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Frank Baumann und der SV Werder Bremen akzeptieren den von der DFL verhängten Maulkorb für die Bundesliga-Clubs.

Bundesliga-Clubs müssen Füße stillhalten

Werder akzeptiert den Maulkorb der DFL und schweigt

Bremen/Frankfurt – Der Begriff „Maulkorb“ ist keinem Fußball-Club fremd. Im Grunde ist so ein Maulkorb in der Branche sogar ein anerkanntes Instrument zur Gefahrenabwehr. Läuft was schief im Club? Tanzt ein Spieler aus der Reihe? Mund halten! Und zwar alle! Weshalb aktuell aufgehorcht werden muss.

Denn die DFL hat ihren Clubs und auch Werder Bremen ganz offiziell einen Maulkorb umgehängt. Kein Verein darf sich mehr öffentlich über die Ergebnisse der Covid19-Tests äußern.

Die Kommunikation, so heißt es, werde zentral gesteuert. In einer Mail an die Vereine ordnete DFL-Direktor Ansgar Schwenken an, dass „von eigenen Verlautbarungen abzusehen“ sei. Und so sprach am Montag kein Clubvertreter darüber, dass in der ersten Testreihe zehn positive Coronavirus-Fälle in Liga eins und zwei nachgewiesen wurden. Und die Resultate des zweiten Durchgangs, die ebenfalls längst zu einem Großteil vorliegen müssten, wurden zur Geheimsache.

Werder Bremen: Zehn Coronavirus-Infektionen in der Bundesliga

Auch Werder Bremen, das über das erfreuliche Null-Treffer-Ergebnis des ersten Test-Durchgangs noch transparent berichtet hatte, schweigt sich diesmal eisern aus. Sportchef Frank Baumann war zu keiner Stellungnahme bereit, ein Sprecher sagte, dass der Club dem Wunsch der DFL nachkomme und sich zurückhalte.

Der Maulkorb – er wirkt bei Werder. Dabei muss man sich fragen, wieso er überhaupt eingesetzt wird. Am Ergebnis der ersten Testreihe kann es nicht liegen. Denn von 1724 durchgeführten Analysen bei Spielern, Trainern und Betreuern der 36 Bundesliga-Clubs waren nur zehn positiv – das ist kein Grund, die Burgtore hochzuziehen. Drei Fälle können dem 1. FC Köln zugeordnet werden, einer dem Zweitligisten Dynamo Dresden (der gegen den Maulkorberlass verstoßen hat). Die sechs weiteren Infizierten gelten als unbekannt. Die DFL hält die entsprechenden Infos zurück.

DFL feiert sich für „funktionierendes“ Hygiene- und Gesundheitskonzept

Öffentlichkeitswirksam feiert sich der Liga-Verband dagegen für sein funktionierendes Konzept. Nur etwas mehr als 0,5 Prozent positive Tests sind akzeptabel und waren erwartbar, findet die DFL. „Die in den vergangenen Tagen erfolgten Tests haben ihren Zweck erfüllt, für zusätzliche Sicherheit zu sorgen und so die Spieler bestmöglich vor Ansteckung im Mannschaftstraining oder Spielbetrieb zu schützen“, heißt es in einer Mitteilung.

Das Ergebnis der zweiten Testreihe wurde noch nicht zentral veröffentlicht. Der 1. FC Köln teilte dennoch – und aus gegebenem Anlass – mit, dass bei ihm alle weiteren Tests negativ ausgefallen seien. Und der SC Paderborn startete noch am Montagnachmittag ins Mannschaftstraining, nachdem das Team vermutlich auch bei der zweiten Überprüfung ohne Befund geblieben war.

Werder Bremen: Alles gut für die Bundesliga? Mitnichten!

Alles gut für den Fußball? Eben nicht. Denn ein von Hertha-Profi Salomon Kalou gedrehtes Facebook-Live-Video zeigte, dass die Spieler – jedenfalls die Berliner – es mit den Schutzmaßnahmen offenbar weit weniger ernst nehmen, als sie es sollten (siehe Bericht auf der folgenden Seite).

Der SV Werder Bremen hat stets betont, dass in Bremen alle Regeln des Hygiene- und Gesundheitskonzeptes eingehalten werden. Dass das System an sich aber Schwächen hat, liegt auf der Hand. Die Corona-Tests werden im Stadion von einem dem Verein nahestehenden Mitglied der medizinischen Abteilung vorgenommen. Und so läuft es auch bei Werder. Der eigene Hygienebeauftragte, das hatte Geschäftsführer Klaus Filbry am Sonntag bestätigt, sorge für die Einhaltung der Anti-Corona-Regeln, da das Gesundheitsamt dies nicht leisten könne. Heißt also: Werder kontrolliert die den Verein kontrollierenden Mechanismen selbst. Nicht ideal.

Salomon Kalou nach Video-Eklat bei Hertha BSC suspendiert

Und ob sich die DFL mit ihrem Maulkorb für die Clubs einen Gefallen getan hat, darf auch bezweifelt werden. Denn Anja Stahmann, die Vorsitzende der Sportminister-Konferenz, hatte vom Profi-Fußball gerade noch „höchstmögliche Transparenz“ gefordert. Immerhin lobte die Grünen-Politikerin aus Bremen zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung über einen Neustart der Liga aber das DFL-Konzept im Grundsatz. Es sei etwas, „mit dem man arbeiten kann. Da hat man sich nicht versucht durchzuschummeln.“

Gilt das auch noch für den Umgang mit Testergebnissen und Spielerverhalten? Der Maulkorb der DFL für die Clubs und der Umgang mit dem ausscherenden Köln-Profi Birger Verstraete, der das Vorgehen von Vereinen und Verband als „bizarr“ und „naiv“ bezeichnet hatte und daraufhin rüde von seinem Arbeitgeber zurückgepfiffen wurde, zeichnen ein etwas anderes Bild. Salomon Kalou, dessen unerlaubt gedrehtes Video offenbar nur die Realität abbildete, wurde von Hertha BSC umgehend suspendiert. (csa/dpa)

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