was redet der da?“ - Mentalcoach und Atemtrainer Yasin Seiwasser über seine Arbeit mit den Werder-Profis

Bremen – Es war dieser eine Moment, in dem Yasin Seiwasser alle überrascht hat. Und womöglich erntete er sogar das eine oder andere Kopfschütteln. Als der Mentaltrainer, Kampfsportler und Atem-Coach im Herbst 2021 nämlich erstmals vor die versammelten Profis des SV Werder Bremen trat, tat er dies ziemlich forsch: „Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich das hier nicht tun würde, wenn ich sie nur verbessern wollen würde. Für mich gibt es nur eines im Kopf: den ersten Platz. Nicht Zweiter, nicht Dritter.“

So erzählt es Seiwasser nun im Podcast „Die Kunst, dein Ding zu machen“ von Christian Bischoff, seines Zeichens Persönlichkeits- sowie Mentaltrainer und Bestseller-Autor. Und die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Im Bauch des Weserstadions, im mit 45 Personen vollbesetzten Pressekonferenzraum des SV Werder Bremen, blickte Seiwasser nämlich anschließend in allerlei verdutzte Gesichter. „Das war für alle ganz schwer greifbar, sie haben sich gefragt: Was redet der da?“, meint der 46-Jährige beobachtet zu haben. „Werder war schließlich Dreizehnter.“ Der Rest ist bekannt: Die Bremer kletterten fortan in der Tabelle stetig nach oben, stiegen letztlich zwar nicht als Spitzenreiter, aber doch als Zweitplatzierter wieder in die 1. Bundesliga auf. Auch dank Yasin Seiwasser.

Werder Bremen-Spieler „mit der Zeit sehr offen“ geworden für Arbeit von Yasin Seiwasser

„Jetzt im Nachhinein haben die einzelnen Fußballer mir gesagt, dass ich das damals mit solch einer Sicherheit rübergebracht habe, dass ich einen Punkt in der Tiefe des Menschen erreicht habe“, erzählt der frühere deutsche Meister im Mixed Martial Arts (MMA). „Ich habe auch wirklich daran geglaubt. Ich wusste, weil ich ein paar Spiele beobachtet hatte, dass die Jungs eine sehr starke Kapazität haben und wirklich gut sind. Sie konnten ihre Leistung nur nicht abrufen.“ Als Seiwasser für knapp zehn bis 15 Minuten erstmals vor den Spielern und dem restlichen Staff des SV Werder Bremen sprach, gehörte auch Markus Anfang noch zu den Zuhörern. Kurz darauf war der Trainer an der Weser Geschichte, Ole Werner übernahm bekanntlich – und Yasin Seiwasser blieb.

Die Stärke des einstigen Bodyguards des saudi-arabischen Königs liegt im Wissen um die Wirkung einer richtig geschulten Atemtechnik. Dass er bei seiner Arbeit auf Skeptiker trifft, ist ihm nicht neu. „Darum habe ich zunächst nur Einzel-Sessions gemacht. Dort konnte ich sehen, wer dafür offen ist und wer nicht“, schildert Seiwasser. „Der Großteil des Teams ist mit der Zeit sehr offen für das Thema geworden, weil es mitbekommen hat, dass es da noch Möglichkeiten gibt.“

Mental-Coach Yasin Seiwasser über Werder Bremen: „Etwas erreicht, was für die meisten Spieler unglaublich erschien“

Aus einzelnen Bausteinen wie Tests für die Ausdauer durch Atem-Anhalte-Techniken oder Konzentrationsübungen und Glaubenssätzen entstanden für jeden Spieler eigene Verhaltens- und Denkmuster – sogenannte Mindsets. „Alle Profisportler sind sehr aktiv, trainieren jeden Tag, ernähren sich gut und haben Ausdauer und auch Erfahrung“, zählt Yasin Seiwasser auf. „Wenn man es aber schafft, nur ein, zwei oder drei Prozent in ihrem Mindset aufzubauen, dann sind diese Sportler den anderen um Welten voraus.“

Werder Bremens Auftreten im weiteren Saisonverlauf stützt seine These. Zwar waren die Bremer nur bedingt „um Welten“ besser als die Zweitliga-Konkurrenz, aber zumindest stets in der Lage, mental, emotional und physisch zuzulegen, wenn es der Spielstand erforderte. Kam es trotzdem zu Rückschlägen, zeigte die Mannschaft fast immer direkt die passende Reaktion. „Wir haben mit unseren ganzen Tools etwas erreicht“, sagt Yasin Seiwasser rückblickend, „was für die meisten Spieler unglaublich erschien.“ Besonders an jenem Tag im Herbst, als er erstmals vor die Werder-Profis trat. (mbü)

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