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Nabil Bentaleb hat einen zweifelhaften Ruf - er gilt als Eigenbrötler. Kann Florian Kohfeldt ihn bei Werder Bremen in die richtige Spur zurückführen?

Bentaleb: Nicht nur ein Karriereknick

Nabil Bentaleb wohl zu Werder Bremen: Warum ist sein Ruf nur so schlecht?

Gelsenkirchen/Bremen – Es geht nur noch um Details. Nächste Woche wird Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb sehr wahrscheinlich vom FC Schalke 04 zum SV Werder Bremen wechseln. Für ein Jahr auf Leihbasis. Damit sichern sich alle Beteiligten ab, was im Fall Bentaleb gewiss kein Fehler ist. Denn der 24-jährige Algerier gilt als genialer Fußballer, aber eben auch als schwieriger Typ.

Die Verpflichtung von Nabil Bentaleb ist für Werder Bremen ein Risiko, aber auch eine sehr große Chance. Der FC Schalke 04 hofft derweil auf eine Marktwertsteigerung eines ins Abseits geratenen Spielers – und Bentaleb selbst auf einen Neuanfang. Aber warum ist es überhaupt so weit gekommen?

Nabil Bentaleb: „Mir haben viele Clubs die Tür geschlossen“

So ein Karriereknick ist für Nabil Bentaleb nichts Neues. „Mir haben eine Menge Clubs die Tür geschlossen“, sagte der Algerier mal in einem Interview mit ESPN: „Der OSC Lille tat das, als ich 14 war. In diesem Alter träumst du das erste Mal davon, ein professioneller Fußballer zu werden. Das war eine schwierige Phase für mich. Ich hatte zwei Optionen: Aufgeben, oder ihnen zeigen, dass sie falsch lagen.“

Der junge Bentaleb entschied sich natürlich für Variante zwei. Er war es gewohnt, sich durchkämpfen zu müssen. In Lille geboren, wuchs er im Vorort Wazemmes auf, wo einem wahrlich nichts geschenkt wird. Nach seinem Aus in der Akademie des OSC Lille wechselte er ins benachbarte Belgien zu Excelsior Mouscron. Wenig später ging es zurück nach Frankreich zum Drittligisten USL Dunkerque. Als 17-Jähriger wurde er dort von einem Scout von Tottenham Hotspur entdeckt, der ihn – anders als die Verantwortlichen in Lille – nicht als zu schmächtig empfand.

Werder Bremen: Nabil Bentaleb schafft mit 19 zu Tottenham Hotspur

Nabil Bentaleb schaffte auf der Insel aus der Akademie der Spurs tatsächlich den Sprung in die Premier League, feierte mit 19 Jahren sein Debüt – und biss sich dort fest. Auch eine Sprunggelenksverletzung brachte ihn nicht vom Weg ab. In der Saison 2014/15 war er Stammspieler im Mittelfeld des englischen Topclubs. Doch dann stoppte ihn eine Knie-OP. „Als ich wieder bereitstand, gewann das Team fast alle Spiele. Ich bekam das Gefühl, dass man ohne mich plant“, erinnerte sich Bentaleb im ESPN-Interview: „Gerade in diesem Alter musst du aber spielen, um dich zu verbessern.“

Also wechselte er 2016 zum FC Schalke 04 – zunächst auf Leihbasis. 32 Bundesliga-Spiele, fünf Tore, vier Assists lautete seine Bilanz in der Premieren-Saison. Die Knappen überwiesen 19 Millionen Euro nach London, um den Algerier fest bis 2021 zu verpflichten. Bentaleb hatte Gelsenkirchen mit seinen genialen Pässen verzaubert. Dass bei ihm Genie und Wahnsinn nahe beieinander lagen, wurde ihm wegen seines noch jungen Alters verziehen.

Werder Bremen: Christian Heidel schimpfte auf Nabil Bentaleb, den Eigenbrötler

Doch irgendwann drehte sich der Wind. Die Ungeduld und die Unzufriedenheit wurden größer – und das auf beiden Seiten. Nabil Bentaleb wird dabei immer wieder als Eigenbrötler bezeichnet. „Alles ist schlecht, wenn er nicht spielt“, schimpfte Schalkes Ex-Manager Christian Heidel einmal und erklärte: „Wenn wir 5:0 gewinnen und Nabil hat nur eine Halbzeit gespielt, dann läuft er rum, als hätten wir 0:5 verloren. Das kann nicht sein, und das kommt natürlich nicht gut an.“

Für die Kollegen konnte es sogar mal schmerzhaft werden, wenn Bentaleb beleidigt war. Spürte der Algerier in der Trainingswoche, dass ihm ein Platz auf der Bank drohte, dann packte er schon mal die Blutgrätsche aus. Das hatte Benedikt Höwedes bestimmt nicht gemeint, als der damalige Kapitän in Bentalebs erster Saison auf Schalke im „Blauen Brief“ der Ultras Gelsenkirchen schwärmte: „Bentaleb und Stambouli, das sind Leute, die sich selbst als Krieger fühlen auf dem Platz. Wirklich, das ist geil! Ich war mit den beiden essen, und dann sagte Nabil nur: ,Wir müssen jetzt Krieger sein, wir müssen auf den Platz gehen’ – und ich dachte mir: Geil man, cooler Typ!“

