Davie Selke will sich nach seiner Rückkehr zu Werder Bremen in der neuen Saison unbedingt steigern.
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Davie Selke will sich nach seiner Rückkehr zu Werder Bremen in der neuen Saison unbedingt steigern.

Umzug in Wohnung von Claudio Pizarro

Werder-Stürmer Davie Selke im DeichStube-Interview: „Ich will es allen zeigen“

Zell am Ziller – Bei Klassenerhalt wird die Kasse geplündert: Sollte Werder Bremen auch in der kommenden Saison nicht in die zweite Liga absteigen, greift im Fall Davie Selke eine Kaufverpflichtung.

Zehn Millionen Euro müssen dann an Ablöse an Hertha BSC gezahlt werden – eine Summe, über die schon viel diskutiert wurde. Weil Davie Selke im ersten halben Jahr seiner Ausleihe nicht einmal ansatzweise zeigen konnte, dass er dieses Geld wert wäre. Im Trainingslager des SV Werder Bremen im Zillertal hat der 25 Jahre alte Stürmer darüber mit der DeichStube gesprochen. Im Interview räumt er seinen Fehlstart ein, sagt aber auch, dass die Ablöse für ihn ein Antrieb ist. Und er verrät, dass er jetzt in die alte Wohnung von Claudio Pizarro zieht. Ein gutes Omen? „Das hoffe ich doch“, sagt Selke.

Herr Selke, wie geht es Ihren Füßen?

Überraschend gut. Dabei ist das Programm hier ganz schön intensiv – und ich habe auch schon ein paar Tritte abbekommen (lacht).

Und was machen die Blasen, die neulich auf dem Platz behandelt werden mussten?

Alles okay. Ich habe neue Schuhe bekommen, da ist das normal.

Oder haben die Füße in der Vorbereitung auf die Vorbereitung mit Ihrem persönlichen Fitnesscoach womöglich zu sehr gelitten?

Naja, da haben nicht nur die Füße gelitten.

Wieso überhaupt das Extra-Programm im Urlaub?

Mir war es sehr wichtig, dass ich mich reflektiere. Ich war einfach nicht zufrieden mit dem, was ich im letzten halben Jahr gezeigt hatte. Es ist für mich eine große Sache, dass ich wieder bei Werder bin. Das ist ein besonderer Verein für mich, dem ich extrem dankbar bin. Da hätte es nicht gepasst, in diesem Urlaub nur auf der faulen Haut zu liegen.

Davie Selke schlug für Werder Bremen Angebot aus Premier League aus

Haben Sie das zum ersten Mal in Ihrer Karriere gemacht?

Ja, weil ich mir gesagt habe: Es muss jetzt was kommen von mir!

Ging das Reflektieren über das rein Fußballerische hinaus?

Natürlich. Dass Werder mich zurückgeholt hat, war ein großer Vertrauensbeweis an mich. Ich bin ein Typ, der so etwas am liebsten sofort zurückzahlen will. Das hat nicht gut funktioniert. Am Anfang bin ich noch ganz gut reingekommen. Aber dann habe ich Probleme mit der Luft bekommen. Ich hatte nicht die Kondition, konnte diese Wege nicht mehr machen.

Woher kam das?

Ich weiß es nicht. Ich hatte eigentlich einen ganz guten Laktatwert. Aber ich war nicht fit. Ich habe in den Spielen gemerkt, dass mir nach den Metern gegen den Ball die Kraft für das Spiel nach vorne gefehlt hat. Da habe ich im Sommer angesetzt und fühle mich jetzt schon deutlich fitter.

Sie wirkten im Saisonverlauf immer verunsicherter.

Ich bin da in eine Spirale geraten. Ich bin im Winter gekommen, um Werder zu helfen. Ich wollte gar nicht der Held sein und 15 Glocken machen, um noch mal Europa anzugreifen. Ich wollte Werder etwas zurückgegeben und bin deshalb nicht in die Premier League gegangen. Es ist immer noch ein großer Wunsch von mir, irgendwann in England zu spielen. Doch ich hatte einfach Bock auf Werder.

