Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat sich festgelegt: Werder Bremen und Co. dürfen auch in Zukunft vom Deutschen Fußball-Bund für das Fehlverhalten ihrer Fans mit Geldstrafen belegt werden.
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Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat sich festgelegt: Werder Bremen und Co. dürfen auch in Zukunft vom Deutschen Fußball-Bund für das Fehlverhalten ihrer Fans mit Geldstrafen belegt werden.

Vereine dürfen weiter belangt werden

Werder-Präsident Hess-Grunewald hält BGH-Urteil für „juristisch diskutabel“

Karlsruhe/Bremen - Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat sich festgelegt: Vereine dürfen auch in Zukunft vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für das Fehlverhalten ihrer Anhänger und Zuschauer mit Geldstrafen belegt werden.

Durch die seit Jahren angewandte Praxis würden keine elementaren Grundsätze der Rechtsordnung verletzt, entschied der BGH am Donnerstag. Die Strafen seien als reine Präventivmaßnahme zu bewerten, dies sei auch ohne Verschulden der Vereine zulässig. Geklagt hatte der Regionalligist FC Carl Zeiss Jena, der die Frage grundsätzlich klären lassen wollte - und nun auch in letzter Instanz unterlag. Was freilich in der gesamten Fußballbranche und damit auch beim SV Werder Bremen sehr aufmerksam verfolgt worden ist.

„Ich bin mir sicher, dass dieses Urteil bei den DFB-Verantwortlichen für große Erleichterung gesorgt hat. Juristisch betrachtet, empfinde ich die Entscheidung als diskutabel“, sagt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald auf Nachfrage der DeichStube. Den 61-jährigen Rechtsanwalt beschäftigt dabei vor allem die Tatsache, dass der BGH die Geldstrafen als Präventivmaßnahme einstuft: „Wenn eine Strafe nicht als Sanktion, sondern als Präventivmaßnahme betrachtet wird, kann ich gut verstehen, wenn es auch andere Einschätzungen dazu gibt“, sagt er. 

Werder Bremen und Co. können auch in Zukunft vom DFB für Fan-Fehlverhalten mit Geldstrafen belegt werden

Die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sieht vor, dass für Zwischenfälle im Stadionbereich die jeweiligen Vereine haften. Jena, damals noch in der 3. Liga beheimatet, soll für Störungen während zweier Heimspiele sowie einer Auswärtspartie im Jahr 2018 insgesamt knapp 25.000 Euro zahlen. Vor dem zuständigen Schiedsgericht war der Verein unterlegen. Mit der Entscheidung des BGH hat dieser Schiedsspruch nun Bestand. Auch Werder Bremen hatte in der Vergangenheit schon mehrfach für Vergehen seiner Fans zahlen müssen. 

Hess-Grunewald geht davon aus, dass das Urteil des BGH „auch eine politische Entscheidung ist“, bei der sich die Richter „sicherlich die Frage nach den weitreichenden Konsequenzen eines anderslautenden Urteils gestellt haben“. Das Vorgehen des FC Carl Zeiss Jena kann der Werder-Präsident sehr gut nachvollziehen. „Ich hätte Verständnis dafür, wenn die Verantwortlichen von Carl Zeiss Jena nach dieser Entscheidung noch den nächsten Schritt zum Bundesverfassungsgericht gehen würden, um eine endgültige Klärung zu erreichen“, sagt er. (dco/dpa) Lest auch: Verfolgt das Duell Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg im Liveticker der DeichStube! Und: So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder gegen den FCN aussehen!

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