DeichStube-Reporter Björn Knips (re.) im Gespräch mit Werder Bremen-Boss Klaus Filbry (li.) Betway-Marketingchef Maik Brodowski.
+
DeichStube-Reporter Björn Knips (re.) im Gespräch mit Werder Bremen-Boss Klaus Filbry (li.) und Betway-Marketingchef Maik Brodowski.

Interview der DeichStube

„Da gehört Werder Bremen zu den Top-Clubs“: Betway vor Vertragsverlängerung - Filbry kritisiert FC Bayern beim Thema Wetten

Bremen – Wer Fußball schaut, der kann die Werbung der Wettanbieter fast schon auswendig – so präsent ist die allerdings nicht unumstrittene Branche. Fast jeder Club hat einen eigenen Wettanbieter in seinem Sponsorenpool, kassiert damit jede Menge Geld. Beim SV Werder Bremen waren es bis zum Abstieg 1,5 Millionen Euro, die Betway, ein Unternehmen mit Sitz auf Malta, nach Bremen überwiesen hat – danach etwa 40 Prozent weniger. Der Ende Juni auslaufende Vertrag steht kurz vor der Verlängerung. Die DeichStube sprach mit Maik Brodowski, Betways Marketingchef für Deutschland, und Werder-Boss Klaus Filbry über die weitere Zusammenarbeit, aber auch über Spielsucht und über Besonderheiten in Bremen und Bayern.

Herr Brodowski, welche Wette würden Sie gerne mal zum Thema Werder anbieten?

Maik Brodowski: Sehr gerne zu Spielen in einem internationalen Wettbewerb.

Herr Filbry, schrillen da bei Ihnen als Werder-Boss nicht sofort die Alarmglocken, weil die Erwartungshaltung schon gleich wieder Richtung Europa geht?

Klaus Filbry: Mich freut das Vertrauen unseres Sponsors in unsere sportlichen Fähigkeiten, aber wir gehen da Schritt für Schritt vor.

Schon gelesen? Zwei neue „Top-Partner“: Werder Bremen freut sich über Einnahmen in Millionenhöhe

Werder Bremen-Boss Klaus Filbry: „Ich würde gerne zum Pokalfinale in Berlin“

Welche Wette würden Sie sich denn mal über Werder wünschen?

Filbry: Zum Pokalfinale in Berlin! Da würde ich gerne mal hin. Wir waren in den vergangenen Jahren nah dran, deswegen haben wir dieses gemeinsame Ziel.

Herr Brodowski, wurden nach dem Abstieg mehr oder weniger Wetten mit Bezug zu Werder platziert?

Brodowski: Das hält sich die Waage. Die 2. Liga war in dieser Saison einfach sehr attraktiv, das spiegelt sich auch im Wettverhalten wider. Wichtiger als die Ligazugehörigkeit ist die Tatsache, wie viele Fans ein Club mitreißen kann. Und da gehört Werder definitiv zu den Topclubs in Deutschland.

Betway ist seit fünf Jahren Sponsor bei Werder, Ende Juni läuft der Vertrag aus - wie geht es weiter?

Brodowski: Wir sind damals bewusst den Schritt in die 2. Liga gegangen, weil der Verein einfach sehr emotional verankert ist in der Region. Wir gratulieren Werder Bremen zum Aufstieg und freuen uns gemeinsam auf spannende Begegnungen in der kommenden Saison.

Werder Bremen vor Vertragsverlängerung mit Sponsor Betway: „Der Vertrag hat ein relevantes finanzielles Volumen“

Wie wichtig wäre für Werder eine Verlängerung?

Filbry: Sehr wichtig, weil Betway ein verlässlicher Partner ist, der sich auch für das Thema Suchtprävention einsetzt. Dieses Thema ist uns sehr wichtig. Genauso wie die Tatsache, dass Betway in Deutschland lizenziert ist. Und so ehrlich muss man auch sein: Der Vertrag hat ein finanziell relevantes Volumen.

Beim SV Werder wird stets die soziale Verantwortung betont, doch jeder weiß: Glücksspiel kann süchtig machen. Fast 500.000 Frauen und Männer in Deutschland gelten als spielsüchtig. Wie passt da eine Partnerschaft mit einem Wettanbieter ins Konzept des Vereins?

