Werder Bremen hat für den Fall eines Saisonabbruchs noch einen möglichen Joker in der Hinterhand: den Verkauf von Anteilen am Club.
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Werder Bremen hat für den Fall eines Saisonabbruchs noch einen möglichen Joker in der Hinterhand: den Verkauf von Anteilen am Club.

Droht eine Insolvenz?

Coronavirus-Krise: Der SV Werder Bremen will sich nicht verkaufen

Bremen - Viele Clubs haben diesen Joker in der Vergangenheit schon gezogen – Werder Bremen noch nicht. Das könnte sich durchaus auszahlen, sollten die Fußball-Bundesligisten im Zuge der Coronakrise in den nächsten Monaten in Existenz bedrohende Schwierigkeiten geraten.

Der Verkauf von Anteilen an der für den Profi-Sport ausgegliederten Kommanditgesellschaft dürfte in Bremen ein großes Thema werden, schließlich bietet es ein enormes finanzielles Potenzial. Die Werder Bremen GmbH & Co KG aA wird - je nach Herangehensweise – mit 350 bis 400 Millionen Euro bewertet. Da könnte der Verkauf von zehn Prozent der Anteile schon einige Probleme lösen. Doch so einfach, wie es klingt, ist es natürlich nicht. Werder will sich auch gar nicht verkaufen – zumindest noch nicht.

Coronavirus: Bei  Bundesliga-Stopp würde Werder Bremen 26 Millionen Euro verlieren

Die DeichStube hat bei Klaus Filbry nachgefragt. Der Werder-Boss ist in diesen schwierigen Tagen zwar durchaus gesprächsbereit und auskunftsfreudig, bittet bei diesem Thema aber um Nachsicht: „Ich möchte das aktuell nicht kommentieren.“ Offenbar ist diese so simpel erscheinende Lösung zu unrealistisch, um sie öffentlich zu diskutieren und damit Begehrlichkeiten zu wecken. Andererseits will Filbry diesen möglichen Rettungsanker auch nicht komplett verbal kappen. Wer weiß schon, was in den nächsten Wochen alles noch passiert.

Sollte die Bundesliga-Saison tatsächlich abgesagt werden, würde Werder Bremen wohl Einnahmen von mindestens 26 Millionen Euro verlieren. Den größten Batzen nimmt dabei das TV-Geld ein, die letzte Rate von Sky und Co. ist noch nicht geflossen, bei Werder geht es um etwa 16 Millionen Euro. Rund zehn Millionen Euro würden durch die fehlenden sechs Heimspiele (Tickets, Catering) fehlen. 

Coronavirus: Drohende Verluste aus Sponsorengeldern für Werder Bremen kaum zu verkraften

Offen ist, ob und wie viel die Sponsoren für nicht erbrachte Werbeleistungen von den ursprünglich vereinbarten Zahlungen von Werder Bremen zurückhalten würden. Auch in diesem Bereich wird zumeist in Raten – verteilt über die Saison – bezahlt. All diese drohenden finanziellen Verluste sind nicht nur für einen Club wie Werder Bremen kaum zu verkraften.

Gespräche werden bereits geführt. Werder ist vorbereitet. Natürlich spielt dabei auch das Thema Investor eine Rolle, aber nur eine Nebenrolle. Aus guten Gründen:

1.) Schon früher einmal hat Klaus Filbry betont, dass ein Verkauf von Anteilen möglichst nur in guten Zeiten erfolgen sollte, weil sonst der Preis viel zu niedrig ist. In dieser schwierigen Zeit droht Werder Bremen, dass sich der Club weit unter Wert verkaufen müsste.

2.) Es gab bislang keine Interessenten, mit denen sich Werder ernsthaft beschäftigt hat. Entweder waren die Angebote zu unseriös oder die Geldgeber wollten zu viel Einfluss, was angesichts der geltenden 50+1-Regel nicht nur verboten ist, sondern von Werder auch abgelehnt wird. Der Verein will Herr im eigenen Hause bleiben.

