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Benno Möhlmann, Ex-Spieler des SV Werder Bremen, spricht im DeichStube-Interview über die DFL, Gehaltsobergrenzen und die sportliche Entwicklung bei Werder.

Werder Bremen und die Coronavirus-Krise

Interview mit Ex-Werder-Profi Möhlmann: „Es könnte eine Klagewelle drohen“

Bremen – Von Hans-Günter Klemm. Auch bei Benno Möhlmann ruht die Arbeit. Nicht nur wegen der Coronavirus-Pandemie, sondern auch, weil sein Vertrag beim Zweitligisten Greuther Fürth Ende März fristgemäß endete. Der 65-Jährige hatte eine doppelte Funktion: Betreuung und Anleitung der Trainer im Nachwuchsbereich sowie Aufgaben im Scouting. Ob er noch mal in den Job einsteigt, hat der Ex-Profi des SV Werder Bremen noch nicht entschieden.

In seinem Haus in Bremen verfolgt der langjährige Bundesliga-Coach das zur Ruhe gekommene Fußballgeschäft. Im Gespräch mit der DeichStube lobt Benno Möhlmann die Arbeit der DFL, plädiert für eine Gehaltsobergrenze, sieht die sportliche Entwicklung bei Werder Bremen skeptisch und spricht über den sich abzeichnenden Transfer von Milot Rashica

Werder Bremen: Benno Möhlmann „wahrlich kein Freund von Geisterspielen, aber...“

Herr Möhlmann, wie beurteilen Sie die Außendarstellung, die der Profifußball und somit konkret die Deutsche Fußball-Liga in Zeiten der Coronavirus-Pandemie abgibt?

Ich finde den Ansatz der DFL vernünftig. Es wird stets betont, dass die Vorgaben der Politik berücksichtigt werden und somit die gesundheitlichen Aspekte im Vordergrund stehen. Doch genauso wird herausgestellt, dass der bezahlte Fußball, wie der Name schon sagt, ein Wirtschaftszweig ist. Der Verband vertritt die Interessen des Berufsfußballs, der als Teil der Arbeitswelt angesehen werden muss. Es zeichnet sich ab, dass die Initiativen des Verbands auch gefruchtet haben in den Gesprächen mit dem TV-Sender Sky, der sich offenbar bereit zeigt, die Gelder nun doch fließen zu lassen.

Sie begrüßen also das Bestreben, die Saison ab Mai fortzusetzen?

Es ergibt sich aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit. Sollten die TV-Gelder ausbleiben, bekommen einige Profi-Clubs erhebliche Probleme. Bei dieser existenzbedrohenden Lage tun die Verantwortlichen der DFL alles, um möglichst alle Vereine durch diese Krise zu bringen.

Wenn überhaupt, dann starten die Ligen nur mit Geisterspielen...

Ich bin wahrlich kein Freund von diesen Spielen. Doch die Notwendigkeit ist durch die wirtschaftlichen Zwänge nun mal gegeben. Momentan weiß niemand, wie sich die Situation mit dem Virus entwickelt. Wenn es gewährleistet wäre, dass in absehbarer Zeit wieder richtige Fußballspiele, also Partien mit Zuschauern, stattfinden könnten, würde ich vorschlagen, noch länger zu warten und die Saison erst später wieder zu starten.

Aus rein sportlicher Sicht betrachtet: Was halten Sie von einem Abbruch der Saison?

Das ist für mich die schlechteste Lösung. Es kann keine Gerechtigkeit geben. Wenn überhaupt, dann dürfte es keinen Absteiger geben. Doch Fragezeichen bleiben. Ungerecht wäre es, wenn aus der 2. Liga keiner aufsteigt. Fraglich zudem, nach welchen Kriterien die internationalen Plätze verteilt werden. Es könnte eine Klagewelle drohen, weil sich einige benachteiligt fühlen.

Wird sich der Profifußball nach der Krise wandeln?

Unmittelbar wird es Auswirkungen haben in diesem Sommer. Der Transfermarkt wird auf einem finanziell niedrigen Level stattfinden. Die Ablösen sinken, die Gehälter auch. Ob dieses Niveau auf Dauer bestehen bleibt, ist aber offen.

Werder Bremen: Benno Möhlmann hält Gehaltsobergrenzen im Profifußball für vorstellbar

Wären Sie für institutionelle Beschränkungen? Zum Beispiel für die Idee einer Gehaltsobergrenze?

Das ist ein Modell, das immer mal wieder zur Sprache gekommen ist. Ich könnte mir das durchaus vorstellen, um solche Auswüchse zu vermeiden, wie wir sie in den vergangenen Jahren gesehen haben. Dies ist aber nur umsetzbar auf internationaler Ebene mit Uefa und Fifa. Ein nationaler Alleingang ist unmöglich.

Wie sehen Sie als Ehrenpräsident der Spielergewerkschaft VdV den größtenteils von den Profis akzeptierten Gehaltsverzicht?

Für mich ein ganz normaler Vorgang, keineswegs eine ungewöhnliche Aktion. Schon früh, als die Krise begann und sich die wirtschaftlichen Probleme der Clubs abzeichneten, habe ich an dieses Szenario gedacht. Ich war mir sicher, dass die Profis bereit dazu sind, ihren Beitrag zu leisten. Unglücklich fand ich aber, dass öffentlich von verschiedenen Seiten diesbezügliche Forderungen erhoben worden sind, noch bevor die Spieler ihre Bereitschaft erklären konnten.

Hat die von Ihnen mitgegründete VdV richtig gehandelt?

Ich glaube schon. Doch mein Wunsch wäre es, dass die VdV noch mehr anerkannt wäre und wie eine echte Gewerkschaft mit mehr Macht und Stärke auftreten könnte. So wie in anderen Ländern und Ligen wie beispielsweise in England. Sie müsste in bestimmten Gremien ein Mitspracherecht haben und besser in die Entscheidungsprozesse integriert sein – als echte Interessenvertretung aller Profis.

Was bedeutet die derzeitige Krise für die Gilde der Trainer?

Es könnte sein, dass kurzfristig weniger Trainerwechsel stattfinden, aufgrund des finanziellen Drucks. Für arbeitslose Kollegen könnten sich so weniger Jobchancen ergeben. Das Beispiel Bruno Labbadia und Hertha BSC Berlin ist ein Sonderfall. Dort war ohnehin eine Veränderung geplant.

Benno Möhlmann (r.) war bei Werder Bremen Spieler unter Trainer Otto Rehhagel.

Benno Möhlmann über Klassenerhalt des SV Werder Bremen: „Wird sehr schwer“

Zu Ihrem Stammverein Werder: Wie bewerten Sie die sportliche Notlage, in die die Bremer in dieser Saison geraten sind?

Zunächst einmal finde ich gut, dass die Bremer nicht auf einen Saisonabbruch spekulieren, sondern zu Ende spielen wollen. Und dass sie nach außen hin die Überzeugung vertreten, den Klassenerhalt schaffen zu können. Ich sehe das aber skeptischer. Es wird sehr schwer für Werder.

Die Macher erhoffen sich, dass der Neustart eine Wende bringen könnte...

Das ist aber bei allen der Fall. Diejenigen, die zuvor schlecht gespielt haben, hoffen auf den Wendepunkt zum Guten. Diejenigen, die zuvor gut waren, hoffen darauf, möglichst rasch in die eingeschlagene Erfolgsspur zurückzukehren. Doch die, die es wirklich hinkriegen, doppelt so gut aufzutreten wie vor der Pause, sind meist in der Minderheit.

Und Werders Überlebenschancen aus wirtschaftlicher Sicht?

Da bin ich ein wenig optimistischer. Sie sollten die Finanzprobleme geregelt bekommen, um diese Durststrecke zu überwinden.

Dazu wird es Spielerverkäufe geben müssen. Aktuell zeichnet sich der Weggang von Angreifer Milot Rashica stark ab.

Der Verkauf dieses begehrten Spielers ist am Ende wohl unumgänglich. Ob Werder die festgeschriebene Summe dabei erzielen kann, ist aber mehr als fraglich. Siehe meine Einschätzung, dass die Preise auf dem Transfermarkt fallen. Doch unter 20 Millionen Euro sollten sie Rashica nicht abgeben.

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