Clemens Fritz ist beim SV Werder Bremen der neue „Leiter Profifußball“.
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Clemens Fritz ist beim SV Werder Bremen der neue „Leiter Profifußball“.

Jetzt spricht der neue Leiter Profifußball in Bremen

Werder-Allzweckwaffe Clemens Fritz: „Wir brauchen nicht über Kronprinzen zu sprechen“

Bremen – Sportlich mithalten? Das geht nicht mehr. „Von der Luft her würde es nicht mehr passen, und auch das Sprunggelenk würde sich irgendwann melden“, sagt Clemens Fritz, während die Profis von Werder Bremen hinter ihm bei 31 Grad Celsius auf dem Trainingsplatz schwitzen.

Dennoch wird der 39-Jährige künftig regelmäßiger Gast bei den Einheiten sein – seine neue Rolle als „Leiter Profifußball“ sieht es so vor. In einer Medienrunde hat Fritz nun darüber gesprochen, wie genau er die Aufgabe mit Leben füllen will und warum sie sich so gut mit seinem anderen Job als „Leiter Scouting“ verbinden lässt. Außerdem erklärte der  Ehrenspielführer des SV Werder Bremen, weshalb er sich nicht als Kronprinz von Sportchef Frank Baumann sieht und worauf es bei der Kaderplanung im Sommer 2020 ankommt. Clemens Fritz über...

Werder Bremen: Clemens Fritz über die Rolle als „Leiter Profifußball“

Eine neue Rolle, auf diese Feststellung legt Clemens Fritz wert, ist die als „Leiter Profifußball“ nicht. Vielleicht für ihn persönlich, aber im Verein nicht grundsätzlich. „Das gab es hier doch in der Vergangenheit schon. Rouven Schröder hatte eine ähnliche Position und war sehr nah an der Mannschaft dran. Frank Baumann ebenso, in der Zeit, als Klaus Allofs noch Sportchef war“, erinnert er. 

Sehr nah an der Mannschaft dran – genau das hat sich Fritz auch vorgenommen. Permanenter Ansprechpartner möchte er sein, für die Spieler auf der einen, für Cheftrainer Florian Kohfeldt auf der anderen Seite. „Ich bin hier aber nicht der Team-Psychologe“, scherzt er – und erklärt: „Für die Spieler ist es gut, mal mit jemandem zu reden, der nicht aus dem Trainerteam kommt. Und Florian hilft es, hin und wieder Dinge an mich weiterzugeben, die ich der Mannschaft vermittle.“ Darüber hinaus, so erklärt es Fritz, wird er zudem als Bindeglied hin zu den anderen Abteilungen wie beispielsweise der medizinischen oder athletischen fungieren.

Werder Bremen: Clemens Fritz über die Arbeit als Chef der Scouting-Abteilung

Es hat durchaus für etwas Verwirrung gesorgt, als Werder Bremen zu Wochenbeginn bekannt gab, dass Fritz neuer „Leiter Profifußball“ wird UND seine alte Aufgabe als „Leiter Scouting“ weiter ausführen will. Der mediale Tenor daraufhin: Hat der Mann etwa nicht genug zu tun? Das wiederum hat Fritz irritiert. „Ich habe gelesen, dass ich nicht ausgelastet bin und deshalb eine Aufgabe dazu machen muss“, sagt er – und betont: „Es ist keinesfalls so, dass ich mich vorher gelangweilt hätte.“ 

Vielmehr sieht Fritz beide Aufgaben als sich sinnvoll ergänzend an. Seine Idee: Wer als „Leiter Profifußball“ nah dran ist an der Mannschaft, kann deren Charakter sehr gut einschätzen, weil er deren Hierarchie versteht. Und wer das kann, weiß als „Leiter Scouting“ noch genauer, welche Spielertypen helfen würden. Dazu kommt, dass Fritz erst im Sommer 2019 nach dem Abgang von Tim Steidten zu Bayer 04 Leverkusen die Scouting-Abteilung übernommen hat und nicht schon wieder abgeben möchte: „Mir war es sehr wichtig, dass ich die Position behalte.“ Auch sein Büro in Turm 2 des Weserstadions wird er nicht aufgeben. „Es ist aber klar, dass ich künftig etwas weniger unterwegs sein werde, um mir Spiele live anzuschauen.“ In Zeiten von Corona ist das gerade aber ohnehin schwierig.

Werder Bremen: Clemens Fritz über das Scouting während der Corona-Pandemie

„Das Arbeiten ist komplett anders“, erklärt Fritz, dessen Team in erster Linie vor einem Problem stand und steht: Reisen in fremde Länder sind nur eingeschränkt möglich, Spiele dort wiederum live zu verfolgen zum Teil gar nicht. „Wir wissen nicht, wann wir wieder ganz normal raus können“, sagt der Ex-Profi, der mit seinen Mitarbeitern deshalb mehr denn je auf Videomaterial angewiesen ist. Weniger Arbeit bedeute das für die Talentspäher aber nicht. „Wir haben einige Ideen, nur müssen wir abwarten, ob sie sich umsetzen lassen“, sagt Fritz, der freilich keine Namen nennt, aber immerhin verrät: „Natürlich haben wir für alle Positionen unsere Listen mit Kandidaten, die wir permanent aktualisieren.“ 

Der Fokus liege dabei einerseits auf einer Verjüngung des Kaders, andererseits aber auch auf der richtigen Mischung. Fritz: „Wir müssen ein gutes Gefüge hinbekommen zwischen jung und erfahren. Dass wir dabei finanziell nicht schalten und walten können, wie wir wollen, ist ja kein Geheimnis.“ Dazu passen könnte die Verpflichtung von Linksaußen Kamil Jozwiak, den Werder Bremen ins Visier genommen haben soll.

Werder Bremen: Clemens Fritz über eine mögliche Nachfolge von Baumann

Auch Werders heutiger Sportchef hatte im Verein einst den Job, den Clemens Fritz heute macht, ehe er im Frühjahr 2016 befördert wurde. Da liegt es ja durchaus nahe, dass Fritz bei Werder womöglich denselben Weg geht. Zumal Baumann, aktuell 44 Jahre alt, unlängst angekündigt hatte, mit 50 eine Pause vom Fußballgeschäft einlegen zu wollen. „Dann haben wir doch noch sechs Jahre mit ihm“ wiegelt Fritz ab. „Da brauchen wir jetzt nicht über irgendwelche Kronprinzen zu sprechen.“ (dco/kni)

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