Wenn der SV Werder Bremen am Sonntag bei Dynamo Dresden antritt, kommt es zum Bruder-Duell zwischen Lars Lukas Mai (li.) und Sebastian.
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Wenn der SV Werder Bremen am Sonntag bei Dynamo Dresden antritt, kommt es zum Bruder-Duell zwischen Lars Lukas Mai (li.) und Sebastian.

Werder Bremen am Sonntag in Dresden

Mit Werder in der Heimat und gegen den Bruder - Lars Lukas Mai: „In mir brodelt‘s“

Bremen – Früher gab es Uli und Dieter Hoeneß. Oder Klaus und Thomas Allofs. Die Rummenigges, dann die Altintops, die Boatengs. Zuletzt die Zwillinge Lars und Sven Bender, aktuell die Schlotterbecks. Bruder-Duelle im deutschen Profi-Fußball haben eine lange Tradition. Und jetzt gibt es auch noch dieses Paar: Lars Lukas Mai und Sebastian Mai. Der erste ein Innenverteidiger bei Werder Bremen, der andere Innenverteidiger und Kapitän bei Dynamo Dresden.

Am Sonntag treffen sie aufeinander – nicht zum ersten Mal in ihren Karrieren, aber so emotional wie dieses Mal, war es zuvor noch nie. Denn die Mai-Brüder stehen sich in ihrer Stadt, in ihrem Stadion, vor ihren Fans gegenüber. Und wie es in den Tagen zuvor in ihm als Gast und Gegner aussieht, muss man Lars Lukas Mai nur fragen, dann sprudelt es aus ihm heraus. „In mir brodelt es, meine Gefühle spielen verrückt. Dieses Spiel wird ein Highlight für mich und meine Familie“, sagt der 21-Jährige, der seit Saisonbeginn bei Werder Bremen spielt und schon viele Jahre nicht mehr in Dresden lebt, die Stadt und die SG Dynamo aber immer noch innig liebt. Und den sechs Jahre älteren Bruder, den er „meinen Mentor“ nennt, sowieso: „Wir haben ein sehr, sehr enges Verhältnis, sind täglich im Austausch und reden über Gott und die Welt.“ Und in diesen Tagen natürlich über das erste Aufeinandertreffen in Liga zwei.

Werder Bremen in Dresden: Dynamo-Fan Lars Lukas Mai trifft auf Bruder Sebastian

Zweimal ist Mai schon auf Mai getroffen, doch das war in der 3. Liga. Sebastian spielte noch für den Halleschen FC, Lars Lukas Mai, genannt Lasse, noch für die U23 des FC Bayern. Beide Spiele gewann der jüngere Bruder, beim ersten Duell erzielte Lasse sogar das 2:1-Siegtor. Gegen eine Wiederholung am Sonntag, „hätte ich nichts einzuwenden, mein Bruder sicher schon“, lacht der Werder-Mai, „dass er beide Spiele gegen mich verloren hat, kratzt ihn. Er wird mir am Sonntag zeigen wollen, dass er gegen mich auch gewinnen kann.“

Einst hat Lasse Mai mit seinem Bruder in einem Umfeld gelebt, in dem Schwarz und Gelb, die Farben von Dynamo Dresden, dominierten. Vater Lars (51) saß von 2013 bis 2017 im Aufsichtsrat des Clubs, die Jungs spielten in Kindheit und Jugend in der Nachwuchsabteilung. „Bei mir in der Familie gibt es nur Dynamo-Fans – mein Vater, mein Bruder, meine Schwester“, berichtet der Wahl-Bremer. Er verließ die SG Dynamo und die Heimat schon mit 14 Jahren, um sich beim FC Bayern zum Profi-Fußballer ausbilden zu lassen. Alleine ging er nach München, die Familie blieb in Dresden. Und in all den Jahren „ist dort immer mein Anker“ gewesen, sagt er: „Ich verbringe meine freie Zeit immer dort, besuche meine Familie, so oft es geht. Ich genieße das einfach.“ Allerdings liegt auch eine traurige Familienzeit hinter ihm. Im vergangenen Jahr erlag die Mutter der beiden Profis einem langen Krebsleiden. Sebastian widmete ihr im Sommer den Dynamo-Aufstieg in die 2. Liga, Lars Lukas denkt vor dem Spiel des SV Werder Bremen am Sonntag natürlich auch an sie: „Sie schaut uns jetzt von oben zu und drückt sicher uns beiden die Daumen.“

