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Ein Mann mit vielen Gesichtern: Claudio Pizarro.

17 interessante Minuten mit dem Star

Pizarro wundert, freut und ärgert sich

Bremen - Er kommt etwas zu spät, so zehn Minuten. Aber wer will einem Claudio Pizarro dies schon übel nehmen. Zumal der 39-jährige Immer-noch-Werder-Profi bestens gelaunt auf dem Podium des Medienraums im Weserstadion Platz nimmt.

Er spricht ganz offen über seine Fitness, die Euphorie der Fans, seine Verärgerung über den Nationaltrainer von Peru und die Wünsche seiner Frau zum bald anstehenden 40. Geburtstag. Claudio Pizarro über...

... seine gute Fitness

„Ich fühle mich sehr gut. Aber ich wundere mich, dass ihr euch darüber die ganze Zeit wundert. Die Leute fragen mich ständig, wie es mir geht. Warum?“, fragt Pizarro in die Medienrunde und gibt sich die Antwort gleich selbst: „Vielleicht, weil ich 39 bin.“ Und alle lachen. Auch vor Kameras, Mikros und Notizblöcken ist Pizarro ein Vollprofi – ein ziemlich unterhaltsamer dazu.

Sein Geheimrezept für ewige Jugend: Er habe schon vor Jahren mit Hilfe eines Arztes seine Ernährung umgestellt, das hätte sich ausgezahlt. Und jetzt gönne er sich einfach noch mehr Ruhepausen nach den Belastungen. Auf Nachfrage fällt ihm dann aber doch noch ein Unterschied ein, ein ganz wichtiger im Vergleich zu seiner letzten Saison bei Werder 2016/17: „Ich hatte damals ein paar Probleme mit den Nerven, das hat mich gestoppt. Ich konnte nicht in jedem Training alles geben. Jetzt habe ich das unter Kontrolle und kann alles machen.“

... die Euphorie der Fans

„Ich freue mich, dass die Fans immer noch so denken“, sagt Pizarro. Seine Augen funkeln dabei, als würden diese Bilder gerade in seinem Kopf sein. „Ich würde jetzt gerne ein paar Tore machen, um das zurückzugeben.“ Stille im Raum. Das hat schon etwas Magisches. Schließlich wäre er der zweitälteste Profi, der jemals in der Bundesliga getroffen hätte. Gelingt ihm ein Tor nach dem 20. Spieltag, würde er sogar Mirko Votava als Rekordhalter ablösen.

„Da musst du mir mir dann noch mal Bescheid sagen“, fordert er vom Journalisten, der diese Statistik ausgekramt hat und verrät: „Natürlich würde mir das viel bedeuten.“ Aber er will sich davon nicht zu sehr ablenken lassen, das gilt auch für das Verhalten der Fans: „Wenn ich zu viel an diese Euphorie denke, kann ich vielleicht meinen Job nicht so gut machen. Aber Euphorie ist einfach auch sehr schön.“

... seine Einsatzzeiten

„Der Wunsch ist immer da, so viel wie möglich zu spielen“, sagt Pizarro. Natürlich weiß der 39-Jährige, dass er vor allem als Joker für die letzten 20 Minuten verpflichtet worden ist. Aber nach seinem starken Auftritt gegen Hannover wurde er von den Kollegen bereits mit der Startelf in Verbindung gebracht. Ist er tatsächlich schon bereit dafür? „Das müsste man sehen. Ich habe schon länger nicht mehr länger als eine Halbzeit gespielt.“ Er warte auf diese Möglichkeit und habe darüber auch mit Kohfeldt gesprochen: „Ich habe ihm gesagt, dass ich fit bin. Er wird entscheiden, wann er mich braucht.“ Wahrscheinlich erst in Halbzeit zwei, zumindest hatte Kohfeldt erst am Dienstag betont, dass Pizarro für 90 Minuten noch die Luft fehle.

