Christian Groß gewinnt einen Zweikampf gegen Kingsley Coman.
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Christian Groß (hier im Duell mit Kingsley Coman) lieferte für Werder Bremen auch gegen den FC Bayern München eine abgeklärte Vorstellung ab.

Abgezockte Vorstellung gegen den FC Bayern

Werder-Profi Christian Groß: Beeindruckend unbeeindruckt vom FC Bayern und der Bundesliga

München/Bremen - Im Internet, genauer: im sozialen Netzwerk Twitter, kursiert seit Samstagabend ein Foto von Werder Bremens Christian Groß. Es zeigt den 31-Jährigen in Nahaufnahme, wie er freundlich lächelnd im grünen Trainingsanzug vor einem grünen Hintergrund sitzt. Ohne Frage ist es ein hübsches Portrait, das seine volle Wirkung aber erst durch die drei Wörter entfaltet, die der User „Lord of Sendringham“ obendrüber geschrieben hat: „Deutsche Patrick Viera“. Ein Vergleich mit dem französischen Welt- und Europameister also, der natürlich nicht frei von Ironie, aber gerade deswegen nach Groß‘ glänzender Leistung gegen den FC Bayern so treffend ist.

Während Werder Bremens ebenso unerwarteten wie überzeugenden 1:1 gegen den Rekordmeister FC Bayern München hatte Christian Groß in der Startelf gestanden, zum erst 14. Mal in der Bundesliga, und er hatte das getan, was er meistens tut, worin er inzwischen von Woche zu Woche besser zu werden scheint: solide abgeliefert. Wie ein Sacharbeiter seine Anträge arbeitete Groß ohne viel Aufhebens Zweikampf um Zweikampf ab, legte einen nach dem anderen auf den Erledigt-Stapel - und wirkte dabei so beeindruckend unbeeindruckt, als würde er sagen: „So so, das ist also dieser Bundesliga-Fußball? Okay, kann ich.“

Werder Bremen: Christian Groß beeindruckend unbeeindruckt - wie der „deutsche Patrick Vieira“

Werder-Trainer Florian Kohfeldt war die Leistung von „Grosso“, wie Groß innerhalb der Mannschaft genannt wird, in seiner Analyse nach dem Spiel genau ein Wort wert: „Top“. Und mehr musste auch wirklich nicht gesagt werden. Wurde es über Groß ja schon hinlänglich. Dass er im Vorjahr nur wegen akuter Personalnot aus der U23 zu den Profis aufrückte, dort dann Chance um Chance nutzte und plötzlich als Ü30-Kicker doch noch Stammspieler in der Bundesliga wurde - alles bekannt, weil vielfach erzählt. Verständlich, dass Kohfeldt für jedes weitere Kapitel dieses Fußballmärchens nicht Woche für Woche neue Superlative erfinden kann. Und irgendwie würde das auch nicht zu Christian Groß sachlich-seriösem Spielstil passen. Wobei, diesen einen speziellen Moment gab es in München ja schon. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er die Inspiration für den eingangs erwähnten Patrick-Viera-Vergleich war.
 
83. Minute: Am eigenen Strafraum erobert Groß den Ball gegen Leroy Sane, dann in vollem Lauf ein Kontakt mit links, einer mit rechts, schon hat er Leon Goretzka stehen lassen, legt sich den Ball noch einmal vor - und schickt Josh Sargent auf den Weg zu einer Großchance, was in diesem Fall absolut wörtlich zu nehmen ist. Ein Viera-Moment, den es zu erkennen zugegebenermaßen etwas Fantasie bedurfte, weil die Schritte des Franzosen doch eher raumgreifend und die groß‘schen mehr tippelnd waren. Sei‘s drum. Nach der Aktion reihte sich Christian Groß jedenfalls wieder diszipliniert in den Defensivverbund des SV Werder Bremen ein. Es war ja auch nichts Besonderes passiert. (dco)

Zur letzten Meldung vom 19. November 2020:

FC Bayern oder Mensch-ärgere-dich nicht - Werder-Profi Christian Groß macht da keinen Unterschied

Um zu definieren, wie weit sich der SV Werder Bremen und der FC Bayern in den vergangenen Jahren voneinander entfernt haben, kann man sicherlich die Abschlusstabellen zurückliegender Bundesliga-Spielzeiten heranziehen.

Bayern steht da stets auf der „1“, Werder Bremen dagegen auf „16“, „11“ oder „8“. Weit weg eben. Noch besser lässt sich die Distanz zwischen den Clubs aber beim Blick auf die jeweiligen Kader erkennen – genauer: beim Blick auf die Besetzung der Königsposition im defensiven Mittelfeld. Während die Münchner dort im derzeit verletzten Joshua Kimmich, in Leon Goretzka, Corentin Tolisso oder Javi Martinez die geballte Ladung Weltklasse anzubieten haben, setzt Werder seit einigen Spielen auf Christian Groß.

Werder Bremen: Christian Groß mit charmanter Kampfansage gegen FC Bayern München

Und damit auf einen Mann, der es in seiner so ungewöhnlich verlaufenen Karriere vermutlich nie auch nur ins erweiterte Blickfeld eines Bayern-Scouts geschafft hat. Denn die stöbern dank vorhandener finanzieller Mittel in den Elite-Ligen Europas, aber nicht in der dritten oder vierten deutschen Spielklasse, wo Groß viele Jahre sportlich verortet war. Und obwohl der Kontrast nicht stärker und der Unterschied kaum größer sein könnte, formuliert ausgerechnet dieser Christian Groß für das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr, Live-Ticker der DeichStube) beim FC Bayern München so etwas wie eine Kampfansage – allerdings nicht laut tönend, sondern auf die eher charmante Art.

„Ich sage es mal salopp: Ich bin Leistungssportler und will jedes Spiel gewinnen – egal, ob auf dem Fußballplatz oder zu Hause beim Mensch-ärgere-dich-nicht. Also fahren wir nach München, um von dort etwas mitzunehmen. Den Anspruch müssen wir haben.“

Werder Bremen: Christian Groß gegen FC Bayern München wohl erste Wahl

Mutige Aussage für jemanden, der erst mit 30 Jahren seine Bundesliga-Premiere feiern durfte und dessen erste und bislang einzige Bayern-Erfahrung das 1:6 aus der Vorsaison ist. Damals stand Groß 90 Minuten auf dem Platz, aber die Erinnerung daran entmutigt ihn nicht etwa, sondern bestärkt ihn vielmehr im Glauben, am Samstag nicht chancenlos zu sein: „Damals ist unser Matchplan 40 Minuten lang aufgegangen, wir haben sogar 1:0 geführt und den Bayern echte Probleme bereitet. Das müssen wir diesmal auf 90 Minuten ausdehnen. Wir wissen auf jeden Fall, dass es möglich ist, gegen die Bayern zu bestehen.“

Das Rückspiel endete gar nur 0:1 – ohne Groß im Team. Aktuell ist der vielseitige Defensivmann aber wieder erste Wahl bei Werder Bremen, darf sich in der Werder-Startelf messen mit all den Bayern-Stars, deren Monatsgehälter um ein Vielfaches höher sind als der Marktwert des 31-Jährigen – aktueller Stand: 300.000 Euro. In Bayern-Dimensionen ist das nur eine Nachkommastelle. Für Werder wird Christian Groß aber immer wichtiger. Coach Florian Kohfeldt hat es neulich so zusammengefasst: „Grosso betreffend ist die Erwartungshaltung doch diese: ,Irgendwann hört der bestimmt mal auf!‘ Aber er hört nicht auf.“ Nein, er geht immer weiter auf einem Weg, der ihn eigentlich schon auf die Zielgerade seiner Karriere geführt hatte. Doch dann kam die Bundesliga-Chance in Bremen.

Werder Bremen: Christian Groß will nicht nur als Aushilfe gesehen werden

Zuerst nur – und dieser Status war in der vergangenen Saison beim SV Werder Bremen absolut klar – als Aushilfe. Eine Bezeichnung, „mit der ich auch heute noch kein Problem habe, wenn man das so sehen will“. Doch als derjenige, der immer nur da spielt, wo Not am Mann ist, möchte Christian Groß auch nicht wahrgenommen werden. „Wenn ich in der Abwehr spiele, heißt es, ich helfe aus. Wenn ich im defensiven Mittelfeld spiele, heißt es auch, ich helfe aus. Dabei habe ich gelernt, auf beiden Positionen zu spielen.“

Im defensiven Mittelfeld ist er aktuell erste Wahl – als Co-Pilot von Maximilian Eggestein bekommt Groß den Vorzug vor Neuzugang Patrick Erras oder Kevin Möhwald. Als Duett hätten Eggestein und er zuletzt „ganz gut funktioniert“. Wieso also nicht auch gegen den FC Bayern? In Ehrfurcht erstarren würde Groß sicher nicht, dafür ist sein Selbstvertrauen viel zu sehr gewachsen. Und der eigene Werdegang, der so anders ist als der der Bayern-Profis, interessiert ihn bei Anpfiff auch nicht mehr, sagt Groß: „Klar, meine Vita ist sicherlich ungewöhnlich. Möglicherweise stehen da auch mal 20 Bundesliga-Spiele gegen 300 auf dem Platz, aber das macht ja gerade den Reiz aus.“ (csa) Auch interessant: So könnt Ihr Werder Bremen gegen den FC Bayern live im TV und Live-Stream schauen.

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