Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, hoffte vergeblich, dass die Bundesliga erst am 23. Mai wieder an den Start geht.
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Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, hoffte vergeblich, dass die Bundesliga erst am 23. Mai wieder an den Start geht.

Fußball-Bundesliga-Restart am 16. Mai

Werder-Sportchef Frank Baumann plant Trainingslager und fordert volle Fokussierung

Bremen – Die grundsätzliche Erlaubnis für die Fortsetzung der Bundesliga ist erteilt, auch der exakte Starttermin steht seit gestern fest – für Werder Bremen hat damit eine äußerst ungewöhnliche Vorbereitung auf den so wichtigen Saisonendspurt begonnen.

Sportchef Frank Baumann hat in einer Online-Medienrunde erklärt, worauf es für seinen Verein nun in den nächsten Tagen bis zum ersten Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen (Montag, 18. Mai, 20.30 Uhr) ankommt. 

„Es werden für uns komplett veränderte Abläufe sein“, sagte der 44-Jährige. Denn das, was jetzt komme, sei Neuland für alle Vereine der Liga. Für Werder Bremen stehen bis zum geplanten Ende der Serie zehn Partien an, gleich drei Englische Wochen hält der Spielplan für die Bremer bereit. „Das wird jetzt wie ein Turnier. Entscheidend ist, dass wir uns alle darauf einlassen, denn wir haben ja nach wie vor das große Ziel, dass Ende Juni für uns der Klassenerhalt steht“, sagte Baumann.

Laut Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) müssen sich alle Vereine vor dem Re-Start der Liga in ein siebentägiges Quarantäne-Trainingslager begeben. „Wir werden am Wochenende entscheiden, wo es für uns hingeht“, erklärte Baumann. Es dürfte vermutlich so laufen, dass sich Werder einfach in einem Bremer Hotel einquartiert und die bekannten Trainingsmöglichkeiten im und am Weserstadion nutzt.

Werder Bremen: Entscheidung über Quarantäne-Trainingslager fällt am Wochenende 

Aber auch ein Ausweichen ins Umland ist theoretisch denkbar. Fest steht, dass die Unterkunft den Anforderungen des DFL-Konzepts entsprechen muss.„Es gibt Hygienemaßnahmen, die erfüllt werden müssen“, sagte Baumann und verwies beispielsweise darauf, dass Werder Bremen während seines Aufenthalts keinen Kontakt zum Hotelpersonal haben darf. „Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass wir eine oder mehrere Etagen exklusiv für uns zur Verfügung haben“, erklärte Baumann. Ein ganzes Hotel zu reservieren, schloss der Manager aus.

Seit Mittwoch darf Werder wieder in Mannschaftsstärke trainieren, und auf Trainer Florian Kohfeldt kommt in den nächsten Tagen nun eine anspruchsvolle Aufgabe zu. Zum einen muss er seine Spieler wieder heiß auf den Wettkampf machen – „wir dürfen aber auch nicht überpacen“, warnte Baumann. Nach acht Wochen ohne gewohnten Trainingsbetrieb sei es wichtig, „wie wir den Übergang zu einer anderen Intensität im Teamtraining hinbekommen“. Sorgen darüber, dass die Mannschaft die enorme Belastung womöglich nicht verkraften kann, macht sich Baumann nicht: „Die Englischen Wochen sind kein Problem. Wenn wir voll im Rhythmus sind, können wir das gut wegstecken.“

Werder Bremen-Sportchef Frank Baumann: „Englische Wochen sind kein Problem“

Und genau das verlangt der Sportchef von den Spielern – dass sie sich jetzt voll und ganz auf ihren Beruf konzentrieren: „Es geht auch darum, die Sorgen ein stückweit beiseitezuschieben. Wir sind alle Profis, die so etwas ausblenden können. Unser kompletter Fokus muss auf dem Fußball liegen.“ Seiner Fürsorge gegenüber den Spielern werde der Verein selbstverständlich nachkommen, versicherte Baumann: „Die Gesundheit unserer Spieler ist unser Kapital.“ Alle Beteiligten müssten sich nun enorm verantwortungsbewusst verhalten, damit die Saison möglichst zu Ende gespielt werden kann.

