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Benjamin Goller war im Sommer von Schalke 04 zum SV Werder Bremen gewechselt.

Werder-Stürmer trifft auf Ex-Club Schalke 04

Interview: Werder-Youngster Benjamin Goller von Florian Kohfeldt überrascht - „Das finde ich schon sehr cool“

Bremen – Als Benjamin Goller im Sommer zu Werder Bremen wechselte, kannte ihn in der Hansestadt kaum jemand. Der 20-Jährige hatte zwar für den FC Schalke 04 einmal in der Champions League gespielt, aber ansonsten nur bei den Profis trainiert.

Bei Werder Bremen durfte Benjamin Goller inzwischen schon sechs Mal in der Bundesliga ran, er überraschte dabei als frecher Außenstürmer. Vor dem Duell am Samstag mit seinem Ex-Club sprach der U20-Nationalspieler mit der DeichStube über seine Schalker Zeit, sein Verhältnis zu Werder-Coach Florian Kohfeldt, der gegen Schalke auf einen Sieg brennt, und seine Freundin als Glücksbringerin.

Herr Goller, was sagt Ihnen der FC Brünninghausen?

Da bin ich raus. Aber Moment: Brünninghausen? Das war ein Gegner von uns in der U23 von Schalke.

Gegen den Sie Ihr erstes und bislang einziges Tor im Herren-Bereich geschossen haben, in der Oberliga Westfalen war das. Wie wäre es am Samstag mit dem ersten Bundesliga-Tor?

Ich hätte nichts dagegen, wenn wir das Spiel dann auch gewinnen.

Wie würden Sie jubeln?

Klar, gegen den Ex-Verein hält man sich eigentlich etwas zurück. Aber bei seinem ersten Tor in der Bundesliga darf man sich schon freuen.

Auf welchen Schalker freuen Sie sich besonders?

Vor allem auf Ahmed Kutucu. Mit ihm habe ich in der U19 gespielt, wir kennen uns gut.

Für ihn läuft es gerade nicht so gut, es ist sogar von einem Wechsel im Winter die Rede.

Das weiß ich nicht, ich habe länger nicht mit ihm gesprochen.

Werder Bremen: Benjamin Goller wurde auf Schalke mangelnder Ehrgeiz vorgeworfen

Als Sie im Sommer von Schalke zu Werder gewechselt sind, hat Ihnen Ihr damaliger U23-Coach Torsten Fröhling mangelnden Ehrgeiz vorgeworfen. Ist das Spiel nun die Möglichkeit, ihm und Schalke das Gegenteil zu beweisen?

Es geht mir nicht darum, irgendjemandem etwas zu beweisen. Ich weiß nicht, warum Herr Fröhling das damals gesagt hat. Ich habe auch auf Schalke immer 100 Prozent gegeben. Und wenn ich am Samstag meine Chance bekomme, gebe ich auch 100 Prozent.

Wie blicken Sie auf Ihre drei Jahre beim FC Schalke zurück?

Positiv. Die zwei Jahre in der A-Jugend mit Norbert Elgert als Trainer haben mich sehr vorangebracht. Auch im letzten Jahr auf Schalke bei den Profis habe ich tolle Erfahrungen sammeln dürfen.

Norbert Elgert, der als Entdecker von Topstars wie Leroy Sane gilt, hat Ihnen in einem Interview eine Bundesliga-Karriere prophezeit und seine Hilfe angeboten. Haben Sie ihn schon mal kontaktiert?

Na klar, erst neulich habe ich mit ihm gesprochen. Wir haben regelmäßig Kontakt. Er ist ein sehr besonderer Trainer.

Warum?

Er gibt einem auch mal leichte Schläge auf den Hinterkopf, wenn man nicht das gemacht hat, was er gesagt hat (lacht).

Wie sieht das aus?

Das sind kleine Denkzettel. Ich bin mal nicht so in ein Spiel reingekommen, da hat er mich noch vor der Pause ausgewechselt. Da wusste ich, was los war. Er hat mir immer gute Ratschläge gegeben.

Jetzt auch?

Nein, wir sprechen nicht nur, wenn ich einen Rat brauche.

Bei Ihnen läuft es schließlich auch sehr gut. Im Sommer war nicht abzusehen, dass Sie nun schon sechs Bundesliga-Einsätze haben. Wie sehr hat Sie das selbst überrascht?

Schon ein bisschen. Ich profitiere sicherlich davon, dass sich einige Spieler verletzt haben. Aber ich glaube, dass ich meine Sache auch ganz ordentlich gemacht habe.

Beeindruckend war, wie frech Sie aufgetreten sind. Wie haben Sie das geschafft?

Ich habe einfach gespielt. Die Mannschaft hat mich super mitgenommen. Der Trainer hat mir gesagt, trau' dir was zu. Das habe ich gemacht.

Sind Sie zufrieden?

Es war ein Anfang, aber ich muss noch viel lernen und kann mich in allen Bereichen noch verbessern. Ich habe bei meinen Einsätzen alles rausgehauen. Klar, es waren auch Fehler dabei, aber Fehler gehören zum Fußball. Daraus kann ich lernen.

Sie suchen diese riskanten Eins-gegen-Eins-Situationen. Für einen jungen Spieler ist das sicher nicht einfach, weil der Ball schnell weg sein kann. Wie gehen Sie damit um?

