+
Die Bundesliga kehrt in der zweiten Maihälfte zurück. Das Comeback ist aber ein teuer erkauftes, das auf sehr wackeligen Beinen steht, findet DeichStube-Reporter Daniel Cottäus.

Geisterspiele ab 16. Mai?

Kommentar zum Bundesliga-Neustart: Teuer erkaufte und wackelige Rückkehr

Ein Kommentar von Daniel Cottäus. Das, was sich in den vergangenen Tagen immer mehr abgezeichnet hatte, was im Grunde schon vor der offiziellen Entscheidung der Politik zur Gewissheit geworden war, ist seit Mittwochnachmittag nun endgültig amtlich: Die Fußball-Bundesliga, die Mitte März wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen worden war, darf wieder spielen. 

Die Saison wird in der zweiten Maihälfte mit Geisterspielen fortgesetzt. Und das Aufatmen in den Chefetagen der 36 Proficlubs – es dürfte zusammengenommen von der Lautstärke her einem Torjubel im voll besetzten Stadion entsprochen haben. Gerettet! Zumindest vorerst. Denn die Begleitumstände machen deutlich, dass dieser Sieg des Fußballs für die DFL, ihre Vereine und Werder Bremen nicht mehr als ein Zwischenerfolg ist, der zum einen sehr, sehr teuer erkauft wurde und zum anderen auf äußerst wackeligen Beinen steht.

Umstrittene Bundesliga-Rückkehr in Coronavirus-Krise: Ist das noch mein Sport?

So hat die milliardenschwere Branche letztlich zwar die politische Debatte um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach wochenlanger und intensiver Lobbyarbeit gewonnen. Die gesellschaftliche, wie sich immer mehr abzeichnet, allerdings deutlich verloren. Außerhalb des Fußballs hielten sich die Freudenschreie über die Rückkehr der Bundesliga am Mittwoch doch arg in Grenzen. Denn selbst die treuesten Fans dürften in den vergangenen Wochen um folgende Fragen nicht herum gekommen sein: Ist das, in dieser Form, wirklich noch mein Sport? Möchte ich als Einzelner in Zukunft dazu beitragen, dass das moralisch-fragwürdige und maximal-profitgierige System Profifußball so weitermacht?

Nur damit an dieser Stelle keine Missverständnisse aufkommen: Dass der oft romantisierte Profibetrieb nichts anderes als ein streng kapitalistischer Wirtschaftszweig ist, ist keine neue Erkenntnis, für die es Corona gebraucht hätte. In der Krise wurde nun allerdings auch dem Letzten vor Augen geführt, wie weit die Branche tatsächlich schon in eine Parallelwelt abgedriftet ist. Der Maulkorb des 1. FC Köln für seinen besorgten Spieler Birger Verstraete sowie das entlarvende Video von Hertha-Profi Salomon Kalou stellten da nur die traurigen Höhepunkte dar. Und trugen ihren Teil dazu bei, dass DFL und Vereine massiv an öffentlichem Ansehen verloren haben.

Trotz allem ist eine Beendigung der Bundesliga-Spielzeit für Werder Bremen und Co. unsicher

Fußball, des Deutschen liebstes Kind? Diese Zeiten sind erstmal vorbei. Denn selbst wenn es technisch und finanziell umsetzbar ist: Dass Berufssportler alle paar Tage auf das Coronavirus getestet werden, Krankenschwestern und Pflegepersonal in Altenheimen aber nicht, rüttelt schwer am Gerechtigkeitssinn. Ebenso wie die Tatsache, dass Normalbürger im privaten und beruflichen Umfeld weiterhin auf Abstand zueinander gehen – sich bald aber vorm TV ansehen sollen, wie die Kontaktbeschränkungen für 22 Menschen auf einem Fußballplatz außer Kraft gesetzt sind.

Klar ist: Auch nach dem grünen Licht der Politik ist es keinesfalls sicher, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Sollte es trotz Hygiene-Konzept zu flächendeckenden Infektionen unter Spielern, Trainern und Betreuern kommen, wäre die Spielzeit endgültig nicht mehr zu retten. Und der Spuk wäre nach einigen Geisterspielen schon wieder vorbei. (dco)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare