Tobias Werner gestikuliert mit der rechten Hand
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Als Spieler war Tobias Werner ein Schreckgespenst für den SV Werder Bremen, jetzt trifft er als Manager von Carl Zeiss Jena im DFB-Pokal auf seinen Lieblingsgegner.

Vor erster DFB-Pokal-Runde in Jena

Warum Jena-Chef Tobias Werner den SV Werder Bremen so gerne mag

Jena – Werder-Schreck? Es gab eine Zeit, in der Tobias Werner diesen Titel absolut verdient hatte. Zwischen 2012 und 2015 gelangen ihm in sechs Partien mit dem FC Augsburg gegen Werder Bremen fünf Tore.

Der Mann weiß also, wie man Werder Bremen ärgert. Mittlerweile stürmt er aber nicht mehr, sondern zieht als Sportdirektor die Strippen beim FC Carl Zeiss Jena, dem Bremer Gegner in der ersten DFB-Pokal-Runde (Samstag, 20.45 Uhr). Der gebürtige Thüringer hat bei diesem Job in seiner alten Heimat schon Akzente gesetzt. Die DeichStube sprach mit dem 35-Jährigen, der sich sogar in seiner Familie umhören kann, wenn er Infos über Werder einholen will.

Lieblingsgegner Werder Bremen – trifft das für Sie zu, Tobias Werner?

Es trifft definitiv zu, was die Meisterschaft betrifft. Als Spieler in Augsburg habe ich gegen Werder tolle Partien erlebt, wir haben auch häufig erfolgreich abgeschnitten.

Aber nicht im DFB-Pokal. 2009/10 ist der FCA im Halbfinale im Weserstadion gescheitert. Sie hatten die Partie damals zwar verpasst, sinnen sie am Samstag dennoch auf Revanche?

So würde ich es nicht nennen, doch ich freue mich auf dieses Spiel in unserem Stadion.

Auch weil Sie persönlich als der Werder-Schreck gelten?

Ganz so drastisch würde ich es nicht ausdrücken. Doch ich weise gegen diesen Gegner eine ganz gute Statistik auf. Ich glaube, ich habe einige vernünftige Spiele abgeliefert.

Gutes Understatement! Insgesamt waren es zehn Spiele gegen Werder Bremen, und immer, wenn Sie in der Startelf standen, haben Sie auch getroffen. Fünf Mal insgesamt.

Stimmt, so ist es. In den Spielen gegen Werder habe ich die meisten Tore geschossen, die beste Quote bei meinen Bundesliga-Treffern.

Werder Bremen im DFB-Pokal: Carl Zeiss Jena will über sich hinauswachsen

Der FC Carl Zeiss Jena ist in der vergangenen Saison aus der Dritten Liga abgestiegen, danach wurde die Mannschaft neu formiert. Was rechnen Sie sich gegen Werder Bremen aus?

Ich erwarte eine spannende und enge Auseinandersetzung. Und jeder weiß, wie es im Pokal laufen kann. Ich hoffe, dass wir gegenhalten und vielleicht sogar über uns hinauswachsen können. Ich bin jedenfalls frohen Mutes.

Ihre Mannschaft ist nicht so optimal in die Saison gestartet, hat erst am fünften Spieltag gegen Hertha BSC II den ersten Sieg gelandet. Ein Fehlstart?

Nein, die Punktausbeute ist mit sechs Zählern bislang nicht ideal. Aber wir haben gute Leistungen gezeigt, uns leider nicht belohnt, weil individuelle Fehler bessere Resultate verhindert haben. Nun kommen wir immer besser in Schuss. Mir ist nicht angst und bange. Wir werden eine erfolgreiche Saison spielen.

In Jena steht nach dem Abstieg ein Neuaufbau an. Ihr Verein gilt neben Chemnitz und Altglienicke trotzdem als Topfavorit in der Regionalliga. Sehen Sie dies auch so?

Die Regionalliga Nordost ist eine sehr ausgeglichene Spielklasse, in der aktuell Viktoria Berlin ungeschlagen die Tabellenspitze anführt. Es ist eine noch sehr lange Spielzeit, in der wir vorne mitmischen wollen und auch können.

Werder Bremen-Gegner Carl Zeiss Jena: Tobias Werner - nach der aktiven Karriere schnell ins Management

Sie sind im Mai als Sportdirektor in Jena eingestiegen. Hatten Sie so schnell nach dem Ende der aktiven Laufbahn mit einem Job im Management der Fußballbranche gerechnet?

