Geschäftsführer Klaus Filbry wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Werder Bremen schlecht gewirtschaftet habe.
+
Geschäftsführer Klaus Filbry wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Werder Bremen schlecht gewirtschaftet habe.

Coronavirus-Krise

Klaus Filbry im „Doppelpass“: So geht der Werder-Boss mit dem Kölner Corona-Rückschlag um

München/Bremen – Trotz der drei positiven Coronavirus-Fälle beim 1. FC Köln hofft Klaus Filbry, Geschäftsführer von Werder Bremen, weiter auf einen Neustart der Bundesliga noch im Mai.

„Ich würde mich freuen, wenn wir am 16. oder 23. Mai wieder spielen. Aber die Entscheidung darüber obliegt der Politik“, sagte Filbry am Sonntag als zugeschalteter Talkgast in der Sport1-Sendung „Doppelpass“. Sein Glaube: „Darüber wird auch in den nächsten ein, zwei Wochen entschieden.“ Außerdem wehrte sich der 53-Jährige gegen den Vorwurf, Werder Bremen sei durch eigenes Verschulden in die prekäre finanzielle Lage geraten, in der der Club derzeit steckt. Und: Wenn die Bundesliga wieder spielen sollte, dann wird Werder seine Heimspiele im Weserstadion austragen. Davon ist Filbry trotz einer skeptischen Haltung der Bremer Politik überzeugt.

Bevor gespielt wird, muss aber geklärt werden, wie sehr der Fall 1. FC Köln, bei dem am vergangenen Donnerstag zwei Spieler und ein Physiotherapeut positiv auf den Coronavirus getestet worden waren, die Bundesliga-Pläne für einen Re-Start gefährdet. Filbry sagt es so: Der Fußball habe „als Branche seine Hausaufgaben“ gemacht, das Hygiene- und Gesundheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga habe „drei Ministerien durchlaufen“, sei als schlüssig und gut akzeptiert worden. Unterton: Mehr können die Clubs nicht tun. Aussage: Die Politik und die Gesundheitsämter müssen entscheiden.

Klaus Filbry von Werder Bremen: Gesundheitsamt entscheidet über Quarantäne

Dass beim 1. FC Köln trotz der positiven Fälle weiter trainiert werden soll, sei auch von Amtsseite gedeckt. Filbry: „Nicht der 1. FC Köln hat diese Entscheidung getroffen, sondern – wie im Konzept vorgesehen – das Gesundheitsamt.“ Ob Mitspieler als Risikogruppe 1 oder 2 angesehen werden, deshalb eine Zwei-Wochen-Quarantäne angeordnet wird oder nicht, würde ebenfalls nicht in den Clubs, sondern in den Behörden entschieden.

Mehr als ein Randaspekt wird jedoch die Haltung der Spieler sein. In Birger Verstraete, Profi des 1. FC Köln, hat nun der Erste seinen Unmut über die Vorgehensweise geäußert. Als Mitspieler nicht unter Quarantäne gestellt zu werden und einfach so weiterzumachen, sei „ein bisschen bizarr“, sagte der Belgier, dessen Lebensgefährtin zu einer Risikogruppe gehört.

Klaus Filbry: Werder Bremen hat „sehr vernünftig gewirtschaftet“

Was also tun, wenn ein Spieler bei einem positiven Corona-Fall im Team nicht mehr trainieren oder spielen möchte? „Der falsche Weg wäre es, gleich die juristische Keule herauszuholen“, meint Filbry: „Der Weg der Überzeugung ist der richtige. Man muss den Spielern erklären, dass das Gesundheitskonzept ein engmaschiges Netz ist, das ein hohes Maß an Sicherheit verspricht.“ Verstraetes Vorstoß zeigt allerdings, dass daran nicht jeder Spieler glaubt.

Ein anderes Thema: die Finanznot bei Werder Bremen. Erstmals seit Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft muss der Club Schulden machen, um den Spielbetrieb abzusichern. Die Frage, der sich Klaus Filbry im „Doppelpass“ stellen musste: Wurde schlecht gewirtschaftet? Wer hat den Karren in den Dreck gefahren? Klare Antwort von Filbry: Corona war's! „Wir haben wirtschaftlich sehr vernünftig gewirtschaftet. Aber die Corona-Krise hat einfach eine andere Dimension“, erklärt der Vorsitzende der Bremer Geschäftsführung. Auf 40 bis 45 Millionen Euro taxiert er im schlimmsten Fall den finanziellen Schaden für Werder: „Wir sind vor Probleme gestellt, die wir nicht antizipieren konnten.“

Werder Bremen: Geisterspiele im Weserstadion für Klaus Filbry klar

Unterstützung für Filbry kam von Willi Lemke, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzende und Manager des SV Werder Bremen. „Wie willst du dich ausreichend absichern, wenn ein Virus die ganze Welt befällt?“, fragte der 73-Jährige und regte für die Zukunft an, Vorsorgemaßnahmen unter dem Dach der Deutschen Fußball-Liga zu bündeln: „Wir könnten einen Risikofonds bilden und dafür einen Teil der TV-Gelder einsetzen.“

Für den Augenblick ist es allerdings zu spät, und Werder kann nur hoffen, dass zeitnah wieder gespielt wird in der Bundesliga – mit Geisterspielen auch in Bremen. Dass das trotz der Vorbehalte der Bremer Politik – befürchtet werden Fanansammlungen vor dem Stadion – möglich sein wird, davon ist Filbry mittlerweile überzeugt: „Wir hatten sehr vernünftige Gespräche. Wir werden im Wohninvest-Weserstadion spielen. Das ist in meinen Augen klar.“ (csa)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare