Werder Bremen gegen den BVB: Florian Kohfeldt und Edin Terzic geben taktische Anweisungen.
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Werder Bremen gegen den BVB: Florian Kohfeldt und Edin Terzic geben taktische Anweisungen.

1:2-Niederlage am 12. Bundesliga-Spieltag

Taktik-Analyse: Mehr Tiefe, trotzdem verloren - Werders Auftritt gegen den BVB

Bremen - Man kann Trainer Florian Kohfeldt nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Trotz einiger personeller wie taktischer Wechsel konnte Werder Bremen die Negativserie auch gegen Borussia Dortmund nicht durchbrechen. Der BVB gewann vor allem aufgrund seiner individuellen Überlegenheit, meint unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Aus taktischer Sicht gibt es wenig Unerfreulicheres, als auf einen Gegner zu treffen, der gerade den Trainer gewechselt hat. Wie soll man sich angemessen auf ein Team vorbereiten, das unter dem neuen Trainer noch kein einziges Spiel bestritten hat? Werder Bremen hatte es im Spiel gegen Borussia Dortmund doppelt schwer: Für deren Interimscoach Edin Terzic war die Partie in Bremen das erste Pflichtspiel als Chef. Welche Philosophie er verfolgt? Das konnte Werder allenfalls raten.

Werder Bremen mit Fünferkette gegen den BVB

Für Florian Kohfeldt war die Partie also eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Er entschied sich, die taktische Formation der vergangenen Wochen etwas zu verändern. Werder Bremen begann zwar erneut mit einer Fünferkette, stellte sich im Mittelfeld jedoch neu auf: Hier bildeten Kevin Möhwald, Maximilian Eggestein und Jean-Manuel Mbom ein Dreier-Mittelfeld. Yuya Osako und Joshua Sargent agierten als Doppelsturm davor. Bremen agierte also aus einer 5-3-2-Formation. Diese ist besonders dafür geeignet, das Zentrum zu kontrollieren. Die drei Sechser sorgen zusammen mit der Dreierkette für eine hohe Kompaktheit in dieser Zone. Auf den Flügeln sind die Außenverteidiger auf sich allein gestellt, sofern sie nicht Unterstützung von den Achtern erhalten.

Die Grafik zeigt (endlich mal wieder nach langer Zeit) Bremens Offensivspiel. Eggestein und Mbom rückten mit an die letzte Linie und sorgten für Tiefe. Möhwald rückte geschickt nach, sobald der Gegner nach hinten gedrückt wurde.

Diese Unterstützung erhielten sie. Dass die Achter sich umtriebig zeigen sollten, war das Bremer Leitmotiv für die Partie gegen Dortmund. Eggestein durfte erstmals seit längerer Zeit wieder in einer offensiveren Rolle agieren. Er rückte häufig auf den Flügel heraus. Mbom hatte wiederum die Aufgabe, Tiefe zu schaffen. So rückte er bei eigenem Ballbesitz vor an die letzte Linie, während sich Osako fallenließ. So wollte Werder Bremen Tiefe schaffen.

Borussia Dortmund gegen Werder Bremen überraschend defensiv

Tatsächlich wirkte das Offensivspiel der Bremer wesentlich spritziger als zuletzt. Kohfeldt ging mit seiner Aufstellung das Grundproblem der vergangenen Spiele an: Es mangelte dort an Tiefe im Angriffsspiel, viele Angriffe versandeten mangels Anspielstation bereits im Aufbau. Diesmal waren die Bremer sowohl in der Breite als auch in der Spitze variabler.

Durchschlagskraft konnten sie dadurch zunächst nicht erzeugen. Das lag nicht zuletzt am Gegner: Der BVB begann die Partie überraschend passiv. Obwohl die Bremer als Außenseiter in die Partie gegangen waren, hatten sie bis zum zwischenzeitlichen 1:1-Treffer mehr Ballbesitz. Dortmund baute sich in einem defensiven 4-1-4-1-System auf. Stürmer Youssouffa Moukoko nahm Innenverteidiger Ömer Toprak in Manndeckung, sodass der Spielaufbau über den schwächeren Christian Groß laufen musste. Der BVB lauerte auf Konter und versuchte, mit schnellen Angriffen über den Flügel vor das Bremer Tor zu gelangen. So erzielte er das zwischenzeitliche 1:0.

Die Verbesserungen in Bremens Offensive zeigten sich nach dem Rückstand. Ihnen gelang es, sich in die gegnerische Hälfte zu kombinieren und dort festzusetzen. Das 1:1 war exemplarisch: Werder Bremen besetzte den gegnerischen Strafraum mit mehreren Spielern und drückte so die gegnerische Viererkette nach hinten. Möhwald rückte als Sechser ebenfalls auf und postierte sich im freien Rückraum. Der Treffer zum 1:1 war vielleicht sogar das am besten herausgespielte Bremer Tor dieser Saison.

Individuelle Klasse des BVB für Werder Bremen zu groß

Auf taktischer Ebene konnte Werder mit den uninspiriert auftretenden Dortmundern mithalten. Auf individueller Ebene war allerdings ein Klassenunterschied zu erkennen. Am deutlichsten wurde dies, wenn Osako oder Sargent ins Eins-gegen-Eins-Duell mit Mats Hummels gehen mussten. Sie verloren es praktisch immer. Das sorgte letztlich dafür, dass die verbesserten Abläufe in der gegnerischen Hälfte zu selten zu Torgelegenheiten führten. Der BVB sorgte auch recht geschickt dafür, dass die individuellen Vorteile zur Geltung kamen. Im Mittelfeld wiederum suchte der BVB häufig das Eins-gegen-Eins-Duell in dem Wissen, hier ein fußballerisches Übergewicht zu haben.

So hatte Dortmund zwar keine systematische Überlegenheit; der Ballbesitz-Wert blieb bis zum Schluss ausgeglichen. Sie konnten aber über ihre schiere individuelle Klasse und ihre Grundstabilität im 4-1-4-1 das Spiel für sich entscheiden. Es half nichts, dass Kohfeldt kurz vor Schluss noch auf eine Viererkette und eine offensive Raute umstellte. Der BVB entschied die Partie gegen den SV Werder Bremen routiniert für sich.

Positive Schritte bei Werder Bremen

Trotz der 1:2-Niederlage fällt das Fazit nicht rein negativ aus. Defensiv stand Werder Bremen gewohnt stabil. Wichtiger ist jedoch, dass die Mannschaft auch offensivtaktisch leichte Fortschritte gemacht hat. Diese Facette dürfte am kommenden Wochenende doppelt wichtig werden, wenn das richtungsweisende Spiel gegen den FSV Mainz 05 ansteht. Die Mainzer werden Bremen ungleich defensiver begegnen als die vergangenen Gegner. Kohfeldt wird Lösungen in der Offensive präsentieren müssen. Das Spiel gegen den BVB war der erste Schritt.

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