Werder Bremen: Davie Selke will „tolle Saison“ spielen - „Muss wieder der alte Davie werden“

Sie waren nur zweieinhalb Jahre bei Werder, davor viel länger in Hoffenheim und auch in Leipzig und Berlin nicht ganz so kurz – warum bedeutet Ihnen Werder so viel?

Es ist der einzige Club, der mir so viel bedeutet. Hertha BSC ist ein toller Verein, Berlin eine tolle Stadt. Aber Werder bin ich einfach dankbar. Das war damals nicht selbstverständlich, mich als so jungen Spieler so oft in der Bundesliga zu bringen, 30, 31 Mal. Ich war doch erst 19 Jahre alt. Der Verein hat mir extremes Vertrauen entgegengebracht, das war in Hoffenheim nicht so.

Müssen Sie aufpassen, diese Dankbarkeit und diese Verpflichtung, etwas zurückzahlen zu wollen, nicht stets als Last mit auf den Platz nehmen?

Auf jeden Fall. Ich muss wieder der alte Davie werden. Vielleicht wollte ich zu viel.

War es nach der Saison ein Thema, an der Ausleihe etwas zu ändern und Werder vorzeitig zu verlassen?

Gar nicht! Ich will es bei Werder hinbekommen, eine tolle Saison spielen. Ich habe in der Vergangenheit schon gezeigt, was ich in der Bundesliga leisten kann. Das gerät gerne in Vergessenheit. Ich habe die Qualität, Werder zu helfen. Und ich werde alles tun, um ein starkes Jahr für Werder zu spielen.

Es gibt eine Verpflichtung, dass Werder Sie für einen hohen Millionen-Betrag in einem Jahr kaufen muss. Bei einem Abstieg wäre das hinfällig, was bei den Fans auch gerne schon thematisiert wurde.

Das ist auch völlig legitim, weil ich nicht gut gespielt habe. Aber ich werde alles daran setzen, für Werder wertvoll zu sein.

Werder Bremen: Davie Selke und Niclas Füllkrug? „Könnte gut zusammen funktionieren“

Belastet Sie diese sehr hohe Ablösesumme?

Belasten nicht. Aber ich nehme natürlich wahr, dass das ein Thema ist. Ich weiß auch, was es für Werder bedeutet, so einen Schritt wegen mir gegangen zu sein. Damals war es nicht so abwegig, weil ich einen Marktwert von elf, zwölf Millionen Euro hatte. Jetzt liegt es an mir, mit guten Leistungen wieder in diese Regionen zu kommen. Das ist mein Antrieb.

Sie sind im Winter als Ersatz für den damals verletzten Niclas Füllkrug geholt worden. Jetzt ist er wieder fit, können Sie auch mit ihm spielen?

Ich denke schon. Wir sind nicht die gleichen Typen. Niclas ist eher so ein wuseliger Typ, der auch mal auf die Außen geht. Ich bin mehr der Typ geworden, der gerne zentral ist, der auch die Wege in die Tiefe sucht. Das könnte gut zusammen funktionieren.

Sie haben in den letzten drei entscheidenden Spielen – also inklusive Relegation – gar nicht mehr gespielt. Wie weh tat das, wo Sie Werder doch so sehr helfen wollten?

Ich habe darüber mit Florian Kohfeldt geredet. Was wir besprochen haben, bleibt aber unter uns. Es ist alles gut. Aber ich muss zugeben: Es war schon sehr schwierig für mich. Als der Klassenerhalt dann perfekt war, war es aber okay.

Fällt es einem dann schwer mitzufeiern?

Nein, nein – ich habe mich riesig gefreut, dass es geklappt hat. Es war so wichtig, dass Werder drin bleibt. Da ist kein Platz für persönliche Dinge, da kannst du keine Schnute ziehen. Die Busfahrt danach war auch einfach nur geil – viel Party, aber vor allem auch viel Erleichterung.

Davie Selke erzielte beim 4:1-Sieg von Werder Bremen im Testspiel gegen den Linzer ASK das erste Tor.

