DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wirbt um Verständnis für Geisterspiele. Denn für die Clubs ist es „überlebensnotwendig, noch so viele Spiele wie möglich zu absolvieren“.
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DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wirbt um Verständnis für Geisterspiele. Denn für die Clubs ist es „überlebensnotwendig, noch so viele Spiele wie möglich zu absolvieren“.

Die Bundesliga und das Coronavirus

Werder und Co. müssen „Extremst-Szenarien“ berechnen

Frankfurt/Main - Während die Bundesliga wegen des Coronavirus weiter pausiert, wirbt die DFL um Verständnis für mögliche Geisterspiele. Für viele Clubs geht es um die Existenz. Werder Bremen und Co. müssen jetzt wirtschaftliche „Extremst-Szenarien“ errechnen.

Die Bundesliga und die 2. Liga unterbrechen ihren Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Krise bis mindestens zum 2. April. Das wurde während der Mitgliederversammlung der 36 in der Deutschen Fußball-Liga (DFL) organisierten Profi-Clubs am Montag in Frankfurt/Main beschlossen. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir nicht davon ausgehen, ab dem 3. April wieder zu spielen“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. In der Woche ab dem 30. März wollen sich die Vereine erneut abstimmen.

Geisterspiele seien „in naher Zukunft die einzige Chance“, äußerte Seifert zudem. „Deshalb bitte ich um Verständnis und Unterstützung, dass wir darüber nachdenken müssen.“ Es gebe „keinen Zweifel, dass die Eindämmung des Coronavirus Vorrang vor allem hat“. Es sei aber für viele Clubs „überlebensnotwendig, noch so viele Spiele wie möglich zu absolvieren“, sagte Seifert und kündigte an: „Alle Clubs erstellen jetzt Extremst-Szenarien hinsichtlich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.“ Also auch Werder Bremen. Der DFL geht es darum, einen Überblick zu bekommen, welcher Club wirtschaftlich wie lange durchhält.

Werder Bremen und die Bundesliga: „Unsicherheit unser zweitgrößter Feind“

Seifert sprach von der „schwierigsten Phase unseres ganzen Berufslebens“. Es gebe mehr offene Fragen als Antworten. „Wir wissen auch nicht, was morgen auf uns wartet“, sagte der 50-Jährige. „Wenn der Coronavirus unser größter Feind ist, ist die Unsicherheit unser zweitgrößter Feind.“ Die Clubs einigten sich in dem Tagungshotel am Flughafen Frankfurt/Main auf einen „Notfall-Paragrafen“, damit Entscheidungen schneller und unkomplizierter getroffen werden können.

Am vergangenen Freitag hatte die DFL nach massiver Kritik und langem Hin und Her den eigentlich für das Wochenende geplanten 26. Spieltag abgesagt. Die Branchengrößen hatten das zögerliche Krisenmanagement im Anschluss auch mit finanziellen Zwängen begründet. Hintergrund sind Zahlungen aus dem milliardenschweren TV-Vertrag, die nur fällig werden, wenn auch tatsächlich gespielt wird.

Coronavirus-Krise: „Steht mehr auf dem Spiel als ein paar Fußballspiele“

„Mir ist bewusst, dass der Profifußball von außen oft als reines Milliardengeschäft gesehen wird“, sagte Seifert. „Ein Sachverhalt findet nicht immer Beachtung: Der Kern ist natürlich das Spiel. Dahinter steht aber inzwischen deutlich mehr. In den letzten Jahren sind 56.000 Vollzeit- und Teilzeitarbeitsplätze entstanden, dazu kommen 10.000 weitere Jobs in angrenzenden Bereichen.“ Seifert malte ein bedrohliches Szenario: „Ehrlicherweise ist das der erste Moment, an dem die Bundesliga zugeben muss: Ja, wir stellen ein Produkt her. Und wenn wir das nicht mehr herstellen können, gibt es uns nicht mehr. Es steht mehr auf dem Spiel als ein paar Fußballspiele.“

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte unlängst von der „größten Krise des deutschen Profi-Fußballs“ gesprochen. Sollte die Saison wegen der Krise nicht beendet werden können, drohen Einnahmeverluste in Höhe von rund einer dreiviertel Milliarde Euro. Auch deshalb war längst über Solidarfonds innerhalb der Ligen diskutiert worden.

Bundesliga-Saison soll regulär zu Ende gehen - mehr Zeit wegen EM-Verlegung?

Über einen Komplett-Abbruch der Saison wurde gesprochen, konkrete Szenarien dafür gibt es aber laut Seifert noch nicht. „Alle Clubs haben den Anspruch, in irgendeiner Art und Weise – solange rechtlich möglich und gesundheitlich vertretbar – die Saison regulär zu Ende kommen zu lassen“, sagte Seifert und verwies auch auf eine entscheidende Konferenz der Europäischen Fußball-Union am Dienstag.

Dann berät die UEFA über die Verlegung der Fußball-EM 2020 in den kommenden Winter oder den Sommer 2021. Sollte das Turnier aufgrund der Verbreitung von Sars-CoV-2 wie erwartet nicht wie ursprünglich geplant vom 12. Juni bis zum 12. Juli stattfinden, hätten die nationalen Ligen bis zum 30. Juni Zeit, ihre Saison abzuschließen. „Ich gehe davon aus, dass die nationalen Ligen mit dem morgigen Tag mehr Flexibilität haben“, sagte Seifert am Montag. (dpa/han)

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