Da der ausstehende Betrag aus der letzten Rate des TV-Geldes – im Falle von Werder Bremen sind es 15 Millionen Euro – nun pro absolviertem Spieltag ausgeschüttet wird, „wäre es sehr hilfreich, wenn wir die Saison beenden könnten“, betonte Baumann. „Deswegen ist es wichtig, dass wir in den nächsten Wochen sehr, sehr diszipliniert auftreten und nichts gefährden.“ Zur Erinnerung: Werders finanzieller Verlust durch die Coronakrise würde sich durch das volle TV-Geld auf etwa 20 Millionen Euro reduzieren, da die Bremer das Geld der Rechteinhaber – anders als andere Clubs – nicht bereits verpfändet haben.

Werder Bremen: Frank Baumann missfällt der Bundesliga-Starttermin

Auch abseits aller Finanzen ist Baumann froh darüber, dass es jetzt endlich wieder losgeht: „Wir sind ja Sportler und lieben den Fußball.“ Mit dem Starttermin hat er aber nach wie vor Probleme. „Aus sportmedizinischer Sicht und wegen der Verletzungsprävention sind acht Tage Vorbereitung nach einer achtwöchigen Pause nicht optimal“, erklärte Baumann, der nun ein „gewisses Verletzungsrisiko“ fürchtet – und auch die Chancengleichheit der Vereine verletzt sieht.

So hatten einige Clubs schon länger in deutlich größeren Gruppen trainieren dürfen, als es in Bremen erlaubt gewesen war. Werders Sportchef hatte sich deswegen vor dem Neustart zwei Wochen Mannschaftstraining für alle Vereine gewünscht, hatte mit seinem Vorschlag, die Liga erst am 23. Mai fortzusetzen, bei der DFL aber kein Gehör gefunden. (dco)

Update: 6. Mai, 22.20 Uhr:

Werder Bremen blitzt bei der DFL ab: Bundesliga-Neustart am 15. Mai

Jetzt hat sich auch Werder-Sportchef Frank Baumann gegenüber der DeichStube zum Vorpreschen der DFL in der Terminfrage zum Bundesliga-Neustart geäußert. „Wir akzeptieren die Entscheidung des DFL-Präsidiums selbstverständlich, hätten uns allerdings insbesondere aus Gründen der Wettbewerbsintegrität einen etwas späteren Start gewünscht.“

Weiter zur ursprünglichen Meldung:

Bremen – Wo und wie Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, die Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochnachmittag verfolgt hat, ist nicht bekannt. Klar dürfte aber sein, dass der 44-jährige Manager zunächst mit großer Erleichterung auf das reagiert hat, was Merkel während ihrer Aufzählung der Lockerungen fast beiläufig fallen ließ: Die Bundesliga darf wieder spielen. Ab Mitte Mai.

Den exakten Starttermin solle die Deutsche Fußball-Liga (DFL) selbst festlegen. Für Werder Bremen waren das erstmal gute Nachrichten, richtig gute sogar – schließlich sichert die Fortsetzung der Saison, sollte diese denn tatsächlich zu Ende gespielt werden können, dem Verein die letzte TV-Geld-Rate in Höhe von 15 Millionen Euro, wodurch sich die wirtschaftlichen Verluste durch die Coronavirus-Krise deutlich reduzieren würden. Und dennoch dürfte es nicht allzu lange gedauert haben, ehe auf der Stirn von Baumann neue Sorgenfalten und in seinem Gesicht dann sogar Zornesröte auftauchte.

Die Sorgenfalten, weil Werder bei der Vorstellung womöglich schon am 15., 16. oder 17. Mai wieder spielen zu müssen, große Bauchschmerzen hatte. „Zur Gewöhnung an den Wettkampf nach rund zwei Monaten Wettkampfpause und zur Einschränkung eines Verletzungsrisikos bei den Spielern, die durch die Vielzahl der Partien in einem sehr knappen Zeitraum sehr stark beansprucht werden, werden wir uns dafür einsetzen, dass die Bundesliga am 23. Mai fortgesetzt wird“, hatte Frank Baumann am frühen Abend in einer Pressemitteilung verlauten lassen.