Werder Bremen: Davie Selke freut sich über viele junge Mitspieler

Sie haben seit Ihrem Wechsel Ende Januar die ganze Zeit mit Ihrer Frau im Hotel gelebt - warum?

Es war eine Katastrophe. Ich bin überhaupt kein Hoteltyp. Ich brauche meine Base, mein Bett, mein Sofa. Wir haben keine Wohnung gefunden, weil ich den Vermietern nur sechs Monate garantieren konnte. Es war ja nicht klar, ob ich hier bleiben kann. Aber jetzt hat es geklappt. Ich gehe in die alte Wohnung von Claudio Pizarro.

Wenn das kein gutes Omen ist.

(lacht) Das hoffe ich doch.

Wie sehr trübt es die Vorfreude auf die neue Saison, wenn man weiß, dass weiterhin ohne Zuschauer gespielt werden muss?

Das nervt mich extrem. Natürlich geht die Gesundheit vor. Aber für Werder geht damit ein großer Pluspunkt flöten. Die Atmosphäre im Weserstadion war ein entscheidender Punkt, um nach Bremen zurückzukehren. Wenn ich mit Leipzig oder Berlin bei Werder gespielt habe, haben die Jungs immer gesagt: ,Boah, ist das geil hier!’ Und ich habe das auch immer extrem abgefeiert. Deswegen war das Pokalspiel gegen Dortmund auch einer der schönsten Abende für mich. Allein dafür hat es sich gelohnt, wieder hier zu sein. Das war Gänsehaut, das war geil. Wir haben damals unter Viktor Skripnik viele Spiele gewonnen, obwohl wir nicht unbedingt besser waren, sondern wegen diesen positiv Verrückten auf der Tribüne.

Wie gut ist die aktuelle Mannschaft?

Wir haben viele erfahrene und verdiente Spieler verloren. Aber ich habe das Gefühl, dass sich die Mannschaft gerade neu findet. Es ist spannend. Die Jungs machen das gut, die machen Druck, das ist geil. Ich finde diesen Weg gut, auf junge Spieler zu setzen. Und ich kann nur alle bitten, gerade auch die Medien, mit diesen Spielern Geduld zu haben.

Werder Bremen - Davie Selkes Antrieb: „Ich will es allen zeigen“

Vor einem Jahr haben Sie sich vorgenommen, zweistellig zu treffen. Wagen Sie noch mal so eine Prognose?

Mein Anspruch an mich ist: Ich würde von einer guten Saison sprechen, wenn ich zweistellig getroffen habe. Aber wenn du aus einer Saison kommst, in der du nur ein Tor als Stürmer gemacht hast und dann sagst, du willst zweistellig treffen - also ganz ehrlich, wenn ich das lesen würde, würde ich denken: ,Quatsch nicht so viel, bring es erst mal auf dem Platz und mach‘ deine Butzen!' Deswegen haue ich hier jetzt keinen raus.

Wer hat Ihnen in der schwierigen Phase geholfen?

Meine Familie. Meine Frau ist cool. Mit ihr rede ich viel über andere Sachen. Mein ganzer Tag ist Fußball, auch in der Stadt, hier sind doch alle fußballverrückt. Da ist es schön, nach Hause zu kommen und andere Themen zu haben. Aber ich habe das auch mit mir ausgemacht: ,Okay, Davie! Bist du so zufrieden mit dir?‘ Ich könnte doch auch sagen: ,Ich habe noch ein paar Jahre Vertrag, warum mache ich mir so einen Stress?‘ Aber so bin ich als Typ nicht. Ich will es allen zeigen – den Medien, den Bremern, Florian Kohfeldt, Frank Baumann und natürlich auch mir selbst. Das ist mein größter Antrieb. Ich will wieder performen!

So wie am Mittwoch im Test gegen Linz mit einem tollen Tor. Wie gut hat Ihnen das getan?

Natürlich tut es gut zu treffen, auch wenn es nur in der Vorbereitung ist. Aber in diesen Wochen holt man sich doch das Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Klar ist jedoch auch: Es zählt alles erst, wenn es wieder richtig losgeht. (kni)

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