Ein Bild, an das man sich in diesen Tagen beinahe gewöhnt hat: Später, kollektiver Jubel beim SV Werder Bremen - auch beim 2:1-Sieg bei Hansa Rostock.
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Ein Bild, an das man sich in diesen Tagen beinahe gewöhnt hat: Später, kollektiver Jubel beim SV Werder Bremen - auch beim 2:1-Sieg bei Hansa Rostock.

2:1-Sieg in Rostock ist Werders Siebter in Serie

Spätzünder mit besonderer Qualität: Erneute Steigerung in der zweiten Hälfte lässt Werders Serie weiter wachsen

Rostock - Sie hatten wahrlich alles probiert. Doch Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug ließen sich einfach nicht locken. Da konnte die stimmgewaltige Forderung aus dem 500 Fans starken Gästeblock im Rostocker Ostseestadion noch so laut sein. Die beiden Matchwinner des SV Werder Bremen grinsten lediglich breit, als sie während ihrer TV-Interviews zu hören bekamen, dass einer von ihnen doch bitte auf den Zaun klettern und mit den Zuschauern feiern möge. Nun verbieten sich derartige Bilder allein schon coronabedingt – auch nach einem intensiven 2:1-Erfolg beim FC Hansa Rostock und dem Sprung an die Tabellenspitze.

Zudem wollte Niclas Füllkrug das Zutun der beiden Stürmer des SV Werder Bremen trotz ihrer ebenso sehenswerten wie wichtigen Tore an diesem Tag nicht so hoch hängen. „Ein besonderes Lob geht heute an unsere Hintermannschaft, die wirklich alles wegverteidigt hat“, erklärte er stattdessen. „Wir haben, glaube ich, 20 Einwürfe in den Fünfer geschmissen bekommen und so viele Kopfballduelle gegen eine Mannschaft gewonnen, die das eigentlich sehr gut beherrscht. Dementsprechend war das hinten sehr gut, nach vorne haben wir wieder Luft – das können auf jeden Fall besser.“

In der Tat hatte Werder Bremen an diesem Freitagabend einige Mühe, offensiv ins Rollen zu kommen. Weil der Gegner Hansa Rostock es dem Team ähnlich schwer machte wie der Boden. Nun ist es in all der Euphorie, die sich momentan rund um die Bremer und ihre beeindruckende Sieben-Spiele-Siegesserie entfaltet, aber ohnehin ein fast schon amüsantes Detail, dass die Anhängerschaft etwas Geduld benötigt, ehe der Spaß so richtig beginnt. Als Fan verspätet einzuschalten oder unpünktlich im Stadion zu erscheinen, verbietet sich zwar im Grunde, rächt sich aber zumindest nicht unbedingt. Von den 43 bisher erzielten Werder-Toren fielen satte 33 erst nach dem Seitenwechsel. Und überhaupt: Seitdem Ole Werner das Kommando übernommen hat, regnet es zwar Erfolge, doch mit einer Führung gingen die Bremer in dieser Zeit bislang lediglich einmal in die Pause – bei Werners erstem Spiel gegen Erzgebirge Aue (2:0 beim letztlichen 4:0).

Werder Bremen schoss 33 seiner 43 Tore in Halbzeit zwei: „Müssen uns zur Pause gar nicht stressen“

So gut dieses Modell funktioniert, so wenig Kalkül steckt dahinter. „Es ist zumindest nicht geplant“, versicherte Ole Werner unmissverständlich. „Ich glaube, dass es häufig an den Spielverläufen liegt, dass statistisch in der zweiten Halbzeit eher mehr Tore fallen, weil sich Spiele öffnen. In den letzten Wochen war es häufig so, dass man erstmal einen Gegner in Bewegung bringen muss. Das erste Tor öffnet dann Räume.“
 
Marvin Ducksch, der diesen öffnenden Treffer bei Hansa Rostock mit einem wunderschönen Schlenzer fabriziert hatte, probierte es derweil mit einem anderen Lösungsansatz. „Wir wissen, dass egal, wie es steht, wir noch 45 Minuten plus X Zeit haben und wir uns unabhängig vom Spielstand zur Pause gar nicht stressen müssen“, erklärte er. „Wir haben immer eine sehr gute Ansprache und analysieren sofort das, was wir in der ersten Halbzeit vielleicht nicht so gut gemacht haben. Das wollen wir dann in der zweiten Halbzeit besser machen – das ist uns dieses Mal sehr gut gelungen.“

Werder Bremen gewinnt auch bei Hansa Rostock - Ole Werner: „Wir haben eine ganze Reihe an Unterschiedsspielern“

Auch weil bei Werder Bremen momentan die einzelnen Puzzleteile perfekt zusammenpassen. Mit Ducksch und Füllkrug ist im Sturm eine für Zweitligaverhältnisse überragende individuelle Qualität vorhanden. Beide können knifflige Spiele wie in Rostock mit einer einzigen Aktion in die gewünschte Richtung kippen lassen. Für solche Profis ist einst das Gütesiegel „Unterschiedsspieler“ erfunden worden. „Ich glaube, wir haben aber eine ganze Reihe an Unterschiedsspielern“, hielt Ole Werner dagegen. „Wenn vorne die Tore fallen, ist es da natürlich offensichtlich. Wenn man heute aber einen Romano Schmid sieht, wenn man insgesamt die letzte Kette mit dem Torhüter dahinter und Grosso davor sieht, dann glaube ich, dass wir insgesamt richtig, richtig Qualität auf dem Platz haben. Insofern will ich es nicht nur auf die beiden Stürmer da vorne beschränken. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass Spieler da sind, die in so einem schwierigen Spiel den Knoten platzen lassen.“

Natürlich gehört es zur Wahrheit dazu, dass Werder Bremen nur deshalb gerade so strahlt, weil auch die Kollegen drumherum größtenteils auf Ballhöhe sind. „Ich glaube vor allem auch, dass die Mannschaft untereinander eine klare Hierarchie und eine gute Einstellung hat. Sie ist gierig auf Erfolg“, betonte Werders Cheftrainer, der die Gelegenheit aber auch nutzte, um ein wenig warnend den Finger zu heben: „Das alles müssen wir beibehalten. Es warten noch viele schwere Aufgaben auf uns. Es wird auch irgendwann – selbst wenn wir diesen Moment lange, lange vor uns herdrücken wollen – einen Rückschlag zu verdauen geben. Damit müssen wir dann auch gut umgehen.“ Im Moment ist es nur schwer vorstellbar, dass seine Mannschaft damit ein Problem haben dürfte. (mbü)

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