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Über eine Stunde lang plauderte Clemens Fritz im Parkhotel über seine Zukunft, das Nordderby und seine Erfahrungen mit den Ultras.

Werder-Kapitän im Interview

Clemens Fritz: „Ich wollte nicht so lange spielen“

Bremen - Werder-Profi Clemens Fritz spricht im Interview über das Hotelleben, einen störenden Spezialschuh, Pyro und einen Geburtsvorbereitungskurs.

Clemens Fritz ist wieder da! Nach seiner schweren Fußverletzung (Syndesmosebandriss) hatte der Werder-Kapitän zuletzt seine Reha mit einem Urlaub auf den Malediven verbunden, um ein wenig Abstand zu bekommen. Exklusiv für diese Zeitung nahm sich der 36-Jährige nun viel Zeit – und das an einem besonderen Ort: Im Bremer Parkhotel, wo sich Werder seit Jahren auf die Heimspiele vorbereitet. Natürlich sprach Fritz auch über das anstehende Nordderby, über seine Zukunftspläne, seine künftige Vaterrolle und seine Erfahrungen mit den Ultras.

Wie oft haben Sie hier im Parkhotel schon übernachtet?

Clemens Fritz: Sehr oft. Es ist schön hier, sehr gemütlich, sehr ruhig, gutes Essen. Zu Champions-League-Zeiten war ich noch viel öfter hier (lacht).

Haben Sie ein Stamm-Zimmer?

Fritz: Nein, aber meistens ist es eines in der zweiten Etage mit Blick auf den kleinen See.

Würden Sie trotzdem am Tag vor einem Spiel lieber zu Hause schlafen?

Fritz: Ja, im eigenen Bett schläft man am besten. Aber es gibt viele Spieler, die kleine Kinder haben. Die können so mal durchschlafen. Es ist okay – und bei Abendspielen treffen wir uns auch erst am Spieltag, weil die Zeit im Hotel sonst zu lang wäre.

Gibt es auch im Hotel mal unruhige Nächte?

Fritz: Hier nicht. Aber eine laute Klimaanlage ist schon ein Klassiker. Oder ein lauter Zimmernachbar – oder Leute, die sich vor dem Hotel laut unterhalten. Wenn du dann nicht in den Schlaf kommst, kann es schwierig werden.

Schlaflos vor einem Bundesliga-Spiel – was haben Sie dann gemacht?

Fritz: Meistens habe ich versucht, nach dem Mittagessen noch ein halbes Stündchen zu schlafen. Ansonsten gehst du auf den Platz und gibst einfach dein Bestes.

Bundesliga-Profis müssen immer funktionieren, egal, ob die Nacht schlaflos war, das Kind kränkelt oder die Oma gestorben ist. Finden Sie das fair?

Fritz: Wir stehen nun mal in der Öffentlichkeit. Natürlich können wir nicht immer unseren besten Tag haben, aber da musst du irgendwie durchkommen.

Ist die Nacht vor einem Nordderby anders?

Fritz: Nein, aber die Tage davor.

Warum?

Fritz: Man wird ständig und überall darauf angesprochen: „Gegen den HSV müsst ihr aber gewinnen!“

Wie sehr schmerzt es, beim 106. Nordderby nicht dabei zu sein?

Fritz: Es ist schade. Derbys spielt man einfach super gerne. Aber ich empfinde keinen Schmerz, ich kann es ja nicht ändern. Ich freue mich trotzdem auf das Spiel und werde nervöser sein als sonst.

Warum?

Fritz: Als Spieler kannst du das Geschehen mehr beeinflussen – als Zuschauer nicht.

Gehen Sie vorher nicht in die Kabine?

Fritz: Doch. Aber ich werde da keine Reden schwingen und bleibe auch nur, bis die Jungs zum Aufwärmen rausgehen. Jeder ist doch hochkonzentriert, da will ich nicht stören.

Sie haben 18 Nordderbys gespielt, wird es ein 19. geben?

Fritz: Das werden wir sehen. Noch brauche ich Gehhilfen...

Aber den Spezialschuh tragen Sie nicht mehr.