Ich hatte mich zwar gut vorbereitet auf die Zeit nach der Spielerkarriere. Aber so schnell ins Management einzusteigen, davon konnte ich nicht ausgehen. Ich bin froh, dass ich diese Chance in Jena bekommen habe. Parallel bilde ich mich auch jetzt noch weiter, möchte an einer ausländischen Fernuniversität meinen MBA (Master of Business Administration, d. Red.) im Sportmanagement abschließen.

Zu Ihrer Ausbildung gehörte auch ein Trainee-Programm beim FC Augsburg. Was haben Sie dort von Manager Stefan Reuter gelernt?

Ich habe einen kompletten Einblick bekommen, wie der ganze Laden bei einem Proficlub läuft. Ich konnte viel mitnehmen für meinen neuen Job. Dabei habe ich neue Sichtweisen gewonnen. Vieles ist extrem wichtig in einem Fußballclub, nicht nur das Sportliche. Als Spieler bekommt man das alles nicht so mit. Es war eine optimale Lehrzeit für mich.

Sie sind Thüringer, in Gera geboren. Da passt die Stelle und der Standort Jena offenbar ausgezeichnet.

Zurück in die Heimat, nachdem ich zwölf Jahre in Augsburg ein zweites Zuhause gefunden hatte. Dort habe ich meine Familie aufgebaut, ich bin dankbar für diese Zeit. In Jena passt alles, besser hätte ich es nicht treffen können.

Szenen wie diese gab es öfters: Tobias Werner bejubelt ein Tor für den FC Augsburg gegen Werder Bremen.

Carl Zeiss Jena-Boss Tobias Werner: „Werder Bremen wird eine bessere Saison spielen“

Als eine der ersten Amtshandlungen mussten Sie einen neuen Trainer verpflichten. Die wichtigste Personalie?

Definitiv, ich bin glücklich, Dirk Kunert geholt zu haben. Einen qualifizierten Trainer, mit dem ich gut harmoniere.

Wie haben Sie in der letzten Spielzeit den Pokalgegner Werder Bremen gesehen?

Die Mannschaft ist den eigenen Erwartungen nicht gerecht geworden. Zum Glück konnte sie die Klasse halten. Es ist wichtig für Bremen, es ist wichtig für die Liga, dass Werder drin geblieben ist. Das hat mich gefreut.

Was trauen Sie Werder in der neuen Saison zu?

Sie werden besser spielen als zuletzt, sie haben Veränderungen vorgenommen und sind voller Tatendrang. In der Vorbereitung lief es glänzend. Werder wird eine bessere Saison spielen.

Kennen Sie Werder-Trainer Florian Kohfeldt persönlich?

Leider nein. Doch ich bin gut informiert über ihn. Maurice Hehne, mein Schwager, hat im Werder-Nachwuchs gespielt und mir berichtet (Hehne spielt jetzt beim FSV Zwickau, d. Red.). Auch mit Clemens Fritz oder Kevin Möhwald habe ich mich über Kohfeldt unterhalten. Ich habe nur Gutes gehört. Mit seiner erfrischenden Art tut ein junger Trainer wie Florian Kohfeldt der Bundesliga gut.

Zur Person: Tobias Werner

Der FC Carl Zeiss Jena und der DFB-Pokal - die ganz großen Erfolgsgeschichten sucht man da vergeblich. Das beste Ergebnis war der Einzug ins Halbfinale in der Saison 2007/08. Tobias Werner gehörte damals zum Team, ebenso ein Stürmer, der später via Werder Bremen Karriere machte: Nils Petersen. Beide waren im Internat des dreifachen DDR-Meisters ausgebildet worden.

Gemeinsam verpassten sie 2008 mit dem damaligen Zweitligisten das Endspiel. Im Halbfinale setzte es bei Borussia Dortmund eine 0:3-Niederlage. Nach der Saison zog Werner weiter zum FC Augsburg, blieb acht Jahre, spielte anschließend eine Saison beim VfB Stuttgart, dann noch eine beim 1. FC Nürnberg, wo die aktuellen Werder-Profis Kevin Möhwald und Patrick Erras seine Teamkollegen waren. Beim VfB Stuttgart II ließ Werner die Karriere ausklingen – 2019 war Schluss.

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