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Davy Klaassen ist in seiner ersten Werder-Saison nicht selten der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Grün-Weißen gewesen.

Von der Tribüne ins Endspiel

Klaassen – Glücklich nur mit Europa

Bremen – Davy Klaassen hatte keinen besonders prickelnden Samstag. Wie auch? Er war ja nach der fünften Gelben Karte gegen 1899 Hoffenheim gesperrt. „Du sitzt da und wartest“, sagt er über seinen Nachmittag auf der Tribüne der Pre-Zero-Arena, der nur erträglich wurde, weil Werder Bremen das erste von zwei Endspielen um Europa gewann.

Nun folgt gegen RB Leipzig Teil zwei – und wenn es Werder gelingen sollte, mit Glück und Geschick doch noch in die Qualifikation zur Europa League zu schlüpfen, dann können sie sich freuen, einen wie Klaassen im Team zu haben. 

Denn der Niederländer kennt den Wettbewerb so gut wie kaum ein anderer bei Werder – quasi von Anfang bis Ende. Darüber, über die Motivationen eigentlich unmotivierter Mannschaften am letzten Spieltag und den Wert der Saison auch ohne Europa-League-Ticket, spricht der Mittelfeldspieler im „Davy Klaassen über...“

... das Finale gegen Leipzig

Für Klaassen ist klar: Dieser letzte Spieltag entscheidet ganz wesentlich über den Grad der guten Laune während des Sommerurlaubs. Sollte die mutig zum Saisonziel gemachte Europa League verpasst werden, „wäre ich natürlich enttäuscht. Wir können zwar jetzt schon einigermaßen stolz sein auf das, was wir in dieser Saison gezeigt haben, aber am Ende geht es natürlich darum, etwas zu erreichen.“ Und das ist Platz sieben, das ist das internationale Geschäft. Ohne wäre die Saison irgendwie unvollendet.

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... die Hilfe der anderen

Die Ausgangslage ist hinlänglich bekannt: Werder braucht den Sieg gegen Leipzig, ist gleichzeitig darauf angewiesen, dass Augsburg und Mainz den Bremer Konkurrenten Wolfsburg und Hoffenheim Punkte abnehmen. „Ich glaube daran, dass es funktioniert“, sagt Klaassen, will aber auch nicht als Träumer auftreten: „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es in die Europa League schaffen, ist nicht so groß wie für Hoffenheim oder Wolfsburg.“ 

Zumal man sich fragen muss, welche Motivation Augsburg und Mainz haben sollten, sich nochmal voll ins Zeug zu legen. Für beide ist die Saison gelaufen, es geht um nichts mehr. Die viel diskutierte Gretchenfrage: Hilft das oder schadet das? Selbst Insider Klaassen, der wissen sollte, was in Profis in solchen Situationen vorgeht, zuckt mit den Schultern: „Vorher weißt du das nie. Entweder sie sagen, es gibt keinen Druck und spielen deswegen besser. Oder sie sagen, es gibt keinen Druck und lassen es einfach so laufen.“

Letzteres wäre extrem blöd für die Bremer. Aber wie könnten sie helfen, damit Variante eins greift. Mit einer Bierprämie? „Eher nicht“, sagt Klaassen und lacht. Es bliebe nur, „das Beste zu hoffen“. Und natürlich den eigenen Job zu machen: Klaassen: „Wenn die anderen nicht gewinnen, wir aber auch nicht, dann denken wir: ‘Oh, scheiße!’“

... Leipziger Schonung

Die Theorie ist diese: Weil RB Leipzig eine Woche nach dem Spiel in Bremen noch das DFB-Pokal-Finale in Berlin gegen Bayern München spielen darf, wird der Gegner – aus Angst vor Verletzungen – nur mit dosiertem Engagement auftreten. Sollte Klaassen ein Anhänger dieser Theorie sein, so weiß er das gut zu verstecken. „Ich glaube, Leipzig wird sehr motiviert sein. Sie wollen doch auch kein Spiel verlieren vor dem Pokalfinale, lassen es bestimmt nicht einfach laufen.“

... den Reiz Europas

Davy Klaassen ist ein Europa-League-Experte. Vor zwei Jahren stand er mit Ajax Amsterdam im Finale (und verlor 0:2 gegen Manchester United), kurz darauf absolvierte er mit dem FC Everton die Qualifikation. „Da kommst du in Länder und Gegenden, wo du normalerweise nicht hinkommst“, grinst der Niederländer und denkt an Gegner wie den MFK Rumzomberok aus der Slowakei. Wenig reizvoll. „Aber am Ende willst du die Gruppenphase erreichen, da gehören solche Spiele dazu“, meint Klaassen.

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... den Wert der Saison

Ohne Europa League, ohne Riesenjubel – die Formel gilt zwar für Davy Klaassen. Aber es gibt auch einen Wert der Saison, der über einen Tabellenplatz hinausgeht, erklärt der 26-Jährige. „Wir fangen nächste Saison gleich auf einem höheren Level an als in dieser Saison – auch wenn uns Spieler verlassen sollten.“ 

Und die Mentalität der Mannschaft sei ohnehin enorm gewachsen. Klaassen: „Wir haben Phasen in dieser Saison gehabt, in denen wir viel verloren haben. Aber am Ende waren wir immer wieder da. Es ist auch eine unserer Stärken, nie aufzuhören. Auch in Spielen, in denen wir 0:2 oder 0:3 zurückliegen. Wir sind eigentlich nie geschlagen, wir kommen immer zurück.“

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