Hubertus Hess-Grunewald (links) wurde als Präsident des SV Werder Bremen wiedergewählt – die neue Vize-Präsidentin Claudia Lasch (rechts) ist die erste Frau im Werder-Präsidium in der Vereinsgeschichte.
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Hubertus Hess-Grunewald (links) wurde als Präsident des SV Werder Bremen wiedergewählt – die neue Vize-Präsidentin Claudia Lasch (rechts) ist die erste Frau im geschäftsführenden Werder-Präsidium in der Vereinsgeschichte.

Werder-Mitgliederversammlung

Große Einigkeit beim SV Werder Bremen, nur einmal ruckelt es: Hess-Grunewald bleibt Präsident, neuer Posten für Lasch

Bremen – Nun ist es amtlich: Zum ersten Mal gehört eine Frau zum geschäftsführenden Präsidium des SV Werder Bremen. Claudia Lasch wurde am Sonntagnachmittag bei der Mitgliederversammlung im Bremer Konzerthaus „Die Glocke“ ohne Gegenstimme zur Nachfolgerin von Jens Höfer (verabschiedete sich in den vorzeitigen Ruhestand) gewählt. Präsident Hubertus Hess-Grunewald (vier Gegenstimmen) und Schatzmeister Axel Plaat (einstimmig) durften sich über eine eindeutige Bestätigung in ihren Ämtern von den 235 anwesenden Mitgliedern freuen. Auch die umfangreichen und tiefgreifenden Satzungsänderungen inklusive einer neuen Rolle des Präsidenten wurden mit den notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheiten abgesegnet – mit einer Ausnahme, für die ausgerechnet ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied sorgte.

„Ich stehe für Vielfalt“, hatte Claudia Lasch in ihrer kurzen Vorstellung während der Mitgliederversammlung gesagt. Die 57-Jährige engagiert sich seit Jahren in der Abteilung Turnspiele/Gymnastik und war bis vergangenen Donnerstag deren Leiterin. Nun steigt sie im Verein auf und erhöht den Einfluss der Frauen bei Werder Bremen. Ulrike Hiller (Aufsichtsrat) und Anne-Kathrin Laufmann (künftige Geschäftsführerin als Nachfolgerin von Hess-Grunewald) sitzen in den anderen beiden wichtigen Gremien des Clubs. „Damit nehmen wir eine Vorreiterrolle ein“, betonte Werder-Boss Klaus Filbry

Mitglieder des SV Werder Bremen stimmen auf der Versammlung über Satzungsänderungen ab

Vor den Wahlen hatte aber erst die Satzung geändert werden müssen, denn der künftige Präsident soll nicht mehr auch gleichzeitig Geschäftsführer in der Kapitalgesellschaft sein. Die alte Regelung passt nicht zu den modernen Grundsätzen der Unternehmensführung, die Werder Bremen einhalten möchte. Dazu war eine Satzungskommission eingerichtet worden. Über deren Ergebnisse wurde nach einer angenehm komprimierten Vorstellung von Dr. Henning Hoffmann (Leiter Recht bei Werder) abgestimmt. Es war ein Ritt durch die Paragraphen – ein eigentlich reibungsloser. Bis Paragraph 31 mit seinem Absatz 1 kam.

Da meldete sich Andreas Hoetzel zu Wort. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied des SV Werder Bremen bemängelte, dass eine fünfjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Verein eine Grundvoraussetzung für Ehrenratsmitglieder sein soll. Er sah dadurch „viele Talente“ ausgegrenzt – und war mit seiner Einschätzung nicht allein. Bei der Abstimmung zu diesem Punkt wurde die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit verpasst. Ansonsten herrschte große Einigkeit bei den einzelnen Änderungen. Dazu gehörte zum Beispiel eine Maximalamtszeit in den Gremien von vier Wahlperioden (also 16 Jahren). Der Wahlausschuss ist ab sofort auch ein Vergütungsausschuss und soll festlegen, welche Aufwandsentschädigungen die Aufsichtsratsmitglieder und künftig auch die Präsidiumsmitglieder bekommen werden.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald: „Wir haben eine historische Strukturänderung hinbekommen“

„Wir haben eine historische Strukturänderung hinbekommen“, freute sich Hubertus Hess-Grunewald über eine insgesamt sehr harmonische Veranstaltung. Der 62-Jährige wird ab Januar dem Aufsichtsrat des SV Werder Bremen angehören und dort den Vorsitz von Marco Fuchs übernehmen. Damit dieser ein normales Aufsichtsratsmitglied bleiben kann, wird das Kontrollgremium bis zu den nächsten Wahlen in drei Jahren von sechs auf sieben Mitglieder vergrößert. „Ich habe mich schon immer gewundert, warum der Vertreter des Eigentürmers nicht den Vorsitz innehat“, meinte Fuchs.

Etwas verwunderlich war auch die geringe Resonanz. Nach über 1.100 Mitgliedern im vergangenen September auf der Nordtribüne des Weserstadions hatte Werder Bremen im nasskalten November extra „Die Glocke“ gebucht, weil die Sporthalle an der Hemelinger Straße nur 450 Menschen Platz bietet. „So ist das bei Werder. Wenn es gut läuft, dann vertrauen uns die Mitglieder und sehen keine Notwendigkeit zu kommen“, meinte Hubertus Hess-Grunewald und wirkte nicht unglücklich. Seit 2014 ist er Präsident des SVW und darf es mindestens bis 2026 bleiben: „Darauf freue ich mich sehr, aber es gibt auch genug zu tun. Ich will versuchen, dass wir immer ein Werder bleiben.“ (kni)

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