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Welcher ist der richtige Weg für Chef-Coach Nouri und seine Mannschaft?

Ein Pro und Contra

Ruhezone statt Rappelkiste - richtig oder falsch?

Bremen - Die Diskussion ist nicht neu bei Werder. Im Grunde gibt es sie schon, seit das Team Jahr für Jahr verlässlich 60 Gegentore und mehr kassiert pro Saison – also schon ziemlich lange. Mehr Sicherheit, weniger Spektakel – was ist richtig?

Trainer Alexander Nouri hat nun seine Antwort auf die Frage gegeben und seiner Mannschaft einen neuen Stil verordnet. „Safety first“ ist die Devise. Beim Saisonauftakt gegen 1899 Hoffenheim setzte es trotzdem eine Niederlage – 0:1 verloren. Die DeichStuben-Redakteure Daniel Cottäus und Carsten Sander haben sich Gedanken gemacht, ob der Nouris Weg der richtige ist. Ein Pro und Kontra:

Pro

Von Daniel Cottäus

Gut, Punkte gab es am ersten Spieltag nicht. Werders Auftritt in Hoffenheim bot unter dem Strich aber trotzdem keinen Anlass für Sorgen und Ängste – ganz im Gegenteil. Die Bremer zeigten eine mehr als ordentliche Leistung gegen einen deutlich stärker eingeschätzten Gegner, was vor allem an der gut sortierten Defensive lag. Da brauchte es für Hoffenheim in der Schlussphase schon ein ganz krummes Ding, um noch als Sieger vom Platz zu gehen. Werders Trainer Alexander Nouri hatte bereits zu Beginn der Sommerpause erklärt, dass er den Fokus auf die Defensive legen will. Hinten sicher stehen, bei Ballgewinn dann schnell Umschalten – dieser Kurs ist für Werder genau richtig. Er ist als Grundlage zu verstehen, aus der Sicherheit und dann wiederum spielerische Qualität gewonnen werden sollen. Dass das funktionieren kann, hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung von Borussia Mönchengladbach bewiesen, wo Ex-Trainer Lucien Favre zu Beginn seiner Amtszeit eine ganz ähnliche Spielidee verfolgt hat.

Nouri hat beim Blick auf seinen Kader erkannt, dass er mit spektakulärem Hurra-Fußball nicht weit kommt. Stattdessen hat er der Mannschaft eine Ausrichtung verpasst, die mit dem vorhandenen Spielermaterial gut umzusetzen ist. Hätte Werder in Hoffenheim von Beginn an sein Glück in der Offensive gesucht – wir würden jetzt vermutlich über eine 1:4-Niederlage diskutieren.

Zugegeben: Besonders attraktiv ist Werders neues Gesicht (noch) nicht, weil es im Umschaltspiel noch mächtig hakt. Dafür haben die Spieler den Plan ihres Trainers aber voll verinnerlicht und stehen dahinter. In den Vorjahren war Werder zu oft die Schießbude der Liga, was eine Zeitlang nicht großartig auffiel, denn vorne war ja auch immer alles möglich. Das hat sich inzwischen geändert, weil es im Vergleich zur Konkurrenz an individueller Qualität mangelt. Vor diesem Hintergrund kann es viel wert sein, wenn die Abwehr eine Bank ist. Ein glückliches 1:1 oder ein schmutziges 1:0 taugen zwar nicht zum Fußballfest, bringen am Ende aber mehr als ein spektakuläres 3:4 – nämlich Punkte.

Kontra

Von Carsten Sander

Werder setzt auf Defensive – das war so während der Saisonvorbereitung angekündigt worden, das wird nun so umgesetzt. Aber bei allem Verständnis dafür, dass Trainer Alexander Nouri eine Reaktion auf 64 Gegentore in der Vorsaison zeigen muss: Ist passiver 0:0-Fußball, wie er in der zweiten Halbzeit gegen 1899 Hoffenheim gespielt wurde, wirklich die richtige Maßnahme? Ich denke nein.

Die Kraft des SV Werder – auch der aktuellen Mannschaft – liegt schließlich in der Offensive. Das haben 61 Tore in der vergangenen Spielzeit gezeigt, dafür steht auch ein Mann wie Max Kruse. 13 Tore und sieben Assists gelangen ihm allein in der Rückrunde. Wenn einer wie er jetzt zugucken muss, wie sein Team in erster Linie darauf aus ist, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten, statt ihn vor den gegnerischen Kasten zu tragen, dann ist das so, als ob man Top-Schwimmer Michael Phelps früher das Wasser aus dem Becken gelassen hätte. Der eine wie der andere sitzt dann auf dem Trockenen.

Kruse selbst hat diese Kritik nach dem 0:1 gegen Hoffenheim ziemlich deutlich geäußert. „Wenn man 80 Minuten hinten drin steht, ist es schwierig, vorne Tore zu machen.“ Wer kann ihm da widersprechen?

Klar, Werder hat seit Jahren nicht mehr die Akteure, um auf Champions-League-Niveau agierende Gegner wie Hoffenheim an die Wand zu spielen. Aber sich nach ein paar hübschen Szenen in Halbzeit eins später gar nichts mehr zuzutrauen (was sich auch in Nouris defensiv ausgerichteten Wechseln Bargfrede für Kainz und Gondorf für Bartels ausdrückte), entspricht nicht dem, was das Team in der vergangenen Saison angedeutet hatte.

Super, werden jetzt einige mit bitterer Ironie sagen, da hat Werder am Ende ja auch 3:4, 3:5 und wieder 3:4 verloren, Rappelkisten-Fußball gezeigt und die Chance auf die Europa-League-Teilnahme liegen gelassen. Aber in jedem Spiel hatte das Team wenigstens versucht zu gewinnen. Dabei sollte es tunlichst auch bleiben.

Kainz' Fehlschuss und Kramarics Glückstor

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