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Werder-Coach Florian Kohfeldt gibt seiner Elf Anweisungen im Spiel gegen den BVB.

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund

Kohfeldt gewinnt im Schere-Stein-Papier-Taktikduell

Trotz Verletztenmisere holt Werder Bremen ein 2:2 gegen Borussia Dortmund. Das hat die Mannschaft nicht zuletzt Trainer Florian Kohfeldt zu verdanken. Er hat sie gut auf das Spiel eingestellt. Unser Taktikanalyst Tobias Escher seziert Kohfeldts Matchplan.

Manchmal ist Fußballtaktik wie eine Partie Schere-Stein-Papier. Es gibt Formationen im Fußball, die anderen Formationen überlegen sind. Der Stein schlägt die Schere – und das 4-3-2-1 ist das natürliche Mittel gegen das 4-2-3-1. Das 4-3-2-1 bietet drei defensive und zwei offensive Mittelfeldspieler. Es spiegelt damit das 4-2-3-1 mit seinen zwei defensiven und drei offensiven Mittelfeldspielern.

In der Praxis trauen sich jedoch wenige Trainer, einem 4-2-3-1 mit einem 4-3-2-1 zu begegnen. Zu komplex ist das System auf dem Feld umzusetzen, zu groß sind die Laufwege für das Dreier-Mittelfeld, zu offen stehen die Räume auf den Flügeln.

Werder Bremens 4-3-2-1

Florian Kohfeldt entschied sich trotzdem, das 4-3-2-1 gegen Borussia Dortmunds 4-2-3-1 einzusetzen. Leonardo Bittencourt und Milot Rashica bildeten eine Doppelzehn. Sie sollten Dortmunds Doppelsechs aus dem Spiel nehmen. Besonders Dortmunds Spielgestalter Axel Witsel sollte möglichst wenig Bälle erhalten. Davy Klaassen rückte aus dem Mittelfeld immer wieder hervor, um Witsel zusammen mit Milot Rashica zu doppeln.

Auf dem Papier hatte Werder Bremen also die richtige Wahl getroffen: Jedem Dortmunder Offensivspieler war mindestens ein Bremer zugeteilt. Dass die Idee auch in der Praxis aufging, lag an den Bremer Spielern. Die Schwächen eines 4-3-2-1 kamen selten zur Geltung: Zwar war die Rolle der Dreifachsechs komplex, doch gerade Klaasen erfüllte seine taktische Aufgabe gut. Er ist bekannt für seine Laufstärke und war sich auch gegen Dortmund nicht zu schade, auch die gegnerischen Außenverteidiger zu pressen.

Die Grafik zeigt Werders Defensivsystem. Sie verteidigten in einem 4-3-2-1. Klaassen doppelte mit Rashica zusammen Witsel.

Dortmunds Außenverteidiger wiederum waren die Spieler mit den meisten Ballkontakten, konnten aber wenig mit dem Ball anfangen. Werder Bremen stellte die Anspielstationen nach vorne clever zu, der BVB musste häufig das Spiel abbrechen und wieder neu aufbauen. Bremen stand defensiv äußerst solide.

Witsel findet gegen Werder Bremen ins Spiel

Dass Werder Bremen in der ersten Halbzeit trotzdem zwei Tore kassierte, war einigermaßen kurios. Kohfeldt hatte mit seiner Taktik einkalkuliert, dass die Flugelräume vernachlässigbar sind. Eine konsequente Herangehensweise: Der BVB ist kein Team, das auf Flügelangriffe und hohe Flanken setzt. Mario Götze ist als alleiniger Stürmer nicht der Spielertyp, der mit hohen Flanken gefüttert werden will.

Ironischerweise war es jener Götze, der das Tor zum 1:1 köpfte (9.). Auch Marco Reus traf nach einer Flanke aus dem Halbfeld (41.). Hier zeigten sich die systematischen Schwächen des Werder-Systems. Nach Verlagerungen stand der Dortmunder Außenspieler frei. Der BVB nutzte dies besonders für Verlagerungen von der linken zur rechten Seite. Kohfeldts Taktik aufgrund dieser Schwachstelle zu kritisieren, wäre allerdings vermessen: In bislang 40 Bundesliga-Spielen unter Lucien Favre erzielte der BVB neun Tore per Kopf – und das fast ausschließlich nach Standards. Gegen Werder Bremen trafen sie doppelt per Kopf aus dem Spiel.

