Christian Groß sah am 15. Mai 2021 im wichtigen Bundesliga-Spiel beim FC Augsburg die Gelb-Rote Karte (rechts), am 15. Mai 2022 konnte der Profi von Werder Bremen die Rückkehr ins Oberhaus bejubeln - auf dem Rücken von Trainer Ole Werner.
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Christian Groß sah am 15. Mai 2021 im wichtigen Bundesliga-Spiel beim FC Augsburg die Gelb-Rote Karte (rechts), am 15. Mai 2022 konnte der Profi von Werder Bremen die Rückkehr ins Oberhaus bejubeln - auf dem Rücken von Trainer Ole Werner.

Werder-Profi überzeugt im Aufstiegsjahr

Heimlicher Held: Wie Christian Groß in der 2. Liga zum absoluten Führungsspieler bei Werder wurde

Bremen – Auf den Tag genau ein Jahr liegt zwischen den beiden Bildern, entstanden jeweils am 15. Mai – zunächst im Jahr 2021 und dann, brandaktuell 2022. Christian Groß steht jeweils im Mittelpunkt. Und deshalb auf eine Art stellvertretend für das, was Werder Bremen binnen 365 Tagen widerfahren ist. Zur Erinnerung: Mit seiner Gelb-Roten Karten am vorletzten Spieltag gegen Augsburg hatte Groß Werders Abstieg aus der Bundesliga am 15. Mai 2021 noch etwas wahrscheinlicher gemacht. In der 2. Liga arbeitete er dann federführend am direkten Wiederaufstieg mit, den er am 15. Mai 2022 ausgelassen mit seinen Teamkollegen feierte. Beim Abpfiff nach dem Heimspiel gegen Regensburg (2:0) war er sogar der erste Bremer Profi, der Trainer Ole Werner von hinten auf den Rücken sprang.

Runter, wieder rauf, getrauert, dann gefeiert – es ist ein äußerst bewegtes Jahr, das hinter Werder Bremen liegt. Ein Jahr, in dem es zumeist Christian Groß‘ Mitspieler waren, die aus unterschiedlichen Gründen im Mittelpunkt standen. In dem es aber gerade die scheinbare Unauffälligkeit des 33-Jährigen war, die ihn bei Werder unverzichtbar gemacht hat. Zum Leistungsträger. Zur Identifikationsfigur. Und die ihn von einem der Gesichter des Abstiegs zum heimlichen Helden des Aufstiegs werden ließ.

Werder Bremen-Profi Christian Groß: Von einem Gesicht des Abstiegs zum heimlichen Helden des Aufstiegs

Man kann sich dem Phänomen Christian Groß zunächst am besten über die Zahlen nähern, denn markige Sätze über oder gar von Groß selbst sind ohnehin nicht zu finden, weil sie schlicht nie ausgesprochen wurden. Also stattdessen: 27 Einsätze in der 2. Liga, 2.054 gespielte Minuten, zwei Torvorlagen, 257,30 gelaufene Kilometer, 53,14 Prozent der Zweikämpfe gewonnen. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass hier von einem Motor die Rede ist, von einem, der das Spiel von Werder Bremen zwar nicht unablässig angetrieben, es mit seiner zuverlässigen Funktionalität aber am Laufen gehalten hat. Die meiste Zeit als umsichtiger Sechser vor der Abwehr, im Saisonfinale, als die Wade von Ömer Toprak partout das Zwicken nicht mehr sein lassen wollte, dann genauso sehr in der Abwehrzentrale. Selbst eine Knie-OP, wegen der Groß im Herbst vier Spiele verpasste, brachte ihn nicht aus den Tritt.

„Grosso bringt viel Klarheit und Ruhe auf den Platz“, hat Werder Bremens Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz im Laufe der Saison einmal gesagt – und damit so etwas wie die perfekte Stilbeschreibung des Groß‘schen Fußballs abgeliefert. Anders ausgedrückt: Der Routinier macht auf dem Platz das, was er kann und lässt alles andere weg. Schnörkellos. Selten spektakulär, auch nicht immer elegant, aber funktional und verbindlich. Frei von Fehlern war Christian Groß in der vergangenen Saison natürlich nicht, auch ihm sind Missgeschicke unterlaufen, die den positiven Gesamteindruck aber nicht ankratzen können.

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Werder Bremen-Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz über Christian Groß: „Für mich ist er stark unterschätzt“

„Für mich ist Grosso stark unterschätzt“, war noch so ein Satz von Clemens Fritz über den Mann, der bei Werder Bremen eigentlich überhaupt nicht als Profi vorgesehen war und der im Sommer 2019 nur mit ins Trainingslager fahren durfte, um dort den Kader aufzufüllen. Seitdem hat Christian Groß 70 Pflichtspiele für Werders erste Mannschaft gemacht und das Team bisweilen sogar als Kapitän aufs Feld geführt. „Wenn man seine Entwicklung während der vergangenen Jahre sieht, dann ist die durchweg positiv. Grosso ist unheimlich wichtig für uns“, hielt Fritz fest. Und er dürfte es auch noch länger sein.

Seinen auslaufenden Vertrag bei Werder Bremen hat Groß im Herbst verlängert. Die Verantwortlichen planen den Spätstarter, der erst im Alter von 30 Jahren sein Bundesliga-Debüt gegeben hat, fest für die neue Saison im Oberhaus ein, denn „er ist auf und neben dem Platz eine feste Säule in der Mannschaft geworden“, wie Sportchef Frank Baumann betonte. Bleibt eigentlich nur noch abzuwarten, für welches Bild Christian Groß im Mai 2023 sorgen wird. (dco)

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