Das sind die vier neuen Aufsichtsrats-Mitglieder des SV Werder Bremen: Ulrike Hiller, Harm Ohlmeyer, Dr. Florian Weiß und Dirk Wintermann (v.r.n.l.).
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Das sind die vier neuen Aufsichtsrats-Mitglieder des SV Werder Bremen: Ulrike Hiller, Harm Ohlmeyer, Dr. Florian Weiß und Dirk Wintermann (v.r.n.l.).

Das neue Bremer Kontrollgremium

Das Team der Zukunft steht: Hiller, Ohlmeyer, Weiß und Wintermann in den Werder-Aufsichtsrat gewählt

Bremen – Die Mitglieder des SV Werder Bremen haben gewählt und vier neue Mitglieder für den Aufsichtsrat bestimmt. Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller, Dirk Wintermann Dr. Florian Weiß ersetzen Marco Bode, Andreas Hoetzel, Thomas Krohne und Kurt Zech, die allesamt nicht mehr zur Wahl angetreten sind. Das neue Quartett bildet jetzt für die kommenden vier Jahre gemeinsam mit den vom Verein entsandten Marco Fuchs und Axel Plaat den neuen Aufsichtsrat. Seine Arbeit wird das Gremium aber erst in etwa vier Wochen aufnehmen können, zuvor müssen die vier gewählten Kandidaten noch durch die Hauptversammlung des Vereins bestätigt werden. Nicht gewählt wurden die Bewerber Henning Lühr, Oliver Spalthoff und Alexander Schnitger.

Es war die spannendste und vor allem hitzigste Mitgliederversammlung seit vielen, vielen Jahren erwartet worden – inklusive eines Besucherrekords. Zumindest der dürfte mit knapp 1000 Gästen im Wohninvest Weserstadion, wo die Versammlung wegen der Corona-Pandemie als Freiluftveranstaltung stattfand, geknackt worden sein. Ansonsten lief es fast so ruhig ab wie in früheren Veranstaltungen in der Werder-Halle mit nur rund 300 Mitgliedern. Die Werder-Welt blieb sich also auch in der Krise treu. Klar, es gab ein paar mehr Wortmeldungen als sonst, aber wirklich viel Kritik wurde dabei nicht geäußert. Und wenn doch, dann sehr sachlich. Der Wunsch von Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald („Im Mittelpunkt jedes Wortbeitrages muss heute das Wohl des SV Werder Bremen stehen.“) war in Erfülllung gegangen. Seine Geschäftsführer-Kollegen Klaus Filbry und Frank Baumann, die sich auf einer extra vor der Nordtribüne aufgebauten Tribüne in langen Vorträgen erklärt hatten, kamen anders als erwartet sehr glimpflich davon. Heiß wurde es trotzdem, das lag allerdings an der September-Sonne, die den Mitgliedern auf der Nordtribüne den Schweiß auf die Stirn trieb.

Im Mittelpunkt standen die sieben Kandidaten, die sich für die vier freien Plätze im Aufsichtsrat zur Wahl stellten – plus Peter Eilers, der Vorsitzende des Wahlauausschusses. Dem Gremium war vorgeworfen worden, keine Frau und keinen Fußball-Experten nominiert zu haben. Dann wurde auch noch bekannt, dass Kandidat Oliver R. Harms offenbar so gar nicht zur Wertevorstellung des SV Werder Bremen passt. Der Kandidat musste kurzerhand gestrichen werden, dafür rückte in Ulrike Hiller dann doch eine Frau auf die Liste – und sorgte für einen großen Lacher bei ihrer Vorstellung auf dem Podium: „Sie erleben ja jetzt mal eine ganz andere Tonalität, weil nach fünfeinhalb Stunden die erste Frau spricht.“

Die Wahl ist beendet: Das ist der neue Aufsichtsrat des SV Werder Bremen

Die Werder-Welt hatte sich bis dahin nur männlich präsentiert. Neben Hiller fiel auch Alexander Schnitger bei seiner rund fünfminütigen Vorstellung auf: Der 36-Jährige trat nicht nur im Werder-Trikot an, sondern versuchte sich auch an einem Werder-Bremen-Schlachtruf, bei dem ihm aber nur wenige Mitglieder folgten. Als einziger Kandidat hatte er vor dem Stadion Werbeflyer mit einer kleinen Tüte Gummibärchen verteilt. Auch die „Kein-weiter-so“-Bewegung um die zur Aufsichtsratswahl nicht zugelassene Maria Yaiza Stüven Sanchez war mit Flugblättern vor der Arena präsent, hielt sich dann im Stadioninneren aber zurück.