Schwerwiegender war die Tatsache, dass mit zunehmender Spielzeit Witsel besser ins Spiel fand. Er setzte sich aus seinem Raum immer häufiger ab. Der Belgier sah die freien Räume auf dem Flügel, er startete immer wieder auf die rechte Seite durch. Später tauschte er mit Mahmoud Dahoud die Seiten, um sich von Klaassen zu befreien. Er drückte ab der 20. Minute dem Spiel seinen Stempel auf.

Werder Bremen: Offensive Umstellungen

Offensiv brauchte Werder Bremen lange Zeit, um in die Partie zu finden. Der frühe Treffer (7.) kaschierte, dass Bremens Formation offensiv nicht so gut funktionierte wie defensiv. Bremen hatte viele Spielertypen auf dem Feld, die vorwärtsgerichtet agierten. Gerade die Doppelzehn aus Rashica und Bittencourt benötigt den Ball mit dem Fuß zum Tor. Somit fehlten Spielertypen in ganz vorderer Linie und auch zwischen Dortmunds Ketten, die Bälle hätten halten können.

Dieses Problem wurde intensiviert durch die Rolle von Nuri Sahin. Er ließ sich bei Ballbesitz in die Abwehrkette fallen. Die Wege zwischen Mittelfeld und Angriff waren somit noch größer, ohne dass ein Spieler sie hätte überwinden können.

Wieder einmal war es Klaassen, der im Verlaufe des Spiels diese Schwachstelle des Systems ausmerzte. Er rückte aus dem linken Halbraum nach vorne, bot sich an und drehte sich mit dem Ball am Fuß in Richtung gegnerisches Tor. Vor allem fand er die Außenverteidiger, die sich besonders nach der Pause offensiver anboten. Somit konnte Werder den eigenen Ballbesitz nach der Pause öfter in die gegnerische Hälfte tragen.

Werder Bremen gegen den BVB: Umstellung kurz vor Schluss

Im Grundsatz verlief die Partie jedoch auch in der zweiten Hälfte nach demselben Muster: Dortmund sammelte Ballbesitz, Werder konzentrierte sich auf die Defensive. Das intensivierte sich in der Schlussphase, als Kohfeldt auf eine 4-4-1-1-Formation umstellte. Auch hier ragte Klaassens Rolle heraus: Als Zehner sollte er Dortmunds neu formierte Doppelsechs aus dem Spiel nehmen. Favre hatte zuvor Julian Brandt als Sechser gebracht. Klaassen meisterte auch diese Aufgabe mit Bravour und störte den Dortmunder Spielaufbau.

Das Fazit fällt nach dem 2:2-Unentschieden folglich positiv aus. Werder Bremen stellte eine der offensivstärksten Mannschaften der Liga weitgehend matt. Einzig über die Flügel konnte der BVB Nadelstiche setzen. Kohfeldts Mut, auf ein 4-3-2-1 zu setzen, wurde belohnt.

Mehr News zum SV Werder Bremen

Ein Mitarbeiter von Borussia Dortmund trug am Samstagabend nach dem 2:2 eine Kiste Bier in die Kabine des SV Werder Bremen, aus der laute Musik tönte. Es wurde jedoch eine Cola-Nacht statt Bier Party.

Das Werder-Drehbuch war bekannt, die Szene erprobt. Nur die Hauptdarsteller, die waren eigentlich nicht die richtigen. Am Ende aber doch - Marco Friedl köpft sich als falscher Moisander zum Tor-Debüt.

Derweil hat Claudio Pizarro am Sonntag verletzt das Training von Werder Bremen abgebrochen.

Wenig überraschend bleibt Florian Kohfeldt, Trainer von Werder Bremen, das Tuschelthema beim BVB – erst recht nach dem 2:2 am Samstagabend.

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