Fritz: Den habe ich schon nach fünf Tagen abgelegt. Den sollte ich eigentlich sechs Wochen behalten, aber ich habe schnell gemerkt, dass der mich total blockiert. Ich habe mir eine Carbonschiene anfertigen lassen, die bis zum Knie ging. Dadurch hatte ich mehr Stabilität – und sie war viel leichter. Aber jetzt haben wir festgestellt, dass das Sprunggelenk zu fest geworden ist. Wir wollen Bewegung reinkriegen, deshalb habe ich nur noch eine kleine Schiene.

Läuft alles nach Plan?

Fritz: Ja. Am 24. April kommt die Schraube raus, dann will ich zügig wieder laufen und raus auf den Platz. Mal gucken, wie sich das dann anfühlt. Aber wenn die Schraube raus ist, heißt das noch nicht, dass alles tiptop ist.

Wann wollen Sie eine Entscheidung über Ihre Karriere fällen?

Fritz: Wenn ich einschätzen kann, wie es mit meinem Fuß aussieht. So habe ich das auch mit Frank Baumann besprochen.

Das hört sich so an, als würden Sie definitiv weitermachen, wenn der Fuß es zulässt.

Fritz: Das können Sie interpretieren, wie Sie wollen. Fakt ist: Ich habe große Lust auf Fußball, das wird auch immer so bleiben, weil der Fußball mein Leben bestimmt hat. Ich würde hier nie einen Vertrag unterschreiben, wenn ich das Gefühl hätte, dass ich meine Leistung nicht mehr abrufen kann oder ich nicht mehr das nötige Feuer habe. Das muss ich herausfinden, wenn ich wieder auf dem Platz stehen kann. Eine Garantie bekommst du nie. Vor einem Jahr habe ich eine sehr gute Rückrunde gespielt. Diese Leistung kann ich jetzt leider nicht bestätigen. Einen perfekten Zeitpunkt, um aufzuhören, den gibt es eben nicht.

Bilder vom Treffen mit Clemens Fritz

Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips
Clemens Fritz (re.) im Gespräch mit WerderStuben-Reporter Björn Knips © Gumz

Was reizt Sie so sehr am Fußball?

Fritz: Vieles. Die Herausforderung an sich selbst, das Gefühl, in einer Mannschaft zu sein, die Spiele, die Atmosphäre im Stadien, ich könnte noch so viel nennen.

Viele Ex-Profis raten, so lange wie möglich zu spielen, weil diese Zeit nie wieder kommt.

Fritz: Das habe ich schon mit 29 gehört. Aber das muss doch jeder für sich entscheiden. Marco Bode hat mit 32 aufgehört, und er ist mit sich total im Reinen. Ganz ehrlich: Als ich 29 war, hätte ich nicht gedacht, hier noch ein Interview zu geben – und wenn, dann in einer anderen Funktion, aber nicht als Spieler. Ich wollte nicht so lange spielen.

Wie lange dann?

Fritz: So bis 32, 33. Jetzt bin ich über dem Schnitt.

Sie sind während Ihrer Reha mit Ihrer Freundin in den Urlaub gefahren. Hatten Sie keine Angst, dass Ihnen vorgeworfen wird, am Strand zu liegen, während die Mannschaft gegen den Abstieg kämpft?

Fritz: Nein. Ich durfte ohnehin nur Oberkörpertraining machen. Da hat der Arzt gesagt, dass ich das überall machen kann. Für Spieler, die länger ausfallen, ist es wichtig, auch mal Abstand zu gewinnen. Das weiß ich noch von meinem Wadenbeinbruch damals in Leverkusen. Es ist nicht schön, den Kollegen beim Alltag zuzuschauen. Ein bisschen komisch war es aber schon, denn durch den Urlaub habe ich mein erstes Werder-Heimspiel verpasst.

750 Polizisten werden beim Nordderby im Einsatz sein. Wie denken Sie darüber?

Fritz: Wichtig ist, dass die Sicherheit gegeben ist. Es ist nun mal ein Hochrisikospiel, weil zwei Vereine, zwei Städte mit großer Konkurrenz aufeinandertreffen. Wichtig ist, dass es friedlich bleibt. Ein Vater muss mit seinem Kind ohne Probleme zu diesem Spiel gehen können. Natürlich ist es schade, dass dafür so ein hohes Polizeiaufkommen notwendig ist.

