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Werder-Sportchef Frank Baumann (re.) erinnert sich nicht gerne an die verlorenen Spiele im DFB-Pokal gegen unterklassige Mannschaften.

Weißt du noch damals…?

Nouri schlägt Baumann im Pokal

Bremen - Strahlend weißes Hemd, graue Hose, der eine mit Jackett, der andere ohne. Aber schnieke sahen Frank Baumann und Alexander Nouri bei der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers beide aus.

Seite an Seite saßen sie auf dem Podium im Mediensaal des Weserstadions und sprachen über die Besonderheiten der Partie am Samstag. Underdog trifft auf Bundesligist – Baumann und Nouri kennen diese Konstellation aus der eigenen aktiven Karriere bestens.

Allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven. Während Sportchef Baumann als Spieler und Kapitän des SV Werder zweimal den DFB-Pokal gewann (2004 und 2009) und in ersten Pokalrunden stets als Favorit antrat, bekam Alexander Nouri nie auch nur eine Hand an den Pott. Er war der, der zuerst mit Werder II, dann mit dem KFC Uerdingen und dem VfL Osnabrück sowie einmal auch mit Holstein Kiel immer als Kleiner gegen die Großen antreten durfte. 

Nouri kennt das Feuer in Pokalspielen

Dass ihm dabei auch zwei große Überraschungen gelangen, hilft heute, um seinen Spielern glaubhaft erklären zu können, was in einem Spieler aus Liga drei, vier oder fünf vor sich geht, wenn er gegen Bundesliga-Stars antreten darf: „Ich kenne diese Situationen und weiß, wie man sich in diesen Situationen fühlt. Man ist bereit, über sich hinauszuwachsen und alles aus sich herauszuholen.“ Dieses Feuer brenne bei DFB-Pokalspielen immer in den Herzen der Außenseiter und mache „den besonderen Charakter“ dieser Spiele aus, meint Nouri.

Manchmal führt dieses Feuer zu phantastischen Ergebnissen. So wie am 27. November 2001. An diesem Tag traf Regionalligist KFC Uerdingen 05 mit Alexander Nouri in der Startelf in der zweiten Pokalrunde auf den SV Werder. Und für die Bremer stand nicht nur Frank Baumann auf dem Platz, sondern auch noch sieben weitere Spieler, die zweieinhalb Jahre später das Double gewinnen sollten. Doch in der Krefelder Grotenburg war davon noch nichts zu erahnen. Werder spielte schlecht, einfach nur schlecht. Und beim KFC loderten die Pokalflammen. Nouri: „Es war ein langer und zehrender Kampf.“ Den Uerdingen schließlich mit 5:4 nach Elfmeterschießen gewann.

Für Alexander Nouri, damals gerade 22 Jahre alt, mag das Spiel so etwas wie sein persönlicher Griff an den Pott gewesen sein. Vor der aktuellen Bremer Aufgabe gegen die Würzburger Kickers dient es aber allenfalls noch als eines von vielen mahnenden Beispielen, was passiert, wenn der Erstligist nicht alles gibt. Oder aber für Nouri als Instrument, um den Vorgesetzten Baumann zu necken. Motto: Weißt du noch damals…?

Seit 2011: Vier Pokal-Blamagen für Werder

Nein, Baumann weiß nicht. Oder besser will nicht wissen. Will nicht an Uerdingen denken und auch nicht an eine der anderen frühen Bremer Pokal-Pleiten aus der jüngeren Vergangenheit. Vier Mal hat sich Werder in den Jahren von 2011 bis 2016 in der ersten Runde gegen Drittligisten blamiert – zuletzt gegen die Sportfreunde Lotte. Es war für den gerade ins Amt gehüpften Baumann das erste Pflichtspiel als Sportdirektor.

Alexander Nouri bezwang Werder mit dem KFC Uerdingen im November 2001 in der zweiten Runde des DFB-Pokals.

Dass es mit 1:2 verloren ging und sich zudem auch noch Max Kruse schwer verletzte, sei einerseits zwar „abgehakt“, behauptet Baumann, „aber auch noch so präsent, dass wir es diesmal besser machen wollen“. Generell hält der 41-Jährige aber nur wenig davon, den Spielern von heute die Misserfolge oder Erfolg von gestern und vorgestern vorzuführen: „Ich mag nicht in der Vergangenheit wühlen.“

Alexander Nouri hat in dem 27. November 2001 einen sehr guten Grund, das anders zu sehen. Bevor Werder dran glauben musste, hatte er damals mit Uerdingen in Energie Cottbus bereits einen Erstligisten ausgeschaltet. Und mit dem VfL Osnabrück warf er 2006 in Runde zwei Borussia Mönchengladbach aus dem Wettbewerb. „Da waren schon ein paar Überraschungen dabei“, sagt der 37-Jährige beim Gedanken an seine 13 DFB-Pokalpartien. In seiner ersten als Cheftrainer des SV Werder könnte er am Samstag allerdings sehr gut auf eine verzichten.