3.) Die Coronakrise sorgt auch für eine Wirtschaftskrise. Wer will und kann in diesen Zeiten überhaupt in einen Fußball-Club investieren? Viele Unternehmer müssen sich erstmal selbst retten.

Anteilsverkäufe bei Werder Bremen: Entscheidungsgewalt liegt allein beim Präsidium

Unmöglich ist der Verkauf von Anteilen bei Werder Bremen aber nicht. Laut Satzung dürfen 49 Prozent veräußert werden. Das kann aber nicht die dreiköpfige Geschäftsführung mit Klaus Filbry an der Spitze sowie Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald entscheiden. Auch nicht der sechsköpfige Aufsichtsrat. Dafür braucht es einen Gesellschafter-Beschluss – und damit liegt die Zukunft des Profisports in den Händen des eingetragenen Vereins SV Werder Bremen, der 100 Prozent der Anteile besitzt. 

Nur das elfköpfige Präsidium bestehend aus Präsident Hubertus Hess-Grunewald, den Abteilungsleitern der sechs Sparten (Fußball, Handball, Schach, Leichtathletik, Tischtennis sowie Turnspiele und Gymnastik) sowie Vize-Präsident Jens Höfer, Schatzmeister Axel Plaat sowie einem Sozial- und einer Jugendreferentin darf so eine Entscheidung treffen. Die Mitglieder müssten nicht befragt werden, könnten es aber.

Das positivste Beispiel, wie Anteile sinnvoll verkauft werden, bietet der FC Bayern München. Dort wurden aus den Sponsoren adidas, Allianz und Audi auch strategische Partner, die jeweils 8,33 Prozent der Aktien besitzen. Dafür zahlte das Trio insgesamt rund 280 Millionen Euro und sicherte sich damit ab, dass kein direkter Konkurrent als Sponsor einsteigen kann. Natürlich muss das Sponsoring Jahr für Jahr extra bezahlt werden.

Topclubs sind Werder Bremen bei strategischen Sponsoring-Partnern weit voraus

So eine Lösung wünscht sich auch Werder Bremen, hat aber noch keinen entsprechenden strategischen Partner gefunden. Da sind die Topclubs mit ihrer enormen Strahlkraft absolut im Vorteil. Wie zum Beispiel Borussia Dortmund, ein Verein, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden. Ausrüster Puma, der bisherige Top-Sponsor Evonik und Stadion-Namensgeber Signal Iduna haben Aktienpakete erworben.

Durch die 50+1-Regel ist es Vereinen im deutschen Profi-Fußball – anders als zum Beispiel in der englischen Premier League - untersagt, sich mehrheitlich zu verkaufen. Einige Clubs haben zwar längst mehr Anteile als die erlaubten 49 Prozent abgegeben, aber diese Anteile besitzen kein Stimmrecht. Deshalb ist es erlaubt. Für einen Investor ist das eigentlich uninteressant, weil er trotz eines enormen finanziellen Einsatzes nur bedingt mitbestimmen darf.

Coronavirus: Werder Bremen und der offene Joker, noch Anteile verkaufen zu können

Hertha BSC, der Hamburger SV, der VfB Stuttgart und Hannover 96 sind einige Beispiele, bei denen sich Vereine schon Geld über den Verkauf von Anteilen besorgt haben. Meistens wurden diese Finanzmittel komplett in die Mannschaft investiert, um sportlich wieder in die Spur zu kommen. Gelungen ist das nicht wirklich, der HSV, der VfB und 96 spielen nur noch in der Zweiten Liga, der geplante Wiederaufstieg ist alles andere als einfach. Die finanziellen Probleme werden mit jedem Jahr in der Zweitklassigkeit größer, die Möglichkeiten, sich durch den Verkauf von Anteilen frisches Geld zu besorgen immer geringer.

Da geht es Werder Bremen noch besser. Der Joker, Anteile zu verkaufen, blieb bislang unangetastet – und kann für ganz schlechte Zeiten noch herausgeholt werden. Ob er dann allerdings noch sticht, wird sich zeigen. (kni)

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