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Werder Bremen: Lasse Mai und die volle Ladung Gefühle beim Bruder-Duell in Dresden

Die Erinnerung an die Mutter spielt am Sonntag gewiss mit, genauso wie viele andere Emotionen. Für beide Mai-Brüder war es schon immer der Traum, für Dynamo im Rudolf-Harbig-Stadion zu spielen. Für Sebastian ging er mit dem Wechsel vor einem Jahr in Erfüllung, Lars Lukas kommt nun als Gegner. Nicht das erste Mal übrigens. Mit Darmstadt 98 (und Trainer Markus Anfang) spielte er im Dezember 2020 im DFB-Pokal schon bei Dynamo Dresden, gewann in der zweiten Runde mit 3:0. Doch es fehlte nicht nur der damals am Knie verletzte Bruder, sondern auch das Publikum. Am Sonntag wird alles anders, die volle Ladung Gefühle für Lasse Mai. Und die Vorfreude ist beim Abwehrspieler des SV Werder Bremen grenzenlos: „Ich freue mich schon riesig auf den Moment, wenn ich den Platz betrete, mich umschauen und die Fans sehen werde.“ Aber klar: Als Gegner wird es sehr speziell. Mai: „Die Fans dort sind unglaublich laut. Wenn man gegen Dynamo spielt, dann spielt man gegen zwölf Mann. Die Mannschaft wird von den Fans getragen.“

Bislang hat der U21-Nationalspieler dieses Dresden-Flair nur als mitgerissener Zuschauer erlebt, als mitfiebernder Fan. Als Beteiligter auf dem Platz (wo Lars Lukas Mai in der Werder-Aufstellung als Toprak-Vertreter vermutlich wieder den Vorzug vor Marco Friedl bekommt) wird es ganz anders werden, das ist dem Heimkehrer völlig klar. Die Emotionen auszublenden, wird nicht leicht, gehört aber zu seinem Job: „Ich spiele jetzt für Werder Bremen und konzentriere mich voll darauf, dass ich für den Verein alles geben werde. Da ist es egal, dass mein Lieblingsclub mit meinem Bruder auf der anderen Seite steht. Wenn der Anpfiff ertönt, heißt es: Kämpfen für Werder.“ Irgendwann, in einigen Jahren, vielleicht zum Ende der gerade gestarteten Karriere möchte Lars Lukas Mai dann wieder im schwarz-gelben Dynamo-Trikot stecken. „Das ist natürlich ein Traum von mir“, sagt er. Perfekt wäre es, wenn dann auch Sebastian noch zum Team gehören würde: „Aber das ist unwahrscheinlich, der Altersunterschied ist doch zu groß.“ (csa) Auch interessant: So seht Ihr das Zweitliga-Spiel Werder Bremen gegen Dynamo Dresden live im TV und im Live-Stream! Und: Verfolgt Werder Bremen gegen Dynamo Dresden im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Das Bruderduell zwischen Lars Lukas und Sebastian Mai

Lars Lukas Mai: Im Alter von 14 Jahren wechselte er in die Jugendabteilung des FC Bayern München, feierte dort im April 2018 mit zwei Bundesliga-Einsätzen sein Profi-Debüt. 2020 spielte er eine Saison auf Leihbasis bei Darmstadt 98, seit dieser Spielzeit ist er an Werder verliehen. Mai ist U21-Europameister.

Sebastian Mai: 2013 und damit ein Jahr vor seinem sechs Jahre jüngeren Bruder verließ er Dynamo Dresden, wo er bis dahin nur in der zweiten Mannschaft spielte. Der Chemnitzer FC, FSV Zwickau, Preußen Münster und der Hallesche FC waren die weiteren Stationen – 3. Liga und Regionalliga. Im Sommer 2020 kehrte er nach Dresden zurück, feierte mit dem Aufstieg in die 2. Liga sein Karriere-Highlight. Mai ist Kapitän der SG Dynamo.

Die Duelle: Zweimal trafen die Mai-Brüder bislang aufeinander. Im August 2019 gewann Lars Lukas mit dem FC Bayern II beim Halleschen FC gegen Sebastian mit 2:1. In der Rückrunde hieß es 6:1. 

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