... sein Spiel gegen Hannover

„Ich glaube, ich habe das ganz gut gemacht“, urteilt Pizarro: „Ich bin zufrieden.“ Doch da fällt ihm eine Szene ein, die ihm nicht so gut gefallen hat: „Den Kopfball kann ich reinmachen.“ Daran gilt es zu arbeiten – auch mit den jüngeren Kollegen. Pizarro soll sich im Team  um den Stürmer-Nachwuchs kümmern, zum Beispiel Johannes Eggestein. „Das klappt gut“, sagt der Peruaner. Doch nach dem Hannover-Spiel sei es andersherum gewesen. Nicht er habe Eggestein erklärt, wie dieser seine Großchance in der Schlusssekunde besser genutzt hätte, „sondern er hat mir gezeigt, wie ich meinen Ball reinmachen muss“. Pizarro lacht. Fußball muss auch Spaß machen, das lebt kaum einer so wie Claudio Pizarro.

... den Saisonstart

„Natürlich ist es nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben“, gesteht Pizarro. Aber nach dem 0:1-Rückstand in der 76. Minute sei das 1:1 noch okay gewesen. Am Ausgleich war er beteiligt. Die Frage ist nur, wie. Hätte er die Rashica-Hereingabe berührt, wäre Torschütze Theodor Gebre Selassie bei dessen Kopfball im Abseits gewesen. Der Videobeweis gab keinen Aufschluss – und was sagt Pizarro? „Ich weiß es nicht mehr.“ Ist ja auch nicht mehr wichtig, der Blick geht nach vorne Richtung Frankfurt. Natürlich wünscht sich auch Pizarro dort einen Sieg, doch er warnt auch davor, nach dem 1:1 zu viel Druck aufzubauen: „Es ist erst der zweite Spieltag und deshalb noch kein entscheidendes Spiel.“

Inzwischen wohl für immer ein Bild der Vergangenheit: Claudio Pizarro im Trikot der peruanischen Nationalmannschaft.

... den Nationalspieler Pizarro

„Sie haben mich nicht für die WM nominiert, dann macht es jetzt auch keinen Sinn mehr“, sagt Pizarro. Er hatte so sehr von einer WM-Teilnahme geträumt. „Ich war sehr enttäuscht“, erinnert sich der 39-Jährige: „Aber das war eine Entscheidung des Trainers, die muss man akzeptieren.“ Klingt zunächst sehr verständnisvoll. Doch Pizarros Stimmung ändert sich noch, nachdem er erzählt hat, wie schwer es vor dem Fernseher gewesen sei, „meinem Land nicht helfen zu können“. Was mit Blick auf das Vorrunden-Aus wahrscheinlich sogar möglich gewesen wäre.

Das habe ihn geärgert – und nicht nur das: „Ich habe keine Erklärung bekommen, und das verstehe ich nicht.“ Die Kritik geht Richtung Nationaltrainer Ricardo Gareca. Selbst will er den Kontakt nicht suchen. Dabei wäre die Gelegenheit in gut einer Woche günstig. Peru kommt zum Testspiel nach Deutschland, genauer gesagt nach Sinsheim. Das Interesse Pizarros an dieser Partie hält sich aber offenkundig in Grenzen, er spricht nur von „einem interessanten Spiel“, mehr nicht.

... eine Party zum 40. Geburtstag

„Ich glaube, das ist ein Donnerstag, da kann ich nicht feiern, wir spielen doch samstags“, wiegelt Pizarro sofort ab. Aber da ist jemand, der diesen runden Geburtstag schon längst thematisiert hat. „Meine Frau sagt immer zu mir, wir müssen da etwas Besonderes machen. Und ich sage dann: Ich habe keine Zeit!“ Und da lachen sie wieder alle im Medienraum des Weserstadions. Vielleicht sollte Pizarro aber mal genauer in seinen Kalender gucken. Sein 40. Geburtstag fällt auf einen Mittwoch, nicht den Donnerstag. Bislang sieht sein Plan nur vor, Frau und Kinder einzuladen. „Wir werden das schon genießen und vielleicht schön essen gehen.“ Es ist das Schlusswort nach 17 unterhaltsamen, aber auch informativen Minuten.

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