Werder Bremen: „Früherer Liga-Start ist deutlicher Wettbewerbsnachteil“

Nur wenige Stunden später waren diese Worte allerdings Makulatur und die Zornesröte in Baumanns Gesicht, denn die Entscheidung der DFL war da bereits bekannt geworden – einen Tag vor der Mitgliederversammlung am Donnerstag, auf der die Clubs das weitere Vorgehen eigentlich gemeinsam besprechen wollten.  

Zunächst berichtete die „Bild“-Zeitung, dass sich das DFL-Präsidium bereits auf den frühestmöglichen Starttermin festgelegt hat. Heißt: Am Freitag, 15. Mai, wird die Bundesligasaison mit der Partie Fortuna Düsseldorf gegen den SC Paderborn fortgesetzt – sprich mit dem 26. Spieltag, an dem Werder Bremen Bayer 04 Leverkusen empfängt. Die Vereine der 1. und 2. Bundesliga (startet ebenfalls am 15. Mai) wurden am Mittwochabend in einem Rundschreiben von der DFL über deren im Präsidium getroffenen Entscheidung informiert. Bei Werder dürfte das für großen Ärger gesorgt haben. Nicht nur, weil die Bremer gerne später starten wollten, sondern auch, weil ihr Vorstoß in diese Richtung innerhalb kürzester Zeit zur Luftnummer geworden war.

Werder Bremens Vorstoß wird innerhalb kürzester Zeit von der DFL filetiert

„Wir begrüßen die Entscheidung der Bundesregierung, die Spiele fortzuführen. Auch wenn Spiele ohne Zuschauer nicht der Optimalfall sind, ist diese Entscheidung für die Clubs von elementarer Bedeutung“, hatte Baumann sein schriftliches Statement begonnen, um dann festzuhalten, dass Werder einen frühen Bundesliga-Neustart für ungerecht hält. „Ein früherer Start der Liga würde für uns einen deutlichen Wettbewerbsnachteil darstellen, da an anderen Standorten bereits seit Wochen in zum Teil deutlich größeren Gruppen trainiert werden konnte.“

In der Tat läuft der Trainingsbetrieb am Osterdeich seit Anfang April in Kleingruppen von lediglich vier Spielern. Erst ab heute darf in Bremen wieder offiziell in Mannschaftsstärke geübt werden. Werder bleiben jetzt also nur wenige Tage Teamtraining, um sich für den Endspurt im Abstiegskampf zu wappnen, um sich den nötigen fußballerischen Feinschliff zu holen. Dabei geht es weniger ums Thema körperliche Fitness, denn daran haben die Spieler während ihrer Zeit im „Homeoffice“ zur Genüge gearbeitet. Es geht vielmehr ums Einspielen, um die mentale und physische Rückkehr in den Wettkampfmodus, die andernorts eben schon begonnen hat, in Bremen aber erst heute beginnt. 

Werder Bremens Bedenken spielen im Profifußball 2020 offenbar überhaupt keine Rolle

„Wir folgen hier auch den Empfehlungen, die an die Politik gegeben worden sind und die ein rund zweiwöchiges Mannschaftstraining vor dem Saisonstart vorsahen“, verdeutlichte Baumann, der sich diese Ausführungen im Nachhinein betrachtet auch hätte sparen können, weil sie gegen die Macht der Liga wirkungslos waren – weil sie die DFL womöglich nicht einmal erreicht haben.

Die Liga will spielen, so schnell wie möglich, denn ein späterer Starttermin hätte das Risiko bedeutet, dass in der Zwischenzeit doch wieder alles ins Wanken gerät. Zudem war der Solidargedanke unter den Vereinen während der Coronakrise bisher ohnehin nicht sonderlich ausgeprägt gewesen. Und ob ein Club wie Werder Bremen Bedenken äußert, spielt im Profifußball des Jahres 2020 offenbar schlichtweg überhaupt keine Rolle. (dco)

Zur letzten Nachricht vom 6. Mai, 17.30 Uhr:

Bundesliga-Neustart: Werder macht sich für späteren Termin stark

Nachdem die Politik am Mittwochnachmittag entschieden hat, den Weg für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga in der zweiten Maihälfte freizumachen, hat sich am Abend auch der SV Werder Bremen zu Wort gemeldet und einen Appell an die DFL und die anderen Clubs gerichtet.