Werder Bremen: Naldo schwärmt von Ex-Mitspieler Nabil Bentaleb

Auch Ex-Werder-Profi Naldo war begeistert von seinem Schalker Teamkollegen: „Ich schätze ihn sehr.“ Natürlich ist ihm die andere Seite des Algeriers nicht verborgen geblieben: „Auch Nabil hat Fehler gemacht. Aber er braucht nun einmal unbedingt das Vertrauen des Vereins, des Trainers und der Mannschaft.“

Dieses Vertrauen hat Nabil Bentaleb auf Schalke komplett verspielt. Mehrfach ist der Mittelfeldspieler aus der Mannschaft geflogen. Es begann bei Domenico Tedesco. Der Coach sei mit den Trainingsleistungen des algerischen Nationalspielers nicht mehr einverstanden gewesen, hieß es. Allerdings hatte sich Bentaleb auch öffentlich via „Bild“-Zeitung beschwert, nachdem er gegen Stuttgart 90 Minuten lang auf der Bank gesessen hatte: „Ich bin in der Form meines Lebens. Fragt den Trainer, warum ich nicht spiele.“ So etwas kommt bei Trainern bekanntlich nie gut an.

Werder Bremen: Nabil Bentaleb beim FC Schalke 04 mehrfach rausgeflogen

Tedesco-NachfolgerHuub Stevens begnadigte Bentaleb, weil er ihn in der vergangenen Rückrunde im Abstiegskampf brauchte. Doch es folgten zwei Suspendierungen. Beim ersten Mal hatte Bentaleb unentschuldigt bei einem Heimspiel gefehlt. Allerdings wäre er wegen einer Leistenverletzung ohnehin nur Zuschauer gewesen. Bentaleb ließ später via soziale Medien wissen, er wäre bei seiner hochschwangeren Frau im Krankenhaus gewesen. Dazu präsentierte er stolz seine gerade erst geborenen Zwillinge. „Das Spiel war am Samstag. Wir haben Nabil am Sonntag gefragt, wie es seiner Frau geht. Da war alles in Ordnung“, wehrte sich Sportvorstand Jochen Schneider gegen Vorwürfe, der Club habe mit der Suspendierung überreagiert.

Drei Wochen später durfte Bentaleb zurück ins Team. Aber nicht lange. Aufgrund einer erneuten „disziplinarischen Verfehlung“, hieß es in einer Clubmitteilung, musste der Profi wieder zurück zur Oberliga-Mannschaft. Er soll einen Deutsch-Kurs verpasst haben.Das Tischtuch ist nicht nur zerschnitten, es ist geradezu zerfetzt. Nabil Bentaleb soll nicht mehr nach Gelsenkirchen zurückkehren. Seit einer Leistenoperation im Juni mit anschließender Reha hält sich Bentaleb in Frankreich fit. Er wurde vom Trainingsbetrieb des FC Schalke 04 freigestellt, soll keinen Kontakt mehr zur Mannschaft haben. Dort haben einige Spieler ohnehin die Nase voll vom eigenwilligen Auftreten des Algeriers.

Nabil Bentaleb in Aktion (im Dress des FC Schalke 04) gegen Werder Bremen.

Werder Bremen: Ein bis zwei Spieler der Marke Nabil Bentaleb kann eine Mannschaft verkraften

Allerdings war die Situation bei den Königsblauen auch eine besondere in der vergangenen Saison: Das Team war in mehrere Gruppen gespalten, dazu soll es gleich mehrere Eigenbrötler gegeben haben – neben Bentaleb zum Beispiel auch Amine Harit und Mark Uth. Ein, zwei Spieler dieser Sorte kann eine Mannschaft vielleicht verkraften, mehr aber wohl nicht.

Im Falle eines Transfers vom FC Schalke 04 zu Werder Bremen würde Nabil Bentaleb in eine ziemlich intakte Mannschaft kommen. Allerdings ist da auch diese Lücke, die ein gewisser Max Kruse – auch so eine ganz spezielle Figur mit einem großen Ego – hinterlassen hat. Und Trainer Florian Kohfeldt hat bewiesen, dass er mit solchen nicht ganz einfachen Persönlichkeiten umgehen kann. An fußballerischer Klasse und auch an Ehrgeiz wird es Nabil Bentaleb nicht mangeln. So sagte er einmal: „Ich gebe niemals auf und werfe mich von der ersten bis zur letzten Minute voll rein. Ich hasse es, wenn man ein Spiel verliert.“ (kni)

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