Benno Möhlmann warnt den SV Werder Bremen vor dem Relegationsspiel gegen Heidenheim nicht in Selbstgefälligkeiten zu verfallen.
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Benno Möhlmann warnt den SV Werder Bremen vor dem Relegationsspiel gegen Heidenheim nicht in Selbstgefälligkeiten zu verfallen.

Ex-Bremer vor dem Relegationsspiel gegen Heidenheim

Benno Möhlmann im Interview: Selbstgefälligkeit ist der Fallstrick für Werder

Von Hans-Günter Klemm. Er gilt als „Mister 2. Liga“. Benno Möhlmann ist der Trainer, der die meisten Zweitliga-Begegnungen absolviert hat. Die Statistiker haben 520 Partien gezählt, für fünf Clubs genau. 1860 München, FSV Frankfurt, FC Ingolstadt, Arminia Bielefeld und Greuther Fürth, wobei er bei den Franken sogar dreimal anheuerte. Der 65-Jährige, der von 1978 bis 1987 für Werder Bremen 230 Erstligaspiele bestritten hat, beleuchtet für die DeichStube die anstehende Relegation.

Sein Standpunkt: Der SV Werder Bremen ist in der Relegation klarer Favorit gegen den 1. FC Heidenheim, kann sich in den Duellen mit den Schwaben nur selbst schlagen, wenn alles zu locker und selbstgefällig angegangen wird.

Was halten Sie vom Heidenheimer Kollegen Frank Schmidt, Benno Möhlmann?

Ein sehr erfolgreicher Kollege, recht bodenständig und geerdet.

Hatten Sie mal engeren Kontakt zu ihm?

Außer den Kontakten bei den Spielen sind wir sind uns einmal näher begegnet. Dabei haben wir uns ausgetauscht. Es war anlässlich eines runden Geburtstags von Helmut Hack (bis 2018 Präsident von Greuther Fürth, d. Red.). Es gab ein Spiel, an dem Frank Schmidt und ich mitgewirkt hatten. Anschließend bei der Feier haben wir uns kennengelernt. Ein sehr solider Mensch. Ich habe es bedauert, dass er als Spieler in dem Jahr gewechselt ist, als ich in Fürth angeheuert habe.

Bewundern Sie, was der Kollege in Heidenheim auf die Beine gestellt hat?

Ich habe hohen Respekt vor dem, was die Heidenheimer seit Jahren schaffen. Als Trainer habe ich oftmals gegen diese Mannschaft gespielt, es war immer einen schwere Aufgabe.

Wie beschreiben Sie die Spielweise dieses Überraschungsteams in der Zweiten Liga?

Frank Schmidt war selbst ein Abwehrspieler. Vielleicht liegt es daran, dass Heidenheim schon immer für eine recht stabile Defensive steht. Sie praktizieren dies sehr effektiv, weil alle Spieler mehr als ordentlich mitmachen. Doch damit beschränkt sich nicht ihr Auftreten. Im Laufe der Jahre ist auch die offensive Ausrichtung dazugekommen, sie haben sich im Offensivspiel sehr verbessert, fahren ganz gefährliche Konter, aber auch Kombinationsangriffe. Mein Kollege Schmidt hat es geschafft, die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen gut hinzubekommen.

Was ist die Stärke dieses Zweitligisten?

Bei Standards sind sie recht gefährlich. Weil in ihren Reihen einige Spieler mit Gardemaß stehen und gute Schützen vorhanden sind.

Werder Bremen ist gegen Heidenheim der klare Favorit

Wie beurteilen Sie die Ausgangslage vor der Relegation?

Natürlich ist der Erstligist der Favorit, ist Werder klar favorisiert. Das zeigt schon die Historie. Nur selten hat die unterklassige Mannschaft sich in der Relegation durchsetzen können.

Stimmt, sechsmal bei 21 Duellen. Woran könnten die Bremer trotz aller Vorteile noch scheitern?

Ich habe den Eindruck, dass die Werder-Elf zuletzt begriffen hat, worum es geht. Leider kam dann das Spiel in Mainz, ein Rückfall. Doch wenn die Bremer das fortführen, was sie zuletzt, vor allem beim klaren Heimsieg gegen Köln, demonstriert haben, kann Heidenheim ihnen nicht gefährlich werden. Werder muss das Tempo hochhalten, darf nur nicht in Selbstgefälligkeiten verfallen, dann sehe ich keine Gefahr. Werder kann so die Favoritenrolle in beiden Spielen bestätigen.

Von 1978 bis 1987 spielte Benno Möhlmann für den SV Werder Bremen.

Inwieweit wirkt sich der souveräne 4:1-Erfolg im vergangenen Herbst im Pokalspiel aus?

Es mag die einzige Gefahr darstellen, dass die Spieler dies im Hinterkopf haben, zudem auch die Niederlage der Heidenheimer in Bielefeld und die ganze Sache etwas zu locker angehen. Volle Konzentration ist angesagt, dann winkt für Werder der Erfolg und Klassenerhalt. Wenn sie es auf die leicht Schulter nehmen, machen sie sich das Leben schwer und können böse von den Heidenheimern überrascht werden.

Werder Bremen: Benno Möhlmann stieg 1980 mit dem Verein ab

Sie standen 1980 in der Bremer Mannschaft, die aus der Bundesliga abgestiegen ist. Bitte vergleichen Sie mal die zurückliegende Werder-Spielzeit mit der Saison damals?

Werder war damals schon seit drei, vier Jahren gefährdet. Es war mein zweites Jahr, trotz der Konkurrenz von solchen Könnern wie Uwe Bracht und Jürgen Röber habe ich es zum Stammspieler geschafft. Knackpunkt war damals, dass es mit Dave Watson als Libero nicht funktioniert hat. Der Engländer flog früh vom Platz, war lange gesperrt, bevor er zurück auf die Insel ging. Wir hatten keinen Abwehrchef und haben auswärts nur drei Punkte bei der damaligen Zwei-Punkte-Regel gemacht. Anders als aktuell, denn die jetzige Mannschaft hat eher unter den Heimpleiten gelitten. Und ein wesentlicher Unterschied: Das Werder von heute hat nach der guten letzten Saison andere Ansprüche formuliert, wollte zumindest einen einstelligen Tabellenplatz und an den europäischen Plätzen schnuppern.

Sollte Werder sich gegen Heidenheim durchsetzen und retten, was muss dann passieren?

Ich bin nicht in der Position, den Ratgeber für den Club zu spielen. Ich bin einfach zu weit weg, um nun gute Tipps für die Verantwortlichen zu geben.

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