Filbry: Sucht ist nicht nur ein Thema, das in Zusammenhang mit Wetten steht. Da kann es auch um Ernährung, Tabak oder Alkohol gehen. Man muss grundsätzlich als Gesellschaft damit achtsam umgehen. Es gibt besonders suchtgefährdete Altersgruppen – vor allem die unter 18-Jährigen. Da hat sich Betway klar positioniert. Das gilt auch für das Thema Prävention, hier ist Betway sehr engagiert. Durch die Lizenzierung müssen gewisse Auflagen erfüllt werden. Das alles zusammen macht es für uns möglich, diese Partnerschaft zu leben.

Die Werder-Aufsichtsrätin Ulrike Hiller ist davon offenbar nicht ganz so überzeugt. Sie hat gefordert, dass alle Glücksspiel- und Wettangebote unter staatliche Aufsicht gestellt werden sollten. Wie finden Sie das, Herr Brodowski?

Brodowski: Wir sind ein lizenzierter Sportwettenanbieter und unterliegen damit dem Glücksspielstaatsvertrag. Deswegen sehe ich da für uns kein Problem, wir sind doch unter staatlicher Aufsicht. Wichtig ist, dass die Kundinnen und Kunden wissen, wer lizenziert und damit reguliert ist – und wer nicht. Daran müssen Industrie und Politik gemeinsam arbeiten.

Werder Bremen: Werbeverbot für Sportwetten-Anbieter? „Das sorgt in erster Linie für eine Abwanderung auf den Schwarzmarkt“

Was heißt reguliert?

Brodowski: Wir bieten in Deutschland nur Sportwetten an, also kein Casino, kein virtuelles Automatenspiel. Es darf keine Wettangebote mehr für Fußballspiele unterhalb der 3. Liga geben. Es darf auch nicht mehr auf die erste Gelbe Karte oder den ersten Einwurf gewettet werden. Da ist das Manipulationsrisiko sehr groß. Darüber hinaus ist für uns die Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden wichtig. Wir weisen sie auf ihr Verhalten hin, haben Algorithmen entwickelt, die problematisches Wettverhalten frühzeitig erkennen.

Trotzdem landen auch Kunden von Betway in der Spielsucht. Spüren sie da keine besondere Verantwortung?

Brodowski: Das ist natürlich ein schmaler Grat. Aber unser Produkt ist lizenziert, wir halten uns an die Regularien. Unser oberstes Ziel ist es, ein sicheres und kontrollierbares Spielerlebnis zu ermöglichen. Zum Schutz der Kundinnen und Kunden haben wir ein umfangreiches Maßnahmenpaket etabliert – sowohl im direkten Kontakt als auch über unsere eigenen Informationskanäle. Deswegen muss es uns auch möglich sein, dieses Produkt zu bewerben. Problematisch ist der unregulierte Markt. Es gibt in Deutschland über 350 nicht-lizenzierte Anbieter, da existiert kein Jugendschutz und kein Spielerschutz.

Nun ist Bremen kein einfaches Pflaster für Wettanbieter. Bwin musste 2006 von der Werder-Brust und den Werbebanden im Weserstadion verschwinden, weil es die Politik so wollte. Nun macht sich Innensenator Ulrich Mäurer erneut für ein Werbeverbot für Ihre Branche stark. Wie gehen Sie damit um?

Brodowski: Das kann man nur im Dialog lösen. Es geht darum, dass der Glücksspielstaatsvertrag umgesetzt und der Markt kanalisiert wird. Dazu gehört auch eine verantwortungsvolle Werbung.

Filbry: Wir stimmen alles, was wir mit Betway umsetzen, mit dem Innenressort ab. Uns wurde auch bestätigt, dass es keinen Bremer Sonderweg geben wird und man sich dem Glücksspielstaatsvertrag verbunden fühlt. Aber natürlich hat man in der Behörde auch eine bestimmte Position zum Thema Glücksspiel und Wetten als solches. Das ist legitim.

Betway-Marketing-Chef: „Wir sind froh, mit Werder Bremen einen verlässlichen Partner zu haben“

Kann so ein kritisches Umfeld eine Rolle bei einer Vertragsverlängerung spielen?

Brodowski: Das kann es. Aber wir sind froh, mit Werder einen verlässlichen Partner zu haben.

In England gibt es erste Clubs, die nicht mehr für Wettanbieter werben wollen. Was bedeutet das für Betway?

Brodowski: Ein Werbeverbot sorgt in erster Linie für eine Abwanderung auf den nicht regulierten Schwarzmarkt und damit eine Stärkung desselben. Deswegen ist es uns wichtig, dass wir eine Lizenz vorzeigen können. Für die TV-Werbung ist das verpflichtend, im Online-Bereich nicht unbedingt. Wir wollen aber auch dort den Kundinnen und Kunden zeigen, dass wir ein reguliertes Produkt anbieten.

