Zwei, die sich kennen: Der Ex-Manager des SV Werder Bremen, Klaus Allofs, und Claudio Pizarro. Hier im Jahr 2015 während der Partie von Werder gegen den VfL Wolfsburg. 
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Zwei, die sich kennen: Der Ex-Manager des SV Werder Bremen, Klaus Allofs, und Claudio Pizarro. Hier im Jahr 2015 während der Partie von Werder gegen den VfL Wolfsburg. 

Pizarro trifft seinen FC Bayern

Darf die Legende gegen den FC Bayern ran? Ex-Werder-Manager Allofs: „Claudio Pizarro braucht keine Geschenke dieser Art“

Bremen – Werder Bremen, Claudio Pizarro, und der FC Bayern München: Die wohl schönste Dreiecksbeziehung der Bundesliga erlebt am Dienstag ihr letztes Rendezvous.

Claudio Pizarro ist nach einer mehrwöchigen Verletzungspause gerade noch rechtzeitig fit geworden, um kurz vor seinem Karriereende beim Duell gegen seinen Ex-Club im Weserstadion dabei zu sein. Einem ganz besonderen Duell. Der FC Bayern München kann vorzeitig Meister werden, der SV Werder Bremen muss irgendwie etwas Positives im Abstiegskampf erreichen – und wenn es nur eine möglichst knappe Niederlage ist.

Kann Claudio Pizarro Werder Bremen gegen den FC Bayern noch helfen?

Dabei stellt sich die Frage: Kann ein 41-Jähriger wie Claudio Pizarro  dem SV Werder Bremen noch helfen? Darf ein Trainer ihm in dieser brenzligen Lage überhaupt vertrauen, ohne in den Verdacht zu geraten, der Legende nur einen guten Abschied verschaffen zu wollen?

„Ein Claudio Pizarro braucht und will keine Geschenke dieser Art. Und wie ich ihn kenne, fände er es auch furchtbar, wenn er nur deshalb bei einem Spiel dabei wäre. Er würde es ablehnen“, sagt Klaus Allofs im Gespräch mit der DeichStube. Der 63-Jährige kennt Pizarro bestens, hat ihn 1999 als damaliger Sportchef des SV Werder Bremen aus Peru an die Weser geholt. Für ihn ist der Stürmer die perfekte Mischung aus Professionalität und Lockerheit. „Bei Claudio sieht immer alles so leicht aus, obwohl er es sich alles schwer erarbeitet hat“, sagt Allofs.

Daran habe sich auch in dieser Saison nichts verändert. „Wenn ich ihn spielen gesehen habe, dann hat er fast immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Es fehlte dann oft nur der krönende Abschluss der Kollegen“, erinnert sich Allofs und prophezeit: „Er kann solche Szenen auch gegen den FC Bayern haben, wenn er sich auf sein Spiel konzentrieren darf und nicht zu viele andere Dinge machen muss.“ Im fortgeschrittenen Alter sei es nicht mehr möglich, gut nach hinten zu arbeiten und dann auch nach vorne Akzente zu setzen.

Werder Bremen gegen den FC Bayern: Claudio Pizarro kein Startelf-Kandidat

Werder-Coach Florian Kohfeldt weiß das natürlich auch und betont, dass Pizarro gegen die Bayern kein Startelf-Kandidat sei – aber ein Joker. Allerdings keiner mehr, der bei seiner Einwechslung für Euphorie auf den Rängen sorgt, denn die sind bekanntlich leer. Durch die Coronavirus-Pandemie ist es eine ganz andere Abschiedstournee für Claudio Pizarro geworden. Er selbst musste kurz vor dem Re-Start der Bundesliga in eine zweiwöchige Quarantäne, weil seine Tochter positiv getestet worden war. Gleichzeitig stoppte ihn eine schwere Muskelverletzung. Das passte in diese unglückliche Saison des SV Werder Bremen, in der Pizarro bislang in 15 Partien torlos und ohne Vorlage geblieben ist. Natürlich gibt es nun Stimmen, die ihm ein zu spätes Karriereende nachsagen. „Das ist Quatsch“, findet Klaus Allofs: „Es war mutig, aber auch nachvollziehbar von ihm, noch ein Jahr dranzuhängen. Diese Saison bricht ihm keinen Zacken aus seiner Krone.“ 

Wenngleich: Ein Abschied mit einem Abstieg wäre „schon sehr, sehr schade“, sagt Allofs. Der Ex-Profi ist sich aber gar nicht sicher, dass Claudio Pizarro am Saisonende wirklich aufhört: „Ich kann mir bei ihm gut vorstellen, dass ihn ein neues Abenteuer durchaus noch mal reizen kann. Claudio weiß sehr genau: Eine schönere Zeit als die als Spieler gibt es nicht.“

Werder Bremen: Abschiedsspiel für Claudio Pizarro soll im Weserstadion steigen

Von 1999 bis heute hat Pizarro 487 Bundesligaspiele für Werder Bremen und den FC Bayern München erzielt, wechselte munter zwischen den Clubs auch über die Umwege Chelsea und Köln hin und her. Mit den Bremern wurde er einmal Pokalsieger, mit den Bayern gleich fünf Mal. Dazu feierte der Stürmer sechs Meistertitel mit den Münchnern und den Gewinn der Champions League. Ist er nun mehr Werder Bremen oder mehr FC Bayern? „Beides“, sagt Allofs: „Beide Clubs dürfen froh sein, so einen Spieler erlebt zu haben.“

Und so teilt sich Claudio Pizarro auch nach seiner Karriere auf: Leben wird er mit seiner Familie in München, sein Abschiedsspiel soll irgendwann in Bremen steigen. (kni)

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