15.024 Fans sahen den 4:0-Sieg des SV Werder Bremen gegen Erzgebirge Aue - was bedeuten die Zuschauer-Reglementierungen in der Corona-Pandemie für Werder?
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15.024 Fans sahen den 4:0-Sieg des SV Werder Bremen gegen Erzgebirge Aue - was bedeuten die Zuschauer-Reglementierungen in der Corona-Pandemie für Werder?

Werder in der Corona-Pandemie

Der SV Werder Bremen und die Zuschauerzahlen: Über dem Schnitt, aber nicht außer Gefahr

Bremen – 206.324 – so viele Besucher strömten in den acht Heimspielen der Hinrunde ins Wohninvest Weserstadion. Wie zufrieden Werder Bremen damit ist, lässt sich in einer einfachen Antwort nicht zusammenfassen. Denn einerseits ist die Zahl weit entfernt von den 336.000 Zuschauern, die in einer Welt ohne Corona-Pandemie hätten kommen können. Andererseits sind 206.324 Besucher mehr, als der Bundesliga-Absteiger vor Saisonbeginn hätte erwarten dürfen.

Erst im Laufe der Hinrunde öffneten sich die Stadiontore immer weiter, es durften schrittweise mehr und mehr Menschen die Spiele von den Tribünen aus verfolgen. Gegen Schalke 04 und den FC St. Pauli vermeldete Werder Bremen sogar zweimal die maximale Besucherzahl von 42.100 – ausverkauft! Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung, nennt die Bilanz nach dem ersten halben Jahr in Liga zwei auch deshalb „ein gutes Zwischenergebnis“. Auf die Rückrunde schaut er aber mit Sorge.

Wie lange die gerade erst beschlossene Obergrenze von 15.000 Zuschauern pro Spiel im deutschen Profi-Fußball Bestand haben wird, ist die zentrale Frage. Werden es irgendwann wieder mehr? Oder zwingt das Corona-Virus den Fußball komplett zurück in den Geisterspielmodus? Und wenn ja, für wie lange? Man müsste schon Hellseher sein, um das zu beantworten. Klaus Filbry ist keiner, kann also nicht wirklich kalkulieren, sondern nur hoffen, „dass wir durch gesteigerte Impfzahlen und Booster-Impfungen ab Februar von den politisch Verantwortlichen wieder die Möglichkeit bekommen, mehr Zuschauer ins Stadion zu lassen“. In der Partie gegen Fortuna Düsseldorf, dem ersten Heimspiel im neuen Jahr am 15. Januar, muss Werder Bremen vorerst von der 15.000er-Kapazität ausgehen. Dass es schon gegen den Karlsruher SC am 5. Februar mehr sein dürfen, erscheint – Stand jetzt – unwahrscheinlich.

Werder Bremen in der Corona-Pandemie: Wie viele Fans dürfen in der Rückrunde ins Wohninvest Weserstadion?

Vor Saisonbeginn hatte Werder Bremen folgende Erwartungen an die Rahmenbedingungen in der Pandemie formuliert: 50 Prozent erlaubte Auslastung in der Hinrunde, 100 Prozent erlaubte Auslastung in der Rückrunde. Das hätte am Ende – grob überschlagen – zu einem Zuschauerschnitt von 30.000 pro Partie geführt. Nach acht von 17 Heimspielen liegt der Schnitt bei 25.790 Besuchern, also zwar unter dem kalkulierten Saisonmittel, aber über der Hinrunden-Hochrechnung mit 21.000 Gästen je Begegnung. Filbry nennt dieses Plus „einen Puffer, den wir aufgrund der unsicheren Pandemielage auch benötigen, um geringere Besucherzahlen in der Rückserie auszugleichen“. Der 54-Jährige geht folglich schon gar nicht mehr davon aus, dass in der zweiten Saisonhälfte häufig mit Vollauslastung des Stadions gespielt werden kann.