Alexander Nouri: Seine Karriere in Bildern

Bereits im Jugendbereich lief Alexander Nouri für Werder Bremen auf. Dort schaffte er es in die deutsche U16-Nationalmannschaft und nahm 1996 sogar an der EM in Österreich teil.
Bereits im Jugendbereich lief Alexander Nouri für Werder Bremen auf. Dort schaffte er es in die deutsche U16-Nationalmannschaft und nahm 1996 sogar an der EM in Österreich teil. © imago
Bis 2001 spielte der heutige Bremer Chefcoach für die Amateurmannschaft an der Weser und war zwischenzeitlich für wenige Monate an Seattle Sounders ausgeliehen.
Bis 2001 spielte der heutige Bremer Chefcoach für die Amateurmannschaft an der Weser und war zwischenzeitlich für wenige Monate an Seattle Sounders ausgeliehen. © nordphoto
Nouri verließ die Hanseaten für den KFC Uerdingen, wo er drei Jahre in der Regionalliga Nord kickte.
Nouri verließ die Hanseaten für den KFC Uerdingen, wo er drei Jahre in der Regionalliga Nord kickte. © imago
Anschließend wechselte er zum VfL Osnabrück. 2007 schaffte er mit dem Klub den Aufstieg in die Zweite Liga...
Anschließend wechselte er zum VfL Osnabrück. 2007 schaffte er mit dem Club den Aufstieg in die Zweite Liga... © nordphoto
...und erzielte in insgesamt 93 Pflichtspielen neun Treffer für den VfL.
...und erzielte in insgesamt 93 Pflichtspielen neun Treffer für den VfL. © nordphoto
Nach vier Jahren in Osnabrück zog es Nouri zu Holstein Kiel, wo er zwei weitere Spielzeiten verbrachte.
Nach vier Jahren in Osnabrück zog es Nouri zu Holstein Kiel, wo er zwei weitere Spielzeiten verbrachte. © imago
2010 wechselte der gebürtige Buxtehuder zum VfB Oldenburg, wo er 2012 seine Karriere als aktiver Spieler beendete und seine Laufbahn als Trainer startete.
2010 wechselte der gebürtige Buxtehuder zum VfB Oldenburg, wo er 2012 seine Karriere als aktiver Spieler beendete und seine Laufbahn als Trainer startete. © imago
Zur Saison 2014/15 kehrte Nouri nach Bremen zurück. Zunächst war er Co-Trainer der U23, dann wurde er befördert und übernahm als Cheftrainer die volle Verantwortung.
Zur Saison 2014/15 kehrte Nouri nach Bremen zurück. Zunächst war er Co-Trainer der U23, dann wurde er befördert und übernahm als Cheftrainer die volle Verantwortung. © nordphoto
Noch in der gleichen Spielzeit führte Nouri Werders Reservemannschaft in die Dritte Liga. Von seinen Spielern wurde er dafür gefeiert.
Noch in der gleichen Spielzeit führte Nouri Werders Reservemannschaft in die Dritte Liga. Von seinen Spielern wurde er dafür gefeiert. © nordphoto
Sein Aufstieg als Trainer ging weiter: Nach dem dritten Spieltag der Saison 2016/2017 wurde bei den Profis Viktor Skripnik als Coach. Nouri übernahm zunächst als Interimstrainer.
Sein Aufstieg als Trainer ging weiter: Nach dem dritten Spieltag der Saison 2016/2017 wurde bei den Profis Viktor Skripnik als Coach. Nouri übernahm zunächst als Interimstrainer. © nordphoto
Der emotionale Nouri baute nicht nur Strukturen um, sondern brachte auch neue Leidenschaft in die Mannschaft von der Weser.
Der emotionale Nouri baute nicht nur Strukturen um, sondern brachte auch neue Leidenschaft in die Mannschaft von der Weser. © nordphoto
Die Belohnung: Anfang Oktober wurde der 37-Jährige zum Cheftrainer befördert. Als Co-Trainer stehen ihm Florian Bruns und Markus Feldhoff zur Seite.
Die Belohnung: Anfang Oktober wurde der 37-Jährige zum Cheftrainer befördert. Als Co-Trainer stehen ihm Florian Bruns und Markus Feldhoff zur Seite. © nordphoto
Die Zeiten blieben aber schwierig. Werder verlor die ersten vier Spiele nach dem Jahreswechsel und stürzte erneut auf den Relegationsplatz. Nouris Job stand stand arg auf der Kippe.
Die Zeiten blieben aber schwierig. Werder verlor die ersten vier Spiele nach dem Jahreswechsel und stürzte erneut auf den Relegationsplatz. Nouris Job stand stand arg auf der Kippe. © nordphoto
Doch dann starteten die Bremer eine nicht für möglich gehaltene Erfolgsserie. Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai 2017 blieb Werder in elf Spielen in Folge ungeschlagen, gewann neun davon - und ging voll auf Kurs Europa League. Nouri saß plötzlich ganz fest im Sattel.
Doch dann starteten die Bremer eine nicht für möglich gehaltene Erfolgsserie. Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai 2017 blieb Werder in elf Spielen in Folge ungeschlagen, gewann neun davon - und ging voll auf Kurs Europa League. Nouri saß plötzlich ganz fest im Sattel. © nordphoto
Alexander Nouri
Der Werder-Trainer hatte auch mehrfach das Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit politisch zu positionieren. Nouri zeigte US-Präsident Donald Trump für ein verhängtes Einreiseverbot die "Rote Karte". Und sagte bei einer Pressekonferenz: "Ich habe nichts gegen das Wort Europa - ich bin ja nicht die AfD." © nordphoto
Alexander Nouri
Am Ende der Spielzeit 2016/17 verpasste Werder die Europa Laague aber ganz knapp als Tabellen-Achter. © nordphoto
In der Folgesaison konnte Werder in den ersten zehn Pflichtspielen keinen Sieg einfahren. Die Folge: Trainer Nouri wurde am 30. Oktober 2017 vom Verein freigestellt.  © 
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