In dieser Szene verletzte sich Werder Bremens Clemens Fritz (grün) im Spiel gegen den SV Darmstadt 98 und Jerome Gondorf (orange).
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In dieser Szene verletzte sich Werder Bremens Clemens Fritz (grün) im Spiel gegen den SV Darmstadt 98 und Jerome Gondorf (orange).

Werder Bremen gegen Darmstadt

Des Käptn’s letzte Fahrt: Clemens Fritz’ Karriere war nach einem Werder-Heimspiel gegen Darmstadt plötzlich vorbei

Bremen – Als würde ein dünner Ast brechen. Einer von der Sorte, wie sie im Herbst bei Wind gerne von den Bäumen fallen, um dann unter die Schuhe von Spaziergängern zu geraten – knack! Ein kurzes, irgendwie spitzes und trockenes Geräusch. Als Clemens Fritz es am 4. März 2017 urplötzlich auf dem Rasen des Bremer Weserstadions hörte, wusste er sofort, dass etwas passiert war. „Es klang definitiv nicht schön“, blickt der heute 41-Jährige zurück, der sich als Soundtrack für das eigene Karriereende natürlich etwas ganz anderes gewünscht hatte. Singende Fans. Das Abklatschen mit den Teamkollegen – oder gar einen letzten Torschrei. Nur eben nicht dieses verdammte Knacken, mit dem sich Werder Bremens Kapitän Fritz nach insgesamt 331 Bundesligaspielen notgedrungen in den sportlichen Ruhestand verabschiedete.

Der damalige Gegner SV Darmstadt 98 nimmt also eine besondere Rolle in Fritz’ Vita als Fußballprofi ein – weil er sein letzter war. Und da die „Lilien“ am Samstag nun erstmals seit jenem Tag wieder in Bremen gastieren, ist sie bei Clemens Fritz plötzlich zurück: die Erinnerung ans Ende. „Es war ein ganz normaler Zweikampf, kein Foul. Wir verhaken uns irgendwie, ich falle, dann passiert es“, sagt Fritz über die Szene aus der 34. Minute, in der er ganz bewusst ein Zeichen hatte setzen wollen.

Gegen das aufmüpfige Bundesliga-Schlusslicht tut sich der 14. Werder Bremen von Beginn an schwer, „wir sind nicht richtig reingekommen“, sagt Clemens Fritz, der das Duell mit Darmstadts Jerome Gondorf kurz vor dem eigenen Strafraum deshalb auch als symbolisches sieht. Sekunden später setzt er tatsächlich ein Zeichen – nur steht es auf Abschied. Das Sprunggelenk, rechter Fuß, im Sturz merkwürdig weggeknickt. Knack! Wer sieht, wie schwer dem damals 36-Jährigen allein das Aufstehen fällt und wie lange er dafür braucht, um gestützt von Teamarzt und Physiotherapeut in zähen Trippelschritten den Platz zu verlassen, der weiß: Mit Fußball wird das erstmal nichts mehr.

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Werder Bremen: Clemens Fritz bestritt vor fünf Jahren sein letztes Bundesliga-Spiel gegen den SV Darmstadt 98

Auf der Ersatzbank schlägt Clemens Fritz die Hände über dem Kopf zusammen, atmet tief durch. „Ich wusste, dass etwas auf mich zukommt, wollte es aber noch nicht wahrhaben“, erinnert sich der ehemalige Kapitän des SV Werder Bremen. Deshalb denkt er auch gar nicht daran, die Verabredung für den Abend mit seinem guten Freund und Darmstadt-Profi Peter Niemeyer abzusagen. Auf Krücken schleppt sich Fritz ins Restaurant, legt das rechte Bein beim Essen hoch und verbringt einerseits schmerzhafte, andererseits aber auch schöne Stunden. „Den Abend vergesse ich nie“, sagt er. Ab dem nächsten Tag geht es dann nur noch ums Sprunggelenk.

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Erst die MRT-Untersuchung in Bremen, dann mit den Bildern nach München zu Doktor Müller-Wohlfahrt. Dessen Diagnose: Riss des Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk. Und dessen Rat: OP, so schnell wie möglich, und zwar in Tübingen, weil dort die Experten für solche Fälle praktizieren. Vier Tage nach dem Darmstadt-Spiel liegt Clemens Fritz unterm Messer, lässt sich eine Schraube ins Gelenk einsetzen, die bei einem weiteren Eingriff sieben Wochen später wieder entfernt wird. Bis zur Nachricht, mit der bei Werder Bremen längst alle rechnen, die aber noch nicht verkündet ist, dauert es da nur noch zwei Wochen.

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Werder Bremen: Clemens Fritz verletzt sich im Zweikampf mit Darmstadts Jerome Gondorf - und muss die Karriere beenden

Am 8. Mai 2017 lässt Clemens Fritz via Vereinsmitteilung wissen, dass Schluss ist: „Leider habe ich nach wie vor erhebliche Probleme mit dem Sprunggelenk, sodass es mir trotz aller Lust nicht möglich wäre, meine sportliche Laufbahn über den Sommer hinaus mit hundertprozentiger Fitness fortzusetzen.“ Punkt. In der Folge wird Fritz zum Werder-Ehrenspielführer ernannt („Das bedeutet mir viel“), und die ganze Geschichte seines Karriereendes bekommt unfreiwillig noch eine ironische Note. Als Nachfolger für den scheidenden Kapitän verpflichtet Werder Bremen zur neuen Saison ausgerechnet Jerome Gondorf vom SV Darmstadt 98, mit dem sich Fritz den letzten Zweikampf seiner Karriere geliefert hatte. In Bremen erhält Gondorf Fritz’ Rückennummer acht.

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Fünf Jahre sind seitdem vergangen. Und Clemens Fritz, der nach dem Karriereende ein Trainee-Programm bei Werder Bremen durchlaufen hat und inzwischen als Leiter Profifußball des Clubs fungiert, ist mit sich und seiner Entscheidung noch immer im Reinen. „Es gab ja keine andere Option, als aufzuhören. Ich war gesundheitlich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr hätte weitermachen können.“ Bis heute mache sich beim Joggen hin und wieder das Sprunggelenk bemerkbar. Quasi als kleine Erinnerung an das verhängnisvolle Knacken vom 4. März 2017. (dco) Auch interessant: Aufatmen bei Werder: Keine weiteren Corona-Fälle vor Darmstadt-Spiel

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