+
Christian Groß gab beim Auswärtssieg von Werder Bremen gegen Union seine Startelf-Premiere in der Bundesliga.

Nach Startelf-Debüt gegen Union Berlin

Groß bleibt „definitiv“ bei den Profis - zumindest bis Winter

Berlin – Er hatte schon einen Moment lang gewartet, den Ausführungen des Kollegen mit vor der Brust verschränkten Armen zugehört, als es Christian Groß, Verteidiger von Werder Bremen, dann doch etwas zu bunt wurde.

„Lücke, hör' auf so viel zu quatschen! Ich muss auch noch und will nach Hause“, ließ Christian Groß seinen Mitspieler Niclas Füllkrug - immerhin den Siegtorschützen während des hart erkämpften 2:1-Erfolgs von Werder Bremen bei Union Berlin - mit einem breiten Lächeln wissen, ehe er den Journalisten kurz darauf selbst Rede und Antwort stand.

Ganz selbstverständlich wirkte das, sowohl das Feixen mit Füllkrug als auch das kurze Interview in den Katakomben der Alten Försterei, dabei ist es für Christian Groß genau das nicht: selbstverständlich. Im zarten Alter von 30 Jahren hatte er zuvor sein Bundesliga-Startelf-Debüt gefeiert, es als Innenverteidiger insgesamt gut gemacht, dem Fußball-Sommer seines Lebens damit ein weiteres Kapitel hinzugefügt – und bei Werder einmal mehr alle staunen lassen.

Werder Bremen: Lob für Christian Groß nach Startelf-Debüt

„Er hat grandios gespielt“, schwärmte etwa Trainer Florian Kohfeldt, während Sportchef Frank Baumann zunächst nur ein Wort benutzte, um Groß' Auftritt zu bewerten und dieses Wort dann dramaturgisch für einen kurzen Augenblick so stehen ließ: „Top.“ Souverän und ruhig waren danach zwei weitere Adjektive, die Baumann fallen ließ, die sich Groß während der Partie zuvor auch redlich verdient hatte.

Zwei Tage vor dem Spiel hatte sich in Kapitän Niklas Moisander nach Ömer Toprak, Sebastian Langkamp und Milos Veljkovic auch der vierte etatmäßige Innenverteidiger im Kader verletzt abgemeldet, weshalb U23-Kapitän Groß wieder gebraucht wurde, dieses Mal vielleicht sogar mehr denn je. „Ich weiß natürlich, warum ich heute gespielt habe“, sagte Groß, „so ehrlich muss ich sein, aber ich habe auch immer gesagt, dass ich da bin und mich freue, wenn ich helfen kann.“ Das konnte er, auch wenn der Nachmittag für ihn denkbar schlecht losgegangen war.

Christian Groß darf bei den Werder-Profis bleiben - zumindest bis Winter

In der elften Minute verursachte Groß den Handelfmeter, der Union den schnellen Ausgleich einbrachte. Eine unglückliche Aktion, keine Frage, ein grober Fehler allerdings nicht. „Da kann ich ihm keinen Vorwurf machen“, sagte Kohfeldt. Bis zur Halbzeitpause war Groß in der Folge anzumerken, dass er sich von der Szene erholen muss, Unsicherheit schlich sich in sein Spiel. Er legte sie aber nach und nach ab und trug mit gelungenen Aktionen seinen Teil dazu bei, dass Werder Bremen die Abwehrschlacht in der Schlussphase überstand. „Wie er gespielt hat, war überragend, so abgezockt“, betonte Füllkrug – und hielt fest: „Wir haben jetzt hinten eine Option mehr, das hat er bewiesen.“

Und tatsächlich planen sie bei Werder nun mindestens bis Winter mit Christian Groß als Teil des Profikaders. „Er bleibt definitiv, weil er uns durch seine Flexibilität und durch die Art, wie er solche Situationen annimmt, hilft. Er ist ein sehr guter Kaderspieler für die Bundesliga, das nehmen wir dankend mit“, sagte Baumann. Kohfeldt betonte: „Er hat mich in diesem Sommer wirklich überrascht und bleibt jetzt in der Trainingsgruppe.“

Werder Bremen: Christian Groß erlebt sein eigenes Fußballmärchen

Um den Kader aufzufüllen hatte der Coach Christian Groß im Juli mit ins erste Trainingslager genommen, „weil er uns eine gewisse Trainingsqualität garantiert und weil wir nicht bei einem jungen Spieler unnötige Erwartungen wecken wollten.“ Seitdem ist der Defensivspieler, ein gebürtiger Bremer übrigens, dauerhaft dabei, sammelt Einsatz um Einsatz und sagt: „Man kann es schon Fußballmärchen nennen. Ich lebe gerade ein bisschen meinen Traum.“

Zum Trophäensammler ist Christian Groß deshalb allerdings nicht geworden. Sein Trikot aus dem DFB-Pokalspiel gegen Atlas Delmenhorst schenkte er seiner Mutter, das aus Berlin bekam nun der beste Freund. „Er wollte es gar nicht, aber unsere Freundschaft ist so gut, dass er es sich verdient hat“, sagte Groß. Und auch das klang wieder vollkommen selbstverständlich. (dco)

Mehr News zu Werder Bremen

Es war ein verrücktes Spiel in Berlin: Turbulenzen ohne Ende und Schiedsrichter-Ärger – was Werder Bremen aufregt und was nicht. Derweil können die Grün-Weißen inmitten der Personalnot aufatmen: Yuya Osako ist nicht verletzt. Insgesamt war der Sieg von Werder Bremen gegen Union Berlin einer gegen alle Widerstände - ein Stahlbad bei den Eisernen. Derweil ist Werder Bremen Letzter im Fairplay-Ranking der Bundesliga und damit die derzeit „unfairste Mannschaft“.

Zur letzten Meldung vom 5. September 2019:

Werder-Coach Florian Kohfeldt über Christian Groß: „Vielleicht etwas Unrecht getan“

Drei Minuten Bundesliga, viel Spielzeit ist das nicht. Und dennoch: Für Christian Groß stellten diese drei Minuten am vergangenen Sonntag einen späten Karriere-Meilenstein dar. Während des Heimspiels von Werder Bremen gegen den FC Augsburg wurde er in der Nachspielzeit eingewechselt. 

Christian Groß kam somit im Alter von 30 Jahren zu seinem Debüt in Deutschlands Fußball-Oberhaus. „Geiler Typ, oder?“, schmunzelte Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach der Partie. „Es freut mich sehr für ihn, seine Einwechslung war aber kein Geschenk.“ Vielmehr benötigte Werder Bremen den U23-Kapitän Groß, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. 

Und dass der gebürtige Bremer helfen kann, hatte er bereits während des kompletten Sommers bewiesen. Wegen Personalnot in der Abwehr mit ins erste Trainingslager, ins zweite dann auch, dann plötzlich das Debüt im Weserstadion während des Testspiels gegen Everton, dann das DFB-Pokalspiel gegen Atlas Delmenhorst – und nun eben die Bundesliga. Beim Blick auf Christian  Groß ebenso überraschenden wie überzeugenden Aufstieg wirkte das fast folgerichtig. 

Werder Bremen: Florian Kohfeldt verzichtete zunächst auf die Dienste von Christian Groß

Auch wenn es selbst Trainer Florian  Kohfeldt anfangs nicht für möglich gehalten hätte. „Ich weiß nicht, ob ich ihm in den vergangenen Wochen nicht vielleicht etwas Unrecht getan habe“, räumte der Coach ein. „Wenn wir Entscheidungen getroffen haben, Positionen zu besetzen, war immer ein großes Kriterium, wer die Bundesliga schon kennt.“

Christian Groß war dann stets raus. Jetzt kennt er die Liga, wenn auch nur aus seinen drei Minuten auf dem Platz. Und wer weiß? Vielleicht kommen während des Personalnotstands in der Defensive von Werder Bremen ja noch weitere dazu. Nach dem Augsburg-Spiel sagte Kohfeldt: „Er soll jetzt erstmal den Abend genießen und ein paar Bier trinken.“ Verdient hatte sich Christian Groß das allemal. (dco)

Weitere News zu Werder Bremen

Derweil hat Trainer Florian Kohfeldt den Grund verraten, warum Werder Bremen keinen neuen Sechser verpflichtet hat: Maxi Eggestein. Der nächste Ausfall: Kevin Möhwald wird Werder Bremen monatelang verletzt fehlen, eine Rückkehr in diesem Jahr erscheint unwahrscheinlich. Die DFL hat die Spieltage 7-13 terminiert und der SV Werder Bremen darf drei Mal zur Primetime ran. 

zur letzten Meldung vom 13.08.2019:

Christian Groß überzeugt erneut - und darf weiter bei den Werder-Profis bleiben

Sein Trikot hat er nicht hergegeben, Christian Groß lehnte die Anfragen der Atlas-Spieler freundlich ab - schließlich wollte er seine Mutter nicht unglücklich machen. „Wenn ich mein Debüt-Trikot abgebe, dann bekomme ich Ärger von ihr“, scherzte der Verteidiger, für den das Pokalduell gegen Delmenhorst am Samstagabend das erste Pflichtspiel für die Profis von Werder Bremen war.

Wegen Personalnot in der Innenverteidigung hatte U23-Kapitän Christian Groß die komplette Vorbereitung mit dem Bundesliga-Kader von Werder Bremen absolviert, dabei überzeugt und nun auch im Pokal das Vertrauen bekommen. Vor 41.500 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion zu spielen - das war für den 30-Jährigen etwas ganz Besonderes. 

Werder Bremen: Christian Groß und die Gänsehaut

„Es war ein Gänsehaut-Moment. Hätte mir jemand gesagt, dass ich mit 30 Jahren ein Pflichtspiel für Werder Bremen mache, den hätte ich wahrscheinlich ausgelacht“, sagte Christian Groß, der sogar ein Tor vorbereitete - und auch nach der Verpflichtung von Ömer Toprak bis auf Weiteres bei den Profis bleiben wird. „Er hat es wieder top gemacht“, lobte Cheftrainer Florian Kohfeldt - und betonte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass er nächste Woche im Bundesliga-Kader sein wird, ist nicht gering. Es tut mir leid für die U23, aber bis auf weiteres kann ich da keinem Hoffnung machen, dass er bald zurückkommt.“ (dco)

Mehr News zu Werder Bremen

Die Verpflichtung erwies sich als ziemlich kompliziert, am Ende hat sich Ömer Toprak mit seinem Bauchgefühl für den Wechsel zu Werder Bremen entschieden. Derweil hat Frank Baumann nach dem schwierigen Toprak-Deal weitere Transfers von Werder Bremen angekündigt. Kein Thema für Werder Bremen sind allerdings Transfers von Janik Haberer und Bernardo. Und eine Legende verabschiedete sich im Spiel gegen Atlas Delmenhorst: Zeugwart Fritz Munder von Werder Bremen geht in den Ruhestand.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare