Marco Bode, Chef des SV Werder Bremen, hat mit Deutschland  zweimal gegen England in Wembley gespielt - und zweimal gewonnen.
+
Marco Bode, Chef des SV Werder Bremen, hat mit Deutschland zweimal gegen England in Wembley gespielt - und zweimal gewonnen.

Heute vor 25 Jahren

„Ein grandioses Konzerthaus“: Werder-Chef Bode hat in Wembley gleich zwei historische Spiele gegen England erlebt

Bremen – Dieses Warten, dieses ewige, bange Warten irgendwo im Mittelkreis – Marco Bode kann sich auch heute, exakt 25 Jahre danach, noch genau an jene gut sieben Minuten erinnern, die der Chef des SV Werder Bremen am späten Abend des 26. Juni 1996 im Londoner Wembley-Stadion verbringt. Halbfinale der Europameisterschaft, Deutschland gegen den Gastgeber England. Als es auch nach der Verlängerung noch immer 1:1 steht, muss das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen.

„Ich war extrem nervös“, sagt Marco Bode, der erst in der 110. Minute ins Spiel kommt und trotzdem als Schütze auf dem Bogen steht – als deutscher Schütze Nummer sieben, als erster DFB-Spieler, der letztlich nicht mehr zum Punkt muss. Southgate scheitert an Köpke, Möller trifft gegen Seaman, Deutschland steht im Endspiel – und Bode fällt ein Stein vom Herzen. „Dafür bin ich Gareth Southgate und Andy Möller bis heute sehr dankbar. Ich wäre ja sonst der Nächste gewesen“, schmunzelt der Aufsichtsratsvorsitzende des SV Werder Bremen, der in diesen Tagen sehr oft an jenen Abend denken muss. Schließlich trifft Deutschland auch bei der EM 2021, ein Vierteljahrhundert nach 1996, wieder auf England, wieder im Wembley-Stadion, dieses Mal aber bereits im Achtelfinale.

Deutschland gegen England im Wembley: Werder Bremen-Boss Marco Bode war heute vor 25 Jahren dabei

„Gegen England in Wembley? Das ist immer ein Traum“, schwärmt Bode, der während seiner Laufbahn gleich zwei Mal in diesen Genuss kommt. Beide Male geht die Sache gut aus, und beide Male schreibt Deutschland am Ende Fußballgeschichte. Also, Herr Bode, wie fühlt sich das eigentlich an, so ein Spiel mitten im Herzen des Fußballs? „1996 war das schon kurios“, beginnt Marco Bode, der Wembley damals zum ersten Mal betritt – und ziemlich ernüchtert feststellt, „wie sehr in die Jahre gekommen das alles schon war“. Katakomben, Kabinen, Sanitäranlagen – das alles mehr alt denn ehrwürdig. Aber dann, der Kontrast. „Als die Fans da waren und wir ins Stadion eingelaufen sind, war Wembley ein grandioses Konzerthaus“, erinnert sich Bode, der die Atmosphäre in aller Ruhe aufsaugen kann, weil ihn Trainer Berti Vogts wie schon in den vier Spielen zuvor nicht in die erste Elf stellt.

Das Spiel dann ein enges Duell, schon während es läuft ein Klassiker. Alan Shearer mit dem frühen 1:0 für die Hausherren (3.), Stefan Kuntz mit der schnellen Antwort (16.), danach dann ein Schwergewichtskampf, bei dem partout keiner der Kontrahenten auf die Bretter gehen will, bis es schließlich zum Showdown kommt. Während des Elfmeterschießens hat sich Marco Bode im Mittelkreis schon alles genau überlegt („Auf jeden Fall Vollspann, Ecke aussuchen, dann Augen zu und durch“). Ausführen muss er das nicht mehr, weil es die Kollegen vorher richten. Der Rest ein einziger Jubellauf. Im Finale gegen Tschechien, wieder in Wembley, holt der heutige Chef des SV Werder Bremen mit Deutschland danach den Titel, spielt dabei sogar 50 Minuten lang, weil er seinen verletzten Bremer Teamkollegen Dieter Eilts, der eine fantastische EM abliefert, ersetzen muss.

Deutschland gegen England in Wembley: Wer ist bei dieser EM Favorit, Werder-Chef Marco Bode?

„Ich habe bis heute das Trikot von damals mit allen Unterschriften unserer Spieler“, sagt Bode, der vier Jahre später, im Juni 2000, noch einmal ins Wembley zurückkehrt – für das allerletzte Spiel in diesem Fußballtempel, der später abgerissen und an selber Stelle neu aufgebaut wird. In der WM-Qualifikation feiert der Bremer mit Deutschland dank eines Treffers von Dietmar Hamann einen historischen 1:0-Erfolg. Das neue Wembley hat Bode indes bis heute nicht betreten. Hat sich einfach nicht ergeben.

Am Dienstagabend, wenn die Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw gegen die Engländer antritt, wird sich auch der 51-Jährige vom Fernseher in die Arena transportieren lassen. Er wird dann auch Gareth Southgate, den englischen Pechvogel von einst wiedersehen, der ihm 1996 so viel Glück gebracht hat und heute die englische Nationalmannschaft trainiert. Wer der Favorit ist? „Es gibt keinen“, betont Marco Bode. Dass beide Mannschaften im bisherigen Turnierverlauf noch nicht nachhaltig überzeugen konnten, sei nicht mehr wichtig. England habe vielleicht einen kleinen Heimvorteil, „aber andererseits“, sagt Bode, „sieht Deutschland in Wembley ja immer gut aus“. Na wenn es einer wissen muss, dann er. (dco)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare