Werder-Spieler Groß sieht sich als „Anker der Balance“

„Ich habe daraus gelernt“: Werder-Spieler Christian Groß über eigene Fehler, Heidenheim-Spiel und Ukraine-Krieg

Bremen – Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen nach den Spielen meist andere. Die Stürmer, die schon wieder getroffen haben. Der Torhüter dank seiner Paraden, oder der Abwehrchef, der einfach immer richtig stand. Über Christian Groß wird nach den Auftritten des SV Werder Bremen in der Regel hingegen weniger gesprochen.

Weil er nie spektakulär und nur selten auffällig agiert. Sondern stattdessen einfach abliefert. Solide. Ruhig. Und sachlich. Zuletzt war das während des Heimsiegs gegen Dynamo Dresden zu beobachten gewesen – und zwar derart deutlich, dass das Spiel für Christian Groß etwas verändert hat. Im Nachgang war es plötzlich er, an den Sonderlobe adressiert und über den Artikel geschrieben wurden – und der sich in einer großen Medienrunde am Mittwoch den Fragen der Journalisten stellte. Dabei präsentierte sich der defensive Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen wie sonst auf dem Platz. Kontrolliert und klar sprach Christian Groß über. . .

Werder Bremen: Talente kommen nicht an Christian Groß vorbei - so hilft er ihnen dennoch

. . . seine Rolle im Team:

Für Clemens Fritz ist die Sache eindeutig, das hatte Werder Bremens Leiter Profifußball erst jüngst zum Ausdruck gebracht: Christian Groß bekommt in seinen Augen nicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die er verdient. „Für mich ist Grosso stark unterschätzt“, sagte Fritz, worüber besagter „Grosso“ am Mittwoch milde lächelte und leicht den Kopf schüttelte. „Ich mache mir wenig Sorgen darum, ob ich von anderen als über- oder unterschätzt wahrgenommen werde“, sagte Groß. Zwar freue er sich über Lob, das schon. Als Bestätigung für seine Rolle innerhalb des Teams braucht er es aber nicht. Die kennt er auch so.

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„Ich bin Teil des Mannschaftsrats und kann gerade den jüngeren Spielern mit meiner Erfahrung helfen“, sagte der 33-Jährige, dessen Formkurve streng genommen allerdings ein Problem für Talente wie Ilia Gruev (21) und Manuel Mbom (22) ist. Weil sie nicht mehr an Christian Groß vorbeikommen. „Ich nehme für mich die Rolle an, ihnen Tipps zu geben und sagen ihnen, dass sie dranbleiben sollen“, erklärte Groß – und betonte: „Für die entscheidenden Wochen, die jetzt kommen, ist es wichtig, dass wir als Mannschaft funktionieren. Auch die Spieler, die hinten dran sind, müssen da sein, weil sie ihre Chance noch bekommen werden.“

Werder Bremen: Christian Groß sieht sich als „Anker der Balance“, hofft auf ein Tor und gesteht Fehler ein

. . . seine Spielweise:

Eine gute Chance im Nordderby beim HSV, dazu die Torvorlage gegen Dresden – in den vergangenen Wochen streute Christian Groß für seine Verhältnisse ungewohnt viele Offensivaktionen in sein Spiel ein. Was allerdings weniger an einem neu entwickelten Vorwärtsdrang, denn vielmehr an der Grundausrichtung des SV Werder Bremen liegt. „In Hamburg haben wir zum Beispiel sehr hoch attackiert, deswegen war auch für mich der Weg zum Tor kürzer“, sagte Groß. In Spielen gegen Gegner wie Ingolstadt oder Dresden, die tendenziell eher tiefer stehen, „bieten sich für mich auch mehr Optionen nach vorne“. In ein Tor verwandelt hat Groß sie in bisher 63 Pflichtspielen für die Werder-Profis noch nicht. „Am liebsten so schnell wie möglich“, würde er das ändern. Sagt aber, ganz Teamplayer, auch: „Ob ich treffe, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass wir gewinnen.“ Ohnehin sieht sich Groß vielmehr als „Anker der Balance“ im Bremer Spiel.

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. . . eine wertvolle Lehre:

Es ist ihm in der Abstiegssaison in Augsburg passiert und in der laufenden Serie während des Hinspiels gegen den HSV dann noch einmal: Mit einer jeweils unnötigen Gelb-Roten Karte schwächte Christian Groß sein Team, was ihn lange beschäftigt hat. „Ich habe aus den Situationen gelernt“, sagte Groß. „Jetzt versuche ich, nach einer Gelben Karte etwas cleverer zu agieren und den letzten Schritt, der gefährlich werden könnte, vielleicht nicht zu machen.“ Im Spiel des SV Werder Bremen gegen Dynamo Dresden hat das gut funktioniert. Bereits nach 26 Minuten war Groß verwarnt worden, hatte beim Abpfiff aber noch auf dem Platz gestanden.

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. . . das Heidenheim-Spiel:

Christian Groß war damals mit dabei in den Relegationsspielen gegen den kommenden Gegner Heidenheim, erlebte es also hautnah mit, wie Werder Bremen sich auswärts im Juli 2020 haarscharf vor dem Abstieg rettete. „Ich kehre definitiv mit positiven Bildern nach Heidenheim zurück“, sagte er mit Blick auf das Zweitliga-Topspiel am Samstagabend, das er dennoch in die Kategorie „Schwerstarbeit“ einstuft: „Heidenheim ist eine sehr starke Heimmannschaft, die alles in die Waagschale werfen wird.“ Von seinen bisher 39 Punkten hat der Tabellensiebte 25 zu Hause geholt. Nur der FC St. Pauli (29) punktet im Unterhaus noch zuverlässiger im eigenen Stadion. Für Groß selbst geht es am Samstag auch um seine persönliche Bilanz gegen den 1. FCH: Von bisher vier Spielen gegen das Team konnte er keines gewinnen. „Statistiken sind dazu da, um sie zu verändern“, sagte er.

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. . . den Ukraine-Krieg:

Zum Abschluss des Mediengesprächs wurde es ernst, als Christian Groß danach gefragt wurde, wie er als Privatmensch mit den schrecklichen Bildern und Nachrichten aus der Ukraine umgeht. „Ich bekomme bei diesem Thema Gänsehaut, weil es erschreckend ist, wenn man sieht, was in dem Land passiert“, sagte Groß – und betonte: „Ich bin selber Familienvater und kann nur dazu aufrufen, dass wir uns solidarisch verhalten, in dem wir Zeichen setzen und aktiv helfen. Wir müssen versuchen, die Leute vor Ort zu unterstützen.“ Er selbst sei in dieser Sache aktiv, berichtete Groß, wollte aber nicht weiter ins Detail gehen. Sein Appell: „Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie er den Menschen in der Ukraine helfen kann.“ (dco)

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