Sie haben in der Vergangenheit oft den Kontakt zu diversen Fan-Gruppen, vor allem auch den Ultras gesucht. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Fritz: Der Austausch mit den Ultras war immer super – auf einer guten Ebene. Das hat auch gefruchtet, und zwar in beide Richtungen. Die hatten auch uns als Mannschaft etwas zu sagen. Natürlich siehst du nach Niederlagen in den Gesichtern der Fans eine Wut, bei der du denkst: „Junge, es ist Fußball!“ Das sind Emotionen, die ich durchaus verstehen kann, wenn jemand sein Geld und seine Zeit gerade für Auswärtsfahrten geopfert hat. Wenn bei der Wut dann aber auch noch Alkohol im Spiel ist, wird es manchmal schon etwas schwierig. Letztlich haben wir in Bremen mit unseren Fans allerdings großes Glück.

Wie meinen Sie das konkret?

Fritz: Man muss sich nur Szenen aus anderen Stadien im Abstiegskampf anschauen. Hier ist das komplette Gegenteil: Fans und Mannschaft sind sogar noch mehr zusammen gewachsen, als das zu Champions-League Zeiten schon der Fall war. Wir haben einfach alle gemerkt, dass wir uns brauchen, dass wir es nur gemeinsam schaffen...

Nur von der verbotenen Pyrotechnik können einige Fans nicht die Finger lassen.

Fritz: Das ist wahrscheinlich der Kick. Aber das darf nicht sein, denn da sind wir wieder beim Thema: Es ist zu gefährlich, und wenn ein Vater mit seinem Kind ins Stadion geht, muss es einfach sicher sein. Da darf es keine Pyro geben!

Sie werden im Sommer zum ersten Mal Papa, wird sich das auf Ihren Beruf auswirken?

Fritz: Das weiß ich nicht, da müssen Sie einen Vater bei uns fragen.

Aber Sie haben viele Teamkollegen als Väter erlebt, haben die sich verändert?

Fritz: Darauf habe ich gar nicht geachtet. Natürlich wird sich mein Leben verändern. Es wird sich fast alles ums Kind drehen. Das ist kein Problem für mich, ganz im Gegenteil, ich freue mich darauf.

Sie sind 36 Jahre alt, viele Fußballer werden schon wesentlich früher Vater.

Fritz: Ich hätte mir mit 23 nicht vorstellen können, schon Papa zu werden. Ich war damals zwar schon sehr weit, weil ich früh ausgezogen bin, aber für ein Kind hätte das noch nicht gereicht. Jetzt habe ich eine ganz andere Wahrnehmung, ein ganz anderes Bewusstsein, Papa zu werden.

Gehen Sie ganz normal in den Geburtsvorbereitungskurs wie jeder andere werdende Vater auch?

Fritz: Ich war schon da. Das gehört dazu. Mal gucken, wie oft ich es noch schaffe.

Sie haben immer gesagt, dass Sie nach Ihrem Karriereende erst mal ein Jahr lang ganz viel reisen möchten. Mit Baby könnte das schwierig werden, müssen Sie Ihre Pläne ändern?

Fritz: Da sieht man mal, wie schnell sich das Leben verändern kann. Aber es kommt natürlich darauf an, wie alt unser Kind bei meinem Karriereende sein wird (lacht).

Könnte es dann womöglich schon eingeschult sein und Sie müssten auf die Schulferien Rücksicht nehmen?

Fritz: (lacht) Okay, so lange spiele ich wirklich nicht mehr. Aber ernsthaft: Im ersten halben Jahr nach der Geburt wird man sicherlich nicht groß verreisen, aber danach ist doch vieles möglich. Ich habe auch nie von einer Weltreise gesprochen. Aber es wäre doch toll, die Träume von spannenden Zielen mit der Familie zu teilen. Darauf freue ich mich.

Social-Wall Clemens Fritz

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