„Wir begrüßen die Entscheidung der Bundesregierung, die Spiele fortzuführen. Auch wenn Spiele ohne Zuschauer nicht der Optimalfall sind, ist diese Entscheidung für die Clubs von elementarer Bedeutung. Für uns als Werder Bremen ist es nun sehr wichtig, schnellstmöglich das Mannschaftstraining wiederaufzunehmen“, wird Sportchef Frank Baumann auf „werder.de“ zitiert. 

Werder Bremen will sich für späteren Bundesliga-Neustart stark machen

Am Donnerstag soll im Rahmen der DFL-Mitgliederversammlung eine Entscheidung getroffen werden, wann der Ball in der Bundesliga wieder rollt. In Frage kommen eigentlich nur zwei Termine: Die Wochenenden rund um den 16. oder den 23. Mai. Werder favorisiert ganz klar den späteren Starttermin, wie Frank Baumann unmissverständlich klarstellt: „Zur Gewöhnung an den Wettkampf nach rund zwei Monaten Wettkampfpause und zur Einschränkung eines Verletzungsrisikos bei den Spielern, die durch die Vielzahl der Partien in einem sehr knappen Zeitraum sehr stark beansprucht werden, werden wir uns dafür einsetzen, dass die Bundesliga am 23. Mai fortgesetzt wird.“

Man wolle den Empfehlungen der Politik folgen, „die ein rund zweiwöchiges Mannschaftstraining vor dem Saisonstart vorsahen. Ein früherer Start der Liga würde für uns einen deutlichen Wettbewerbsnachteil darstellen, da an anderen Standorten bereits seit Wochen in zum Teil deutlich größeren Gruppen als in Bremen trainiert werden konnte. Im Sinne der Integrität des Wettbewerbs werben wir dafür, die Saison erst nach einem zweiwöchigen Mannschaftstraining wieder zu beginnen“, erklärt Baumann abschließend in der Pressemitteilung des SV Werder. (mwi)

Zur letzten Meldung vom 5. Mai 2020:

Werder Bremen in den Startlöchern

Bei Werder Bremen sind alle Voraussetzungen geschaffen. Mit einem Tag Verspätung teilte der Club am Dienstag mit, dass auch die zweite Testrunde ohne positiven Corona-Befund im Team ist. Damit ist das Team im Grunde startklar für die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings. Was aber noch fehlt, ist die Erlaubnis der Bremer Politik.

Und die orientiert sich wiederum an der Entscheidung, die Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Mittwoch fällen. Grünes Licht für die Bundesliga ist dann auch gleichbedeutend mit grünem Licht für ein Teamtraining bei Werder Bremen - logisch.

Offenbar geduldig warten die Bremer auf die Freigabe. Kreuzbrav reagiert der Club bislang auch auf das Vorpreschen des SC Paderborn. Der Tabellenletzte und direkte Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt hat schon am Montag damit begonnen, in voller Besetzung zu trainieren. Normalerweise ein Grund für Werder, auf die Barrikaden zu gehen, denn den Grundsatz gleiches Recht für alle hat Paderborn ignoriert. Werder zeigt bislang aber null Regung.

Werder Bremen: Noch steht nicht fest, gegen wen es zum Neustart gehen würde

Möglich, dass das Verhalten der Paderborner am Donnerstag in der nächsten DFL-Mitgliederversammlung zur Sprache kommen wird – wenn überhaupt jedoch nur als Randaspekt. Hauptthema wird die Wiederaufnahme der Punktspielrunde sein – sofern am Mittwoch aus Berlin tatsächlich das ersehnte Signal kommen sollte. 

Als Bundesliga-Starttermin ist der 15. Mai auserkoren, nicht auszuschließen aber, dass sich der Plan noch um eine Woche nach hinten verschiebt. Vom Start ist auch abhängig, wie der Spielplan aussehen wird. Bis jetzt steht angeblich noch nicht fest, gegen wen Werder nach der Pause als erstes antreten wird. (csa)

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