Wirklich groß ist der Puffer zudem nicht. Um „einen siebenstelligen Betrag“ liegen die bisher erzielten Einnahmen über der erwarteten Summe. Die Differenz zum Optimum beziffert der Bremer Finanzchef auf zwei Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der Umstände sei der Club aber „mit der Nachfrage in der Hinrunde grundsätzlich sehr zufrieden“, so Klaus Filbry: „Der Business-Bereich ist sehr gut ausgelastet, die Logen sind komplett ausverkauft.“ Dazu das volle Haus gegen Schalke und St. Pauli – diese Nachfrage zeige ihm, „dass die Menschen trotz einer sportlich durchwachsenen Hinrunde weiterhin Lust auf Werder haben“. Insgesamt hat Werder Bremen in fünf der acht Heimspiele alle zur Verfügung stehenden Plätze absetzen können – das wird nach Abschluss der Hinrunde am Wochenende kein anderer Club von sich behaupten können. Kein gutes Zeichen war dagegen die Partie gegen Erzgebirge Aue am vergangenen Freitag. 27.000 Dauerkarteninhaber hätten kommen dürfen, am Ende zählte Werder aber nur 15.024 Zuschauer. 12.000 Fans blieben trotz der Premiere des neuen Trainers Ole Werner einfach weg, ließen ihre bereits bezahlten Tickets verfallen. Wegen des Schmuddelwetters am Freitagabend? Wegen der Restgefahr im 2G-Stadion? Wegen des nicht sonderlich attraktiven Gegners?

Boss Klaus Filbry sorgt sich in der Corona-Pandemie um die Zuschauereinnahmen des SV Werder Bremen

Klar ist: Die Lust auf den SV Werder Bremen muss in der Rückrunde gewissermaßen „geboostert“ werden. Denn die Heimspiele, die gemeinhin als „Kracher“ oder Selbstläufer bezeichnet werden können, hat Werder bereits absolviert. Der HSV, Schalke, St. Pauli, Hannover 96 – sie alle haben sich schon in Bremen vorgestellt. In der Rückrunde sind die attraktivsten Gäste-Teams noch die aus Düsseldorf und Nürnberg. Darüber hinaus werden Karlsruhe, Ingolstadt, Dresden, Darmstadt, Sandhausen, Kiel und Regensburg im Wohninvest Weserstadion gastieren – Zuschauer-Magnete per se sind diese Gegner nicht. Die Ereignisse können wohl nur dann eine starke Anziehungskraft entwickeln, wenn Werder nach dem 4:0 gegen Aue erfolgreich bleibt und die Aufstiegschancen am Leben hält. Und zwar so lange wie möglich. Darauf setzt auch Filbry: „Wir hoffen, dass wir die gute Zuschauer-Tendenz durch eine positive sportliche Entwicklung der Mannschaft unter Ole Werner untermauern können.“ So könnte der Zuspruch noch gesteigert werden. Einschränkung: „Sofern es die pandemische Lage zulässt“, so Filbry.

Die Corona-Zahlen sind und bleiben die großen Unbekannten in der Bremer Rechnung, die eigentlich mit dem Saisonschnitt von 30.000 Zuschauern auf eine schwarze Null in der Bilanz des Geschäftsjahres hinauslaufen sollte. Diese Planung sei „aber sehr dynamisch“, schränkt Filbry ein. Anders gesagt: Eine lang anhaltende Zuschauer-Beschränkung würde alles über den Haufen werfen und aus der schwarzen Null eine rote Zahl machen. Eine dauerhafte Rückkehr der Geisterspiele wäre für Werder Bremen existenzbedrohend, das hat der Geschäftsführer oft betont. Die laufende Saison sei zwar durchfinanziert, „wir befinden uns aber nach wie vor in einer herausfordernden wirtschaftlichen Situation“.

Auf die kommende Transferphase blickt Klaus Filbry folglich trotz des kleinen Puffers mit der Brille der „kaufmännischen Vernunft“ und sagt lieber nichts über einen finanziellen Spielraum und eine etwaige Verstärkung für die Mannschaft: „Wir haben den Markt im Blick, werden die sportliche Lage analysieren und dann entscheiden, ob und wie wir agieren.“ (csa) Schon gelesen? So könnt ihr das Zweitliga-Spiel Werder Bremen gegen Jahn Regensburg live im TV und im Live-Stream gucken!

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