Zurück zu Eilers, der ließ die Kritik an der Arbeit seines Gremiums regungslos abprallen und auch Nachfragen zur Nicht-Nominierung von Ex-Profi Benno Möhlmann unbeantwortet. Allen 22 Bewerbern, mit denen mindestens zwei Stunden gesprochen worden war, sei Vertraulichkeit zugesichert worden. Damit war das Thema für Eilers erledigt, er verkündete nur noch das vom Wahlausschuss beschlossene Ranking der Kandidaten: Harm Ohlmeyer, Dr. Florian Weiß, Oliver Spalthoff, Henning Lühr, Dirk Wintermann, Alexander Schnitger und Ulrike Hiller.

Werder Bremen: Dr. Florian Weiß zieht als letztes Mitglied in den neuen Aufsichtsrat ein

Die Mitgliederversammlung war bereits fast sechs Stunden alt, bis endlich gewählt wurde. Aus sieben Kandidaten sollten vier Nachfolger für die nicht mehr angetretenen Bode, Hoetzel, Krohne und Zech werden. Krohne hatte vor wenigen Wochen sogar seinen vorzeitigen Rückzug verkündet und fehlte deshalb genauso – wie allerdings etwas überraschend – auch Zech. Der Unternehmer habe andere Termine, hieß es.

Vielleicht lag es an der Hitze, aber von den 854 Voll-Mitgliedern waren bis zur Wahl offenbar viele schon wieder gegangen. Es wurden nur 607 Stimmen abgegeben. Dabei erreichten Ohlmeyer (479), Hiller (389) und Wintermann (353) die im ersten Durchgang notwendige absolute Mehrheit. Das Trio war also durch. Im zweiten Wahldurchgang setzte sich dann Weiß (191) vor Lühr (116), Spalthoff (89) und Schnitger (53) durch. (kni)

Eine Frau, ein Fan-Vertreter, ein Favorit, einer aus der Ferne: Die neuen Mitglieder des Aufsichtsrats von Werder Bremen in Kurz-Porträts

Harm Ohlmeyer

Der 53-Jährige stammt gebürtig aus Hoya. Ohlmeyer hat bei Sportartikel-Gigant adidas Karriere gemacht, ist dort zum Finanzchef des global agierenden Unternehmens aufgestiegen. Zwei markige Sätze aus seiner Vorstellungsrede: „Ich garantiere kein Harakiri.“ Und: „Der Aufstieg in die Bundesliga muss unser Ziel sein.“ Er war der Favorit bei der Wahl und erhielt im ersten Wahldurchgang mit 479 von maximal möglichen 607 Stimmen auch die meisten Stimmen.

Ulrike Hiller

Auf den letzten Drücker war sie noch auf die Kandidatenliste gerutscht, wurde dann aber ebenfalls gleich im ersten Wahlgang gewählt (389 Stimmen). Die 56-Jährige hat viele Jahre in der Bremer Politik mitgewirkt, ist Staatsrätin a.D.. Sie arbeitet als Juristin und Mediatorin – sowie fortan auch als Aufsichtsrätin des SV Werder Bremen. „Ich bin keine Fußball-Expertin und auch kein Witschafts-Boss, aber wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig“, sagt sie: „Ich will ganz viele Leute in meiner Arbeit mitnehmen, vor allem auch alle Frauen, die hier Woche für Woche im Stadion sind – das wird langsam auch mal Zeit.“ Ulrike Hiller ist die erste Frau, die es jemals in den Werder-Aufsichtsrat geschafft hat.

Dirk Wintermann

Noch eine Premiere: Wintermann ist der erste Fan-Vertreter im Aufsichtsrat. Der Fan-Club „27801“ aus Dötlingen hat ihn zur Kandidatur motiviert. Der Inhaber eines mittelständischen Handwerksbetriebes setzt auf viel Kommunikation mit der Basis: „Ich habe in vielen Gesprächen mit verschiedenen Gruppen eine sehr große Sorge, Verbundenheit und Liebe zu Werder festgestellt. Wir müssen Misstrauen in Zutrauen umwandeln, damit daraus Vertrauen entstehen kann.“ Auch Wintermann schaffte gleich im ersten Wahlgang mit 353 Stimmen den Sprung in das Kontrollgremium.

Dr. Florian Weiß

Der Mann ist ein Experte in Sachen Digitalisierung. Mit 43 Jahren leitet er als Geschäftsführer die Plattform Jameda, die rund um den Betrieb von Arztpraxen digitale Lösungen entwickelt und anbietet. Seinen Doktortitel hat Weiß, der mit seiner Familie in Starnberg in Süddeutschland lebt, im Bereich Organisationspsychologie erworben. Seine Absichten mit Werder Bremen: „Wir brauchen Mut, klare Visionen und Professionalität. Bringing back the Traditionsverein. Ich möchte positive Energie in den Verein tragen.“ Weiß schaffte es mit einer Stimmenmehrheit im zweiten Wahldurchgang in den Aufsichtsrat. (kni/csa) Auch interessant: Verletzt! Werder Bremen muss mindestens gegen Ingolstadt auf Felix Agu und Oscar Schönfelder verzichten.

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