Das hat viel mit den Mitspielern zu tun. Wenn ich das Vertrauen spüre, dass es auch mal schief gehen kann und mir das dann keiner vorwirft, kann ich es auch schnell abhaken und es wieder probieren. Da darf man sich auch nicht zu sehr einen Kopf machen.

Haben Sie schon mal gespürt, dass Sie es übertrieben haben?

Auf jeden Fall. Es gibt auch unnötige Dribblings, vor denen man lieber abgespielt hätte. Darüber ärgere ich mich natürlich und entschuldige mich.

Benjamin Goller im Gespräch mit DeichReporter Björn Knips.

Vor fast genau einem Jahr haben Sie Ihr Profi-Debüt ausgerechnet in der Champions League gefeiert. Ist das für einen jungen Spieler nicht extrem schwierig, das richtig einzuordnen?

Das war es für mich eigentlich nicht, auch wenn das natürlich ein Highlight war. Man weiß, dass es danach aber ganz normal weitergeht, man sich weiter beweisen muss. Wenn es dann mal nicht so läuft, darf man sich nicht hängen lassen und irgendwelche Schuldigen suchen. Man muss selbst schauen, wieder besser zu spielen.

Werder Bremen: Benjamin Goller überrascht, wie Florian Kohfeldt mit ihm redet

Wie unterscheiden sich Schalke und Werder?

Bei Werder ist es familiärer und viel ruhiger. Auf Schalke wurde es gleich immer turbulent, wenn zwei Spiele in Folge verloren gingen. Das finde ich hier angenehmer.

Werden Sie in Bremen schon erkannt?

Nein, nein, ich kann mich in der Stadt noch ganz frei bewegen. Aber ich habe auch kein Problem damit, angesprochen zu werden.

Haben Sie schon eine Wohnung?

Zwei Monate habe ich das Hotelleben genossen (lacht). Ich bin schon froh, jetzt eine eigene Wohnung zu haben.

Und die ganze Hausarbeit?

Die gehört dazu. Ich koche auch sehr gerne.

Das können Sie?

Ich muss es ja nur selbst essen (lacht). Bei Nudeln kann man doch nichts falsch machen.

Haben Sie schon einen Lieblingsort in Bremen?

Ich gehe gerne an die Schlachte essen oder durch die Stadt.

Wie wichtig ist Florian Kohfeldt als Trainer für Sie?

Sehr wichtig. Ich bin sehr, sehr überrascht, wie viel er mit mir redet. Er gibt mir regelmäßig Tipps. Einmal war ich sogar zum Einzeltraining mit ihm draußen, da haben wir das Passspiel geübt. Da habe ich nur gedacht: Dafür hätte er doch auch einen anderen Trainer mit mir rausschicken können. Aber er macht das wirklich selbst. Das finde ich schon sehr cool.

Persönliches Training mit dem Coach: Florian Kohfeldt zeigt Benjamin Goller wie es geht.

Was können Sie noch verbessern?

Vieles. Die Rückwärtsbewegung zum Beispiel. Aber auch das Passspiel – gerade mit dem schwächeren Fuß, um beidfüßig zu werden.

Milot Rashica ist Außenstürmer wie Sie und ziemlich durchgestartet. Was schauen Sie sich von ihm ab?

Milot ist ein überragender Spieler. Er geht wie ich gerne ins Eins-gegen-Eins und hat einen tollen Abschluss. Der könnte bei mir noch besser werden.

Sie waren gerade mit der U20-Nationalmannschaft in Portugal unterwegs – wie angenehm oder stressig sind solche Reisen für einen jungen Spieler?

Also ich hatte schon besseres Wetter erwartet (lacht). Es waren nur elf, zwölf Grad und dazu noch Regen. Aber fußballerisch war es sehr erfolgreich. Wir haben 2:0 gewonnen, ich habe gespielt. Und es ist immer toll, für Deutschland auflaufen zu dürfen. Stressig ist es nicht.

Bei der U20 gibt es keine festen Rückennummern, auf Schalke und jetzt bei Werder tragen Sie die 39, warum?

Ich habe die Nummer damals als junger Spieler auf Schalke bekommen und hier einfach behalten.

Soll das Ihr Markenzeichen werden?

Die Nummer ist mir egal. Ich schaue lieber, dass ich meine Leistung bringe.

Werder Bremen: Benjamin Goller hält sich in sozialen Medien zurück

Sie sind auch in den sozialen Medien wie zum Beispiel Instagram sehr zurückhaltend unterwegs.

Ich brauche es nicht, jeden Schritt meines Lebens ins Netz zu stellen. Mir reicht es, einmal im Monat etwas zu posten. Ein bisschen interessiert es mich schon, es schadet ja nicht.

Claudio Pizarro hat eine neue Frisur...

. . . ich war echt überrascht, als ich ihn gesehen habe und musste etwas schmunzeln. Aber es steht ihm.

Wenn Pizarro gegen Schalke das Siegtor schießt, lässt sich dann die ganze Mannschaft die Haare blond färben?

Das haben wir noch nicht gesprochen. Aber blond geht bei mir eigentlich gar nicht.

Wird Ihre Familie am Samstag im Stadion sein?

Leider nicht, aber meine Freundin kommt nach Bremen, sie stammt wie ich aus dem Stuttgarter Raum.

Ist sie ein Glücksbringer?

Auf jeden Fall. Emma ist zu fast allen U19-Spielen gekommen und dann haben wir auch gewonnen.

Wie geht das Spiel aus?

Wir gewinnen.

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