In der Bundesliga gibt es auch Vereine, die für nicht lizenzierte Wettanbieter werben. Wie geht das, Herr Filbry?

Filbry: Das müssen Sie diese Vereine Fragen. Uns ist dieses Thema wichtig und wir sind froh, mit Betway einen verantwortungsvollen Partner zu haben.

Werder hat allerdings bis vor einem Jahr auch für einen chinesischen Wettanbieter geworben. Der wird kaum eine regulierende Lizenz besessen haben, oder?

Filbry: Wir haben uns intensiv mit diesem Unternehmen auseinandergesetzt, es im Sinne der vor Ort gültigen Richtlinien geprüft und viele Gespräche in diese Richtung geführt. Wir haben genau hingeschaut.

Werder Bremen-Boss Klaus Filbry über die Zusammenarbeit mit Sponsoren: „Nachhaltigkeit ist ein großes Thema“

Was in China sicher nicht einfach ist. Wie passen so umstrittene Partnerschaften mit dem gerne verbreiteten Bild vom guten SV Werder zusammen, der für soziale Verantwortung stehen will?

Filbry: Das ist in der Tat ein schmaler Grat, denn die Anerkennung für soziale Verantwortung haben wir uns über zwei Jahrzehnte mit viel authentischem Engagement aufgebaut. Wir schauen bei unseren Partnern genau hin und treffen Einzelentscheidungen. Und es gibt Sachen, die wir definitiv nicht machen würden.

Welche?

Filbry: Da möchte ich jetzt keine Branche an den Pranger stellen. Wir haben Sponsoren, mit denen wir uns auch entwickelt haben. Nehmen wir unseren Hauptsponsor Wiesenhof. Der kommt auch aus einer Branche, die immer mal wieder kritisiert wird. Innerhalb unserer langjährigen Partnerschaft konnten wir an dieser Stelle über vieles aufklären und mittlerweile wirbt das Unternehmen auf einem unserer Trikots auch für seine vegane Marke. Und unser Ausrüster Umbro produziert mittlerweile aus nachhaltigen Materialien unsere Trikots. Man macht sich gemeinsam mit diesen Unternehmen auf eine Reise, da ist soziale Nachhaltigkeit inzwischen ein großes Thema.

Seit Sommer dürfen keine Spieler und Funktionsträger eines Clubs mehr Werbung für einen Wettanbieter machen. Ex-Profis schon – warum nutzt Betway diese Möglichkeit nicht?

Filbry: Da möchte ich kurz einhaken. In unserem föderalen System wird das Thema in den einzelnen Ländern schon sehr unterschiedlich behandelt. Am Beispiel Bayern sieht man, dass dort clevere Juristen den bayerischen Wettanbieter unterstützt haben, um doch Spieler in die Vermarktung integrieren zu können. In Ordnung ist das nicht.

Schon gelesen? Transfer-Coup: Werder Bremen verpflichtet ablösefreien Niklas Stark von Hertha BSC!

Werder Bremen-Boss Klaus Filbry über Sportwetten-Werbung: „Mir ist das manchmal zu martialisch“

Sie sprechen den FC Bayern und Tipico an, in deren Werbung immer noch Spieler auftauchen.

Filbry: Und zwar gemeinsam und damit dann als Mannschaft. Somit wirbt der Verein und es ist erlaubt. Zumindest, wenn man die Gesetze juristisch sehr weit dehnt.

Ist das in Bremen nicht möglich?

Filbry: Wir stimmen alles mit den politischen Entscheidungsträgern ab, weil es nur gemeinsam geht. Juristische Spitzfindigkeiten gehören sich einfach nicht.

Herr Brodowski, warum nehmen Sie dann in Bremen keinen Ex-Spieler als Werbegesicht?

Brodowski: Bislang waren wir bei der Suche nach einem passenden Repräsentanten für Betway noch nicht erfolgreich. So eine Zusammenarbeit birgt auch Risiken, weil negative Ereignisse rund um so eine Person auf die Marke abstrahlen können. Wir fühlen uns mit unserer emotionalen Werbung sehr wohl und freuen uns, wenn wir eine Persönlichkeit finden, die die Werte von Betway vertritt.

Filbry: Da gehen wir gerne mit. Mir ist das bei anderen Anbietern in der Werbung manchmal auch zu martialisch - und das zielt genau auf die Zielgruppen ab, die es zu schützen gilt. (kni)

Werder-Transfer-News: Wechselt Niklas Stark von Hertha BSC zu Werder Bremen?

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare