Werder-Routinier im Gespräch

Zeit nach der Karriere? Groß denkt perspektivisch - will vorher aber noch mit Werder erfolgreich sein

Zell am Ziller – Für Christian Groß ist die Reise nach Österreich stets etwas ganz Besonderes. Denn die Erinnerungen an Zell am Ziller sind nur die allerbesten. Es ist jener Ort, an dem 2019 ein ungeahnter Karriereschub begann, der den Defensiv-Allrounder nun zurück in die Bundesliga führt. „Eigentlich ist es Wahnsinn, wie ich hier damals angefangen habe, als ich nachgerückt bin“, sagt Groß noch heute. „Florian Kohfeldt hat mir erst zwei Tage vorher gesagt, dass ich mitfahre.“ Und der inzwischen 33-Jährige machte seine Sache so gut, dass er nicht nur zum Lückenfüller einer Verletztenmisere wurde, sondern sich irgendwann im hohen Fußballalter noch aus der U23 des SV Werder Bremen zu den Profis hocharbeitete. Inzwischen gehört Groß zum festen Inventar des Teams, hat eine starke Zweitliga-Saison hinter sich. Und er denkt noch lange nicht ans Aufhören.

„Das Karriereende wird irgendwann kommen, aber ich weiß nicht, wann es kommt“, betont der gebürtige Bremer. „Jetzt auf jeden Fall noch nicht. Dafür bin ich noch zu gut drauf. Ich fühle mich topfit.“ Gedanken über die Zeit nach dem aktiven Fußball macht der Defensivspieler des SV Werder Bremen sich aber trotzdem. Nicht erst seit gestern, sondern schon eine ganze Weile. Deshalb macht er sich nach eigener Aussage fleißig Notizen, führt Buch darüber, was er vor allem auf dem Platz so erlebt.

Werder Bremen-Routinier Christian Groß: „Man muss ja gucken, wo man nach der Karriere hinwill“

„Ich versuche zu nutzen, was die verschiedenen Trainer inhaltlich so machen und worauf sie wert legen. Und dann denke ich darüber nach, was ich vielleicht anders machen würde“, erklärt Christian Groß. „Man muss ja auch gucken, wo man nach der Karriere hin will.“ Klingt ganz so, als ginge es im Moment in Richtung Coaching, doch darauf will er sich nicht festlegen. „Ich kann mir gerade vieles vorstellen, aber bei allem, was man macht, muss man schauen, dass es einen auch weiterbringt“, unterstreicht Groß. „Jeder Tag hier liefert mir deshalb guten Input.“

Ehe es an die Details für die Zukunft geht, soll aber erst einmal die Gegenwart gemeistert werden – und die heißt: Bundesliga mit dem SV Werder Bremen. Natürlich will Christian Groß erneut eine tragende Rolle spielen, die zusätzliche interne Konkurrenz in Abwehr und Mittelfeld macht ihm dabei keine Angst. Er sieht sie vielmehr als Ansporn. Folglich präpariert er sich mit vollem Einsatz für die neue Spielzeit. „Die vergangene Saison war schön, davon sollten wir auch immer noch zehren – aber jetzt geht es wieder bei null los und jeder muss sich neu beweisen“, verdeutlicht der 33-Jährige.

Christian Groß will mit Werder Bremen auch in der Bundesliga „aktiv und mutig spielen“

„Stück für Stück müssen wir die Siege wieder einfahren. Wir wissen aber natürlich auch, dass es sein kann, dass wir nicht zehn Spiele am Stück gewinnen. Darauf bereiten wir uns vor, trotzdem bin ich positiv gestimmt, dass wir erfolgreich starten werden.“ Auch wenn sich Werder Bremens Spielweise womöglich ändern wird. „Wir wissen alle, dass in der Bundesliga noch einmal eine deutlich höhere Qualität auf uns zukommt und wir vielleicht etwas weniger Ballbesitz haben als in der 2. Liga“, meint Christian Groß, „ich sage aber auch, dass wir weiterhin aktiv und mutig spielen sollten.“

Weniger forsch ist er, wenn es um die Suche nach einem neuen Kapitän geht. „Die Frage stellt ihr hier ja jeden Tag“, erklärt er lachend den Journalisten, die ihn just mit dieser möglichen Aufgabe konfrontiert haben – so wie zuvor etwa auch schon Marco Friedl oder Milos Veljkovic. Eine Antwort gibt Groß nicht, verweist nur darauf, dass es genügend Spieler im bisherigen Mannschaftsrat gebe, die schon Verantwortung übernommen hätten. Ganz so, wie er es auch jetzt in Österreich wieder tut. „Ich versuche auf dem Platz Gas zu geben, im Training vorwegzugehen und die neuen sowie jungen Spieler mitzuziehen“, erzählt Christian Groß. Wie hilfreich das gerade für einen Neuling sein kann, hat er bei Werder Bremen selbst erlebt. Damals, im Sommer